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Frankfurt-Dornbusch 43 verschiedene Identitäten

Susanne Konrad hat ein Buch über die Frankfurter Stadtteile herausgegeben. Es gibt Erzählungen, Gedichte und historische Betrachtungen.

Susanne Konrad mit ihrem Buch „Frankfurter Einladung“. Foto: Peter Jülich

Das Herz des Dornbuschs schlägt im Dichterviertel. Dort, wo sich Villen aus der Gründerzeit an Jugendstil und Bauhaus schmiegen. Dort, wo Anne Frank einen Teil ihrer Kindheit verbrachte, die Dichterin Miele Braach bis zu ihrem 102. Lebensjahr und Marcel Reich-Ranicki bis zu seinem Tod wohnten. „Die Menschen im Dornbusch sind offen für Literatur“, sagt Susanne Konrad, die seit fünf Jahren in dem Stadtteil lebt.

Dass die Schriftstellerin zum Schreiben kam, hängt auch mit Anne Frank zusammen, die bis zur ihrer Flucht in die Niederlande im Jahre 1934 in der Ganghoferstraße 24 wohnte. „Ich habe mich in der Schule sehr intensiv mit Anne Frank und ihren Tagebüchern beschäftigt“, sagt Konrad, die in Bonn geboren wurde und im Ruhrgebiet aufwuchs.

Als junge Frau kam sie nach Frankfurt und studierte Literaturwissenschaft – mit dem festen Plan, Schriftstellerin zu werden. Das hat sie geschafft: 2005 erschien ihr erster Roman: „Camilles Schatten“. Jetzt hat die 51-Jährige einen Sammelband veröffentlicht, der alle 43 Frankfurter Stadtteile behandelt. Auch den Dornbusch, der Konrads Lieblingsstadtteil ist.

„Frankfurter Einladung. Erzählungen, Geheimnisse und Rezepte“, heißt das 274-seitige Werk, das im September im Größenwahn-Verlag erschienen ist. Es handelt sich um eine Anthologie über Stadtteilidentitäten. „Es gibt Erzählungen, Gedichte und historische Betrachtungen, volkstümlich angehaucht“, sagt Konrad. Derzeit stellt sie das Buch in mehreren Stadtteilbibliotheken vor. Nicht alleine, denn Susanne Konrad hat es nicht ohne Hilfe geschrieben. Insgesamt 38 Autoren hat sie gewinnen können, die einen oder mehrere Stadtteile porträtieren. Der Gedanke dahinter: Jeder Stadtteil ist einzigartig und soll entsprechend gewürdigt werden.

„Es gibt riesige Unterschiede – ob man sich im Bahnhofsviertel oder in Harheim bewegt“, sagt Konrad, die 1995 über Goethes Wahlverwandtschaften promovierte. Und welche Stadtteil-Geschichte hat sie am meisten fasziniert? „Was mich sehr bewegt hat, ist Bockenheim.“ Im Kapitel thematisiert Norbert Saßmannshausen die 68er-Generation und die Folgen für Bockenheim.

Den Abschnitt über den Dornbusch – den sie wegen der zerschneidenden Eschersheimer Landstraße einen Durchgangsstadtteil nennt – hat Susanne Konrad selbst verfasst. Dort kennt sie sich aus. Als Stadtteilhistorikerin der Polytechnischen Gesellschaft forschte sie zur Historie des Stadtteils in der NS-Zeit. Kurze Zeit später reifte in ihr die Idee, eine Anthologie über alle Stadtteile herauszugeben.

Auch die Kurzgeschichte über Kalbach hat sie selbst geschrieben. Dort hat sie zehn Jahre lang gelebt, ehe sie der Liebe wegen zu ihrem zweiten Mann an den Dornbusch zog. Vor Jahren schrieb sie eine Biografie über den letzten Kalbacher Bürgermeister, Rudolf Lade. „Kalbach habe ich sehr gemocht, weil es so zierlich ist mit seinen alten Häusern“, sagt Konrad.

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