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Frankfurt Forsche Schnäppchenjäger aus China

Einige Geschäfteinhaber auf der Berliner Straße in Frankfurt stöhnen über die Chinesen. Nepper fordern eine Umsatzbeteiligung.

Berliner Straße
Chinesische Touristen vor dem Outlet-Store auf der Berliner Straße. Foto: Christoph Boeckheler

Die Informanten hatten Annette Langenhenke gewarnt. Die Berliner Straße sei „die Chinesen-Meile“, hatte die Dortmunderin zu hören bekommen. Der Pralinenladen „Pott au Chocolat“ ist im Ruhrpott schon lange Kult, und bei der Suche nach dem Standort für eine zweite Filiale hat Frankfurt Düsseldorf ausgestochen, und hier fiel die Wahl schließlich auf die Berliner Straße. Im Grunde genommen ist Langenhenke mit dem Standort auch zufrieden, wären da nur nicht die vielen Touristen aus China, die vor dem Laden herumstehen oder gar reinkommen und sich hinsetzen, ohne etwas zu kaufen. „Dass es so anstrengend mit ihnen wird, hätte ich nicht gedacht“, gesteht die Geschäftsführerin der Chocolaterie.

Maren Zumkley vom Schuhgeschäft zwei Häuser weiter hat schon ganz andere Erfahrungen mit den asiatischen Gästen gemacht, die ein durchaus forsches Auftreten hätten. Weil sie immer wieder einfach ungefragt in das hübsch dekorierte Schaufenster stiegen, um sich Ware herauszunehmen, hat Zumkley Schilder in chinesischer Sprache angebracht, die Einhalt gebieten sollen. „Einmal bin ich auch verprügelt worden“, sagt die Geschäftsfrau. Sie hatte eine Kundin davon abhalten wollen, eigenmächtig ins Lager zu gehen; die Frau schlug mit ihrem Rucksack um sich.

Das größte Problem ist dabei die Sprachbarriere. „Die meisten sprechen wirklich nur Chinesisch, kein Englisch“, sagt Zumkley, die darüber hinaus die Schnäppchenjägermentalität beklagt. „Sie stehen noch in der Tür, da rufen sie schon ‚Discount‘.“ Bei einem Paar Schuhe, das 200 Euro kosten soll, tippten sie dann eine 50 in ihre Taschenrechner oder Handys.

Diese Mentalität rührt von einem Geschäft zwei Türen weiter her. Dort ist mit Tobosst das „Outletcenter Frankfurt“ beheimatet. Vor dem Geschäft stehen meist palettenweise Kartons mit Töpfen und Messersets, die hier an die Kundschaft aus China verkauft werden. Dem örtlichen Einzelhandel bringt das nur bedingt etwas, wie Tom Weisbecker von der Goldschmiede Stadtgold zu berichten weiß: „Die Gutscheine dafür kaufen sie schon in China.“

500-Euro-Schein für ein Eis

Weisbecker selbst berichtet von „Neppern“, die in seinen Laden gekommen seien und für zehn Prozent Umsatzbeteiligung versprachen, die Reisegruppen in das entsprechenden Geschäft zu lotsen. Doch fast alle Reisegruppen tummeln sich vor Tobosst und dem benachbarten China-Restaurant Jing Hai, in dem ganze Busladungen einkehren. Auch die Zeugen Jehovas haben die Chinesen als potenzielle Adressaten für sich entdeckt und versuchen die Kaufwütigen mit Prospektmaterial in Hochchinesisch zu bekehren.

Thomas Feda, der Chef der Frankfurter Tourismus- und Congress-GmbH weiß von den vielen Chinesen, die „im Schnelldurchlauf“ durch Frankfurt geschleust würden und oft nur ein paar Stunden blieben. In diesem Jahr bringen es rund 190 000 Chinesen auf immerhin 300 000 Übernachtungen. Frankfurt ist damit vor Berlin, Hamburg und München der deutsche Anlaufpunkt Nummer eins für die Chinesen. Knapp 90 wöchentliche Flugverbindungen von Rhein-Main ins Reich der Mitte machen es möglich.

Wie alle anderen Städte buhlt auch Frankfurt um die neue chinesische Mittelschicht, die laut Feda auch mal zwei bis drei Tage in der Stadt bleibt und äußerst kaufkräftig ist. Wie kaufkräftig, davon hat sich auch Annette Langenhenke von „Pott au Chocolat“ schon überzeugen können. „Sie wollen eine Kugel Eis für 1,20 Euro und wedeln mit einem 500 Euro-Schein.“

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