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Frankfurt Flughafen Abschiebung Die verbotene Reise des Ashkan K.

Eine Würzburger Initiative gegen die Abschiebung von Asylbewerbern macht am Montagabend am Frankfurter Flughafen Station. Die Aktivisten sind auf dem Weg nach Berlin; bewusst verstoßen sie gegen das Reiseverbot für nicht anerkannte Flüchtlinge.

10.09.2012 20:27
Von Lea Deuber
Würzburger Protest am Frankfurter Flughafen. Foto: Christoph Boeckheler

Durch die Berge über die Türkey, Griechenland und Italien ist Ashkan K. aus dem Iran nach Deutschland geflüchtet. Seit zwei Jahren lebt der 23-Jährige nun in einem Asylheim und wartet auf eine Entscheidung über seine Zukunft. Mittlerweile hat er es satt.

Am Montag protestierte der Iraner zusammen mit 40 Aktivisten am Frankfurter Flughafen für bessere Lebensbedingungen von Asylbewerbern und gegen ihre Zwangsabschiebung. Sie protestierten vor den Schaltern von Fluggesellschaften, denen sie vorwerfen, Menschen gegen ihren Willen im Auftrag des Staates in ihre Heimat zu fliegen.

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Die Demonstration ist Teil eines Protestmarsches, der von Würzburger Asylbewerbern und Aktivisten initiiert wurde, nachdem sich dort im Januar ein Flüchtling das Leben genommen hatte. Seit Samstag marschiert eine Gruppe die 600 Kilometer von Würzburg nach Berlin. Eine zweite Gruppe fährt mit einem Bus und macht dabei in verschiedenen deutschen Städten halt, um auf die Situation der von Abschiebung Bedrohten aufmerksam zu machen. Auch haben sie angekündigt, andere Asylbewerberheime zu besuchen und die Flüchtlinge dort aufzufordern, sich ihnen anzuschließen. In drei Wochen wollen sie in Berlin sein.

Die Marschteilnehmer fordern vor allem die Abschaffung der Residenzpflicht, die Asylbewerber in Deutschland zwingt in ihrem Regierungsbezirk, in dem die ihnen zugewiesene Unterkunft steht, zu bleiben. Die Asylsuchenden in der Gruppe verstoßen mit der Reise dagegen.

"Für unsere Rechte kämpfen"

Auch Ashkan K. hätte Würzburg nicht verlassen dürfen. Wenn die Polizei ihn aufgreift, wird er verhaftet. Trotzdem möchte er eigentlich, dass sein vollständiger Name in der Zeitung steht. „Nur weil es ein Gesetz gibt, bedeutet das nicht, dass es richtig ist“, sagt K. in fließendem Englisch. „Ich möchte mich nicht an ein Gesetz halten müssen, das meine Rechte verletzt.“ Er versteht nicht, warum sich Deutsche in Europa frei bewegen dürften, Asylbewerber aber nicht mal über den jeweiligen Regierungsbezirk hinaus.

Der 23-Jährige hat nach eigenen Angaben im Iran Mathematik studiert, bis er wegen seines politischen Engagements von der Universität ausgeschlossen wurde. Daraufhin floh er aus seinem Heimatland. „Jeder Mensch sollte entscheiden dürfen, wo er lebt“, sagt K. „Wir werden bis nach Berlin reisen und dort für unsere Rechte kämpfen.“

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