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Frankfurt Frankfurt feiert die Altstadt

2. UpdateAm Wochenende feiert Frankfurt seine neue Altstadt - mit einem Spektakel. Wir fassen zusammen, was Sie zum Fest und über eines der größten Projekte in der jüngeren Frankfurter Geschichte wissen müssen.

Neue Frankfurter Altstadt
Die neue Frankfurter Altstadt zwischen Dom und Römer. Foto: Renate Hoyer

Im März 1944 wurde die Frankfurter Altstadt im Bombenhagel zerstört. 74 Jahre später gibt es ein neues Altstadt-Quartier: 35 Häuser, darunter 15 Rekonstruktionen historischer Gebäude, sind zwischen Dom und Römer entstanden.  Das will gefeiert werden.

Das Highlight: Drohnen-Show

Einer der großen Highlights: die Drohnen-Show zwischen Eisernem Steg und Untermainbrücke. Am Samstag um 21.44 Uhr wurde die Laternenbeleuchtung ausgeschaltet, gespanntes Warten auf die 110 Quadrocopter, die Sternenbilder in den Himmel malen sollen. Elektronische Musik erklingt – und eine Zeitreise durch die Frankfurter Geschichte beginnt. 

Während von den Krönungen die Rede ist, leuchtet eine gelbe Krone aus Drohnen über dem Main. Goethes Antlitz wird in den Himmel gemalt, Rauten, U-Bahn-Symbole, der Main die Waage vom Gerechtigkeitsbrunnen, der Struwwelpeter sind zu erkennen. Und so richtig Applaus gibt es, als vom gewonnenen DfB-Pokal der Eintracht die Rede ist: Ein weißer Drohnen-Adler flattert durch den Nachthimmel. Nach 17 Minuten ist es vorbei.

Frankfurt feiert die Altstadt: Die Bühnen 

Das Hauptprogramm des Altstadtfests von Freitag, 28., bis Sonntag, 30. September, findet auf zwei Bühnen statt. Hier die Höhepunkte.

Bühne 1 am Römer:  

Samstag: Um 13.05 Uhr spielt die Schirn Big Band der Musikschule Frankfurt. Eine Faust-Musical-Inszenierung gibt es von der Dramatische Bühne um 15.45 Uhr. Um 20 Uhr können Besucher sich auf die HR-Bigband mit dem Stargast Laith Al-Deen freuen. 

Sonntag:   600 Jahre gibt es Roma in Frankfurt. Passend dazu spielen um 11 Uhr die Roma und Sinti Philharmoniker. Um 16 Uhr singt der Cäcilienchor. Und um 17.30 Uhr gibt es eine ökumenische Andacht zur Altstadteröffnung.

Bühne 2 am Main:

Samstag: Andreas Kümmert singt auch: Genau, der, der eigentlich beim ESC 2015 antreten sollte, aber dies lieber der Zweitplatzierten überließ. Mit seinem neuen Album „Lost And Found“ ist der Blues-Man in Frankfurt von 19.30 bis 21.30 Uhr am Start. 

Sonntag: Die Rodgau Monotones muss man nicht mehr vorstellen. 1977 trafen sich fünf Musiker aus dem Großraum Rodgau zum ersten Mal im Proberaum, ausgewählt nach dem Kriterium „wer ist der lauteste im Land“. Sie spielen von 16 bis 18 Uhr. 

Frankfurt feiert die Altstadt: Die Highlights

Rudern wie die Römer: Zum ersten Mal seit mehr als 1700 Jahren patrouilliert ein römisches Kriegsschiff auf dem Main. Das macht das Archäologische Museum möglich. Die „Victoria“, der originalgetreue Nachbau eines römischen Flusspatrouillenbootes aus der Zeit um 100 nach Christus, wird am Samstag und Sonntag jeweils ab 11 Uhr am nördlichen Mainufer nahe der Landungsstelle der Primus-Linie anlegen. Erwachsene und Kinder können mitfahren – und rudern wie die Römer. 

Fliegende Volksbühne: Den Krönungsweg live inszeniert die Frankfurter Volksbühne.  Der Kaiser mit Frankfurter Gefolge beschreitet den Krönungsweg vom Dom zum Römer, und zwar am Freitag um 19.30 Uhr; am Samstag um 12, sowie um 13, 17 und 19 Uhr, und dann nochmal am Sonntag um 12.30, 13.30, 15.30 und 17.30 Uhr. 

Das pralle Wirken in der Altstadt kann man auch erleben. Die Geschichte des Quartiers erwacht bei Wind und Wetter und natürlich auf frankforderisch zum Leben, mit Szenen aus Texten von Stoltze, Ettlinger, Deichsel - und mit Musik. Die Inszenierungen sind am Freitag, 18.30 und 20.30 Uhr, am Samstag (11, 14, 15 und 16 Uhr). Und am Sonntag (11.30, 14.30 und 16.30 Uhr). Immer im Innenhof Hinter dem Lämmchen 6 / Braubachstrasse 29. rose

Sternenbilder: Es wird magisch schön am nächtlichen Mainufer, wenn hier erstmalig eine Drohnen-Choreografie zu bestaunen ist. Mit 110 LED-Quadrocoptern ist es die weltweite erste Inszenierung dieser Größe. Bei diesem Lichtspiel verschmelzen eigens komponierte Musik und gesprochene Passagen zu einer Hommage an Frankfurt . Die öffentliche Generalprobe ist am Freitag um 21.45 Uhr. Der offizielle Termin ist Samstag um 21.45 Uhr. rose

Filme: Es ist eine Zeitreise in die Altstadt vor 100 Jahren: Besucher erleben vier Stummfilme aus den 1910er und 1920er Jahren, die in Frankfurt entstanden und bislang selten gesehene Ansichten der unzerstörten Altstadt bieten. Das Programm wird, wie im Stummfilm üblich, mit Livemusik präsentiert. Am Flügel ist der Wiesbadener Jazz-Preisträger Uwe Oberg zu hören, der mit der Jazz-Sängerin und Vokalistin Sylvia Sauer die Filme begleiten wird. Termin: Samstag, 18 bis 20 Uhr. Veranstalter: Haus am Dom, Domplatz 3. 

Fünf historische Filmschätze der 1920er bis 1950er Jahre, eine Reportage aus den 1980er Jahren des Hessischen Rundfunks sowie ein zeitgenössischer Dokumentarfilm nehmen die Frankfurter Altstadt in den Blick: Sie zeigen das Leben und Treiben in den engen historischen Gassen, die Zerstörung im Zweiten Weltkrieg, den modernen Wiederaufbau der Innenstadt der 1950er Jahre. Und führen schließlich über die Rekonstruktion der Ostzeile in den 1980ern bis zur zeitgenössischen Diskussion um die Rekonstruktion des Altstadtbereichs. Zu sehen sind sie am Samstag und Sonntag, 15 bis 17 Uhr, am Römerberg 9. Veranstalter: Evangelische Akademie Frankfurt, Filmkollektiv Institut für Stadtgeschichte. 

Porzellan-Manufaktur: Die Höchster Porzellan-Manufaktur 1746 eröffnet am Markt 36, „Goldenes Haupt“, einen Verkaufsladen in der Altstadt. Zu den offiziellen Feierlichkeiten haben Besucher bereits  die Gelegenheit, das neue Ladenlokal kennenzulernen. 

Führungen: Die Tourismus+Congress GmbH bietet zahlreiche Altstadtführungen an. Am Freitag von 12 bis 15 Uhr alle 30 Minuten, dann alle 15 Minuten von 15 bis 20.30 Uhr. Am Samstag alle 15 Minuten von 11 bis 20.30 Uhr und am Sonntag alle 15 Minuten von 11 bis 17 Uhr. 

Für Familien gibt es Altstadtführungen am Freitag um 16 Uhr; Samstag um 11 und 16 Uhr und am Sonntag  um 11 Uhr. Die Tickets kosten 10 Euro für Erwachsene, für Kinder (6 bis 16 Jahre) 8 Euro. Tickets unter: www.frankfurt-tourismus.de oder vor Ort. Treffpunkt: Touristen-Information, Römerberg 27.   rose

Ausruhen: Das Haus am Dom, Domplatz 3, lädt in der Ruhezone im Giebelsaal zu einer Pause vom Altstadttrubel ein. Hier kann man am Sonntag von 12 bis 18 Uhr entspannende Musik hören oder in einem Buch lesen. Oder einfach nur so chillen. 

Frankfurt feiert die Altstadt: Die Infomeile am Main

Am Mainkai am Eisernen Steg präsentieren sich verschiedene Museen mit Ständen. 

Eintrachtmuseum-Stand: Kinder können sich ihren eigenen Eintracht-Button basteln. Zudem gibt es einen launigen Vortrag in der Evangelischen Akademie am Römerberg 9 am Freitag um 17 Uhr. Da geht es um die Verbindungen zwischen Eintracht und Altstadt. 

Auch das Jüdisches Museum / Museum Judengasse hat einen Stand. Da geht es um das jüdische Frankfurt. Eine Exklusivführung im alten Judenviertel am Dom mit dem stellvertretenden Direktor des Jüdischen Museum, Michael Lenarz, gibt es am Samstag um 16 Uhr.

Das Struwwelpeter-Museum zieht in die Altstadt:  Ende März 2019 schließt das Museum im Westend, denn Struwwelpeter erobert sich die neue Frankfurter Altstadt. Im Sommer 2019 ist die Eröffnung in zwei schönen, rekonstruierten Häusern mit Blick auf den Hühnermarkt geplant. Den Stand des Museums wie alle anderen Stände auf der Infomeile kann man schon mal am Freitag, 15 bis 20 Uhr; Samstag, 11 bis 20 Uhr und am Sonntag, 11 bis 18 Uhr, besuchen. rose 

Frankfurt feiert die Altstadt: Die Straßensperrungen

Wegen der Auf- und Abbauarbeiten für die Eröffnungsfeier sind das Nordufer (Mainkai, Untermainkai) zwischen Alte Brücke und Untermainbrücke bis 2. Oktober um 15 Uhr gesperrt. Außerdem kommt es von Freitag bis Sonntag zu Straßensperrungen. Die Braubachstraße ist zwischen Buchgasse und  Domstraße gesperrt. Besuchern wird empfohlen, mit öffentlichen Verkehrsmitteln anzureisen. rose

Prunkstück der neuen Altstadt: die „Goldene Waage“

Das prachtvollste Haus der neuen Altstadt ist wohl „Die Goldene Waage“. In mühevoller Kleinarbeit wurde es so detailgetreu wie möglich nachgebaut. Ein Fachwerkgebäude aus der Renaissance.  Der wohlhabende Gewürzhändler und Zuckerbäcker Abraham van Hamel ließ das Haus für sich und seine Familie von 1616 bis 1619   errichten. Im Gegensatz zu anderen Gebäuden aus dieser Zeit ist das Gebäude gut dokumentiert. Es gibt alte Pläne, Zeichnungen und Fotografien, die eine Rekonstruktion erleichterten. Der Architekt Jochem Jourdan forschte im Stadtarchiv und im Historischen Museum, suchte nach Original-Bauteilen. Der enorme Aufwand hat sich gelohnt: Die „Waage“ ist das Prunkstück der Altstadt.  Im Hinterhaus zieht demnächst das Stoltze-Museum ein. Ab Oktober können die ersten Besucher die Räume bewundern und vom Belvederchen auf das neue Viertel schauen.

Das interaktive FR-Webdossier zur neuen Frankfurter Altstadt

Unter FR-story.de erzählt die Frankfurter Rundschau die Geschichte des Mega-Projekts: Erfahren Sie mehr über den Untergang der Frankfurter Altstadt in einem verheerenden Feuersturm und die hitzige Debatte um den Wiederaufbau. Wir lassen Sie hinter die Kulissen der Bauarbeiten schauen und stellen Ihnen die historischen Nachbauten in einer interaktiven Grafik und in zahlreichen Bildern vor. Vergleichen Sie die neue mit der ursprünglichen Altstadt mit Vorher-Nachher-Ansichten. Unsere 360-Grad-Panoramas versetzen Sie mitten hinein in die Gassen und Hinterhöfe des neuen Viertels. Hier geht es zum Altstadt- Webdossier.

Alle Infos zur Altstadt in FR-Geschichte 

Die Frankfurter Rundschau widmet ein komplettes Geschichtsheft dem neuen Vorzeige-Quartier. Es ist seit dem 21. September erhältlich und kostet sechs Euro. Auf 82 Seiten bietet es umfangreiche Informationen zu den spektakulären Gebäuden wie der „Goldenen Waage“, spannende Einblicke in das Frankfurter Altstadtleben im 19. Jahrhundert, prominente Zeitzeugenberichte von der Zerstörung 1944 und ein Gespräch mit dem Architekten Jochem Jourdan über die komplizierte Aufgabe der historischen Rekonstruktion eines ganzen Stadtviertel.   

Platzverweise für Bettler in der Frankfurter Altstadt 

Die Altstadt ist ein Magnet für Touristen - etwa 5000 Menschen besuchen das Areal jeden Tag. Das klappt recht reibungslos, doch ein paar Abstimmungsprobleme gibt es noch. So existieren für das 7000 Quadratmeter große Quartier gerademal zwei Papierkörbe. Auch mit der Arbeit einiger Stadtführer ist die zuständige DomRömer GmbH noch nicht ganz zufrieden. Da würden „unqualifizierte Falschmeldungen“ verbreitet, rügt Geschäftsführer Michael Guntersdorf. 

So habe ein Führer doch tatsächlich erzählt, dass die Kommune in der Altstadt extrem teure Mietwohnungen gebaut habe. „Wir haben gar keine Mietwohnungen gebaut“, so Guntersdorf. Es waren 80 teure Luxus-Eigentumswohnungen, die nun teilweise von ihren Eigentümern an andere Nutzer weitervermietet werden - zu Preisen von bis zu 18 Euro pro Quadratmeter. „Für diese Lage okay“, sagt die DomRömer GmbH. 

Gegen die Bettelei im Touristen-Hotspot unternehme nun die Stadtpolizei täglich Kontrollgänge durch die Altstadt - und spricht auch schon mal Platzverweise gegen besonders aggressive Bettler aus.    

Eine „mentale Heilung für die Bürger“  

Die Altstadt ist mehr als eine beeindruckende Kulisse für Touristen. Viele Frankfurter knüpfen starke Emotionen an das rekonstruierte Quartier. „Die neue Altstadt ist wie eine Art mentale Heilung für die Bürger der Stadt, die sich an ihr erfreuen und stolz darauf sind“, sagt Cornelia Bensinger vom Verein Pro Altstadt. „Die Bürger brauchen den Altstadtwiederaufbau für ihre Identifikation mit der Stadt.“  

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Neue Altstadt Frankfurt

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