Lade Inhalte...

Frankfurt Diese App führt zum nächsten Wasserhäuschen

Die App „Hopfenstop“ soll Durstige sicher zum nächsten Wasserhäuschen geleiten. Funktioniert das auch? Wir haben es getestet.

Wasserhäuschen-App
Sebastian Blam, einer der Erfinder, und die App. Foto: Rolf Oeser

Mann – dieser Durst! Ich brauche jetzt unbedingt ein Wasserhäuschen. Aber wo? Wer kennt die Büdchen, nennt die Namen? Hier: „Hopfenstop“. Das wirkt.

Hopfenstop ist eine Smartphone-App. Bringt dich angeblich im Flaschenumdrehen zum nächsten verfügbaren Wasserhäuschen. Na, mal sehen. App installieren … Ortungsdienst freigeben während der Nutzung … und bitte. Rubrik „In der Nähe“ – was kriege ich angezeigt? Hui, jede Menge. 19 Kioske im Umkreis von 1000 Metern.

„Wir finden einfach diese Wasserhäuschenkultur gut“, sagt Sebastian Blam, einer der drei Informatikstudenten, die die App entwickelt haben. Mit dabei sind Kai Kroth und Tobias Rohrer. „Wir wollen diese Kultur gern erhalten“, sagen sie. „Für uns sind die Büdchen so etwas wie ein Dorfplatz in der Großstadt.“

Gestartet ist das kleine Programm zum ersten Frankfurter Wasserhäuschen-Tag 2017, ein Jahr lang hatte das Trio zuvor daran gewerkelt. „Wir hatten als Studis selbst mal einen Wasserhäuschen-Tag eingelegt“, erinnert sich Blam, das heißt, die Freunde zogen von Büdchen zu Büdchen, bis ihnen auffiel: „Hey – warum gibt es dafür eigentlich keine App?“

Jetzt gibt es eine. Mal sehen, wo sie einen hinführt. Ganz oben in der Liste taucht „Nedo’s Kiosk“ auf. Der Name ein seit Jahren im Gallus gutmütig toleriertes Apostrophverbrechen, aber in der Tat die nächstgelegene Durstlöschstation: 218 Meter von der FR-Redaktion entfernt. Ob Nedo geöffnet hat, weiß die App nicht. Sicher ist sie dagegen beim „Kiosk Koblenzer Straße“: „Offen“ zeigt der Eintrag an – das beigefügte Foto allerdings zeigt geschlossene Läden.

Ein „Offen“-Zeichen und offene Läden auf dem Foto hat die „Trinkhalle im Turm“ zu bieten – und viel Information. Hopfenstop-Nutzer gaben dem Lädchen in der Galluswarte fünf von fünf möglichen Herzen und fügten Hinweise an andere App-Nutzer, hinzu, sogenannte Tags: „Hemmungslos“, „Absturzgefahr“, „Allzeitbereit“, „Echt“ . Der Beschreibungstext erläutert: „Interessant wird es hier bei einem Auffahrunfall – dann kann man immer Frankfurter Straßentheater erleben.“

Als die drei Hopfenstopper ihre Pläne bei einem Ideenwettbewerb vorstellten, hätten die Leute skeptisch reagiert, sagt Sebastian Blam. „Die haben gefragt: Wer macht denn das, da von Wasserhäuschen zu Wasserhäuschen wandern?“ Aber Tobias Rohrer konnte aus eigener Erfahrung sagen: „Man macht das. Und man lernt dabei die Stadt so gut kennen.“ Das können auch die Büdchen-Beschützer vom Verein Linie 11 bestätigen, die sich vor Jahren zu genau solchen Touren zusammentaten. Mit ihnen tauscht Hopfenstop inzwischen Daten aus.

Der Erfolg bestätigt die Gründer: Nach einem Jahr war die App mehr als 6000 Mal heruntergeladen worden, je etwa zur Hälfte auf Apple- und Android-Geräte, mehr als 750 Nutzer schauten monatlich hinein, und verzeichnet sind heute gut 1000 Wasserhäuschen – nicht nur aus Frankfurt übrigens, sondern bundesweit. Aber die Frankfurter stellen mit mehr als 500 Einträgen den Hauptanteil.

Wer will, kann auch Veranstaltungen an Kiosken in der App ankündigen. Aber jetzt erst mal eine Erfrischung – vielleicht bei Nummer 4 auf der Liste: „Wasserhäuschen Kölner Straße“. Immer eine gute Adresse, findet Nutzer „SchoppeKiller“, vergibt fünf Herzen, eine Sektflasche und den Hinweis: „Prost!“

www.hopfenstop.de

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen