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Frankfurt Diakonie wirbt für offene Gesellschaft

Diakonie und Evangelische Kirche werben am Main für eine offene Gesellschaft. Informationen sollen gegen irrationale Ängste helfen.

Überzeugungsarbeit am Mainufer. Die Diakonie wirbt für die offne Gesellschaft.

Scheu hat die junge Frau keine. Man könne sie jetzt ruhig filmen, lässt sie lautstark wissen, als sie die Kamera sieht. Ihre Freundinnen um sie herum johlen, allesamt in Schwarz gekleidet – ein Junggesellenabschied. Horst Rühl steht am Tisch, angelehnt. Sie müsse für eine offene Gesellschaft sein, sagt er, dann könne man sie filmen. Sie sei aber für die AfD, entgegnet die Frau und lacht. Habe nur ein Witz sein sollen. Dann zieht die Gruppe weiter. „Die haben genug Alkohol gehabt, auch da muss man durch“, sagt Rühl und lacht.

Er ist Vorsitzender der Diakonie Hessen und Nassau. Am Samstag beteiligt sie sich an dem bundesweiten „Tag der offenen Gesellschaft“, der von rund einem Dutzend Institutionen parteiübergreifend vor einem Jahr ins Leben gerufen wurde und auch an diesem Wochenende in der Region begangen wurde. So hatte in Wiesbaden eine Initiative zum gemeinsamen Picknick eingeladen.

In Frankfurt hat die Diakonie in Zusammenarbeit mit der Evangelischen Kirche Hessen ein paar Stehtische am Mainufer aufgebaut, nur unweit des Eisernen Stegs. Man sei da, wo das Leben pulst, sagt Rühl.

Die Aktion will gerade in diesen Tagen für eine offene Gesellschaft sein, für Begegnung, für Einwanderung. Es ist ein klares „dafür“ gegen die, die dagegen sind.

Am Mainufer kommt das weniger theatralisch rüber, als man annehmen mag. Nahezu unscheinbar wirkt die kleine Gruppe, die einzig und allein an einem Banner zu erkennen ist.

Rühl sagt, er sei zuvor einem Mann begegnet. Irgendwo müsse auch Schluss sein mit der Einwanderung, habe der gesagt. Es gab ein Gespräch und einen nachdenklichen Mann, der weiterging. „Noch zwei von diesen Gesprächen, und heute war ein guter Tag“, sagt Rühl.

Die Zahl derer, die stehenbleiben und sich informieren, ist gering. Viele, so hofft Rühl, würden aber schon das Banner sehen und darüber nachdenken: auch das ein Erfolg. Mit einer Gruppe Spanier kommt Rühl ins Gespräch – allerdings über eine Orgel, die eine Frankfurter von einer spanischen Gemeinde erhalten hat.

Rühl glaubt, die Menschen hätten Angst, weil sie unwissend seien. Frankfurt sei dabei das perfekte Gegenbeispiel. Hier lebten die Menschen verschiedener Kulturen seit Jahren schon zusammen. Probleme gebe es kaum, weil man sich kenne.

Verschiedene Gesellschaften und Kulturen lebten harmonischer miteinander, wenn sie sich gegenseitig als gleichwertig ansähen, sagt Rühl. Auch darauf soll die etwa einstündige Aktion am Samstag hinweisen.

„Ankern statt Zentren“ haben sie dafür extra auf Aufkleber drucken lassen.

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