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Frankfurt Der lange Weg zur neuen Altstadt

An diesem Mittwoch wird die neue Frankfurter Altstadt geöffnet. Die Rekonstruktion einzelner Häuser war lange umstritten.

Frankfurter Altstadt
Lange umstritten: die neue Altstadt, vom Dom aus gesehen. Foto: dpa

Wenn am Mittwoch die Bauzäune um die neue Frankfurter Altstadt fallen, dann werden sich viele zu politischen Müttern und Vätern des Projektes erklären. Doch tatsächlich liegen die Dinge nicht so einfach, gab es durchaus Widersprüche und Weggabelungen in der langen Geschichte der neuen Altstadt, an denen man hätte anders abbiegen können. 

Es lohnt sich, noch einmal zurückzublicken. Die 35 neuen Gebäude zwischen Dom und Römer, davon 15 Rekonstruktionen der 1944 bei Bombenangriffen zerstörten, historischen Altstadt, stehen dort anstelle des früheren Technischen Rathauses. Dieser Betonbau im Stile des Brutalismus, 1974 eröffnet, war von Anfang an umstritten. Er beherbergte unter anderem die Büros des städtischen Planungsdezernats, dessen Politik in den 70er Jahren viel Bürgerprotest auf sich zieht – etwa bei der Zersiedelung des Westends durch Bürohäuser. 

Ende der 90er Jahre beginnen führende Kommunalpolitiker, sich vom Technischen Rathaus öffentlich zu distanzieren. So fordert der damalige Bürgermeister Achim Vandreike (SPD) im Jahre 2000: „Am besten sprengen, das Ding!“ In Anlehnung an den früheren OB Rudi Arndt, der in den 70er Jahren die Sprengung der Opernruine am Opernplatz vorgeschlagen hatte.

Aber was soll an die Stelle des ungeliebten, riesigen Bauwerks treten? Baudezernent Martin Wentz (SPD), von OB Petra Roth (CDU) zum „Beauftragten für das Technische Rathaus“ ernannt, präsentiert 2000 einen Investor für ein Fünf-Sterne Hotel, eine Ladenpassage und ein Bürogebäude. 

Zu klotzig, zu teuer?

Doch der CDU ist das zu klotzig und zu teuer. Bei der Kommunalwahl im Frühjahr 2001 ergibt sich zum ersten Mal eine schwarz-grüne Mehrheit im Römer, doch die zerbricht nach nur einem Tag, weil ein CDU-Stadtverordneter in geheimer Wahl für einen Stadtrat der rechtsextremen Republikaner gestimmt hatte. Im Rathaus kommt es zum „Vierer-Bündnis“ von CDU, SPD, Grünen und FDP. Eine lähmende Konstellation.

Erst Anfang 2005 gibt es endlich einen städtischen Ideenwettbewerb für das Areal des Technischen Rathauses. In dieser Phase tritt Wolfgang Hübner auf den Plan, damals der einzige Stadtverordnete der rechtspopulistischen Bürger für Frankfurt (BFF). Er stellt am 20. August 2005 einen Antrag und fordert genau das, was später auch geschieht: Wiederaufbau von Teilen der Altstadt, Rekonstruktion einzelner historischer Gebäude. 

Das „Vierer-Bündnis“ lehnt ab. Noch. Am 15. September 2005 kürt das Preisgericht das Architekturbüro KSP Jürgen Engel aus Frankfurt zum Sieger des Ideenwettbewerbes. Der städtebauliche Entwurf sieht moderne Gebäude vor, Engel schlägt unter anderem eine neue städtische Zentralbibliothek in der Nähe des Doms vor. 

Doch CDU und Grüne machen gemeinsam mit der BFF und den Altstadt-Freunden, die in einem Verein organisiert sind, mobil gegen den Siegerentwurf. Plötzlich gibt es einen politischen Wettlauf in Richtung Rekonstruktion von Altstadt-Häusern. Der Frankfurter SPD-Vorsitzende Franz Frey, der Oberbürgermeister werden will, proklamiert sogar ein „Anrecht“ der Menschen auf „Fachwerk“. 

Nur einzelne Architekten und der Bund Deutscher Architekten (BDA) kämpfen noch für moderne Gebäude. Nach der Kommunalwahl 2006 gibt Architekt Engel entnervt auf. CDU und Grüne bilden im Römer eine Koalition. Im November 2006 beschließen sie „Eckpunkte“ für den Wiederaufbau der Altstadt: Mindestens sechs Rekonstruktionen. Daraus werden im Laufe der Zeit 15 Häuser. 

2007 werden die Kosten der neuen Altstadt auf 105,9 Millionen Euro beziffert. Heute sind es 200 Millionen Euro. Allerdings ist auch das nicht die ganze Wahrheit, weil einzelne Positionen in anderen Etats versteckt werden, etwa die 1,5 Millionen Euro teure Eröffnungsfeier Ende September 2018. 

Der SPD-Sozialpolitiker Peter Feldmann gehört 2008 zu den Gegnern der Altstadt, die ihm zu teuer und überflüssig erscheint. Heute, als Oberbürgermeister, argumentiert er, das neue Quartier gebe den Menschen „ein Stück Seele“ zurück. 

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Neue Altstadt Frankfurt

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