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Frankfurt „Dort werden Menschen wie ich herabgewürdigt“

Manuel Stock, Chef der Grünen im Römer, spricht im Interview mit der FR über das Symposium der „Demo für alle“ in Frankfurt.

Manuel Stock
Manuel Stock will an der Gegendemo teilnehmen. Foto: Michael Schick

Am Samstag plant die Organisation „Demo für alle“ eine Veranstaltung in Frankfurt. Verschiedene Redner werden sich dort gegen die Öffnung der Ehe für homosexuelle Paare aussprechen. Ein Bündnis plant bereits eine Gegendemonstration auf der Hauptwache. Manuel Stock, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Römer, will sich anschließen.

Herr Stock, am kommenden Samstag möchte das rechte Bündnis „Demo für alle“ ein Symposium in Frankfurt halten. Die Frankfurter Aids-Hilfe ruft zu einer Gegendemonstration auf. Werden Sie sich am Protest beteiligen?
Auf jeden Fall. Schon als die sogenannte Demo für alle im letzten Jahr in Wiesbaden so ein Symposium abgehalten hat, war ich auf der Gegendemonstration – mit Mann und Kind. Das war die erste Demo-Erfahrung für unseren kleinen Sohn.

Das Symposium steht unter dem Motto: „Öffnung der Ehe - Folgen für Alle“. Sie und ihr Partner sind noch nicht verheiratet, soweit wir wissen. Welche „Folgen“ hätte es denn, wenn sie beide heiraten?
Wir sind aktuell noch verpartnert, vor fünf Jahren war die Ehe noch nicht geöffnet. Die Möglichkeit, jetzt richtig heiraten zu können, ist für uns eine Anerkennung des Staates. Damit macht er klar, dass aus seiner Sicht unsere Verbindung genauso viel wert ist, wie jene von Mann und Frau. Und international würde uns die Ehe absichern. Die Lebenspartnerschaft wird ja nicht überall anerkannt. Ich meine, es geht ja bei der Öffnung der Ehe nicht darum, dass jetzt alle heiraten müssen. Wenn Menschen nicht heiraten wollen, ist das genauso gut. Es geht aber um die Chance, heiraten zu können. Und viele Rechtskonservative scheinen Angst zu haben, dass ihnen etwas genommen wird, wenn andere endlich gleiche Rechte erhalten.

Was glauben Sie, welche Folgen fürchten die Veranstalter …
In diesen zutiefst reaktionären Kreisen werden Themen hochgezogen, um am Ende das eigene Weltbild, das zutiefst von der Missachtung anderer geprägt ist, durchzusetzen. Die Diskussionen, die da laufen, sind ausschließlich pseudowissenschaftlich. Da wird auf Regenbogenfamilien wie meiner rumgehackt, obwohl alle wissenschaftlichen Studien zeigen, dass Kinder in solchen Familien genauso gut oder schlecht aufwachsen können wie in heterosexuellen Familien. Aber ob es nun Regenbogenfamilien sind, die Ehe für alle oder wie im letzten Jahr die Sexualerziehung: Letzten Endes geht es diesen Menschen darum, gegen Vielfalt mobil zu machen. Die wollen in eine Zeit zurück, die für viele Menschen von Diskriminierung geprägt war.

Sie sind persönlich betroffen. Fühlen Sie sich auch persönlich angegriffen?
Ja, natürlich. Dort werden Menschen wie ich herabgewürdigt. Mir als Regenbogenvater wird die Fähigkeit abgesprochen, Teil einer liebevollen Familie zu sein, in der Kinder behütet aufwachsen können. Deshalb ist es mir wichtig, dass nicht nur Betroffene am Samstag auf die Straße gehen, sondern auch viele Heterosexuelle. Dass wir zeigen: Wir stehen hier gemeinsam für eine offene und pluralistische Gesellschaft. Die „Demo für alle“ hat sich Lesben, Schwule und Transpersonen als Ziel ausgesucht, aber letztlich geht es gegen alle, die nicht in ihr 50er-Jahre-Weltbild passen.

Interview: Danijel Majic

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