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Frankfurt Den Rassisten keine Ruhe lassen

Das linke Bündnis „Antifa United“ will am kommenden Samstag Hunderte in Frankfurt zur Demo mobilisieren.

Demonstranten protestieren gegen eine Pegida-Kundgebung in Frankfurt. Foto: peter-juelich.com

Es könnte die größte antirassistische Demonstration in Frankfurt seit den Protesten gegen diverse Pegida-Ableger im Jahr 2015 werden. Am kommenden Samstag wollen im Bündnis „Antifa United“ organisierte linke und linksradikale Gruppierungen vom Südbahnhof aus durch Sachsenhausen und die Frankfurter Innenstadt ziehen und demonstrieren. Rund 300 bis 500 Teilnehmer sind derzeit beim Frankfurter Ordnungsamt angemeldet: die Organisatoren von „Antifa United“ rechnen mit mehr als 500 Demonstranten.

Das Motto der Demonstration ist eine Kampfansage: „Make Racists Afraid Again“. Zu deutsch etwa: Macht, dass Rassisten wieder Angst haben. „Die letzten Jahre sind geprägt von einem Anwachsen rassistischer, antisemitischer und antifeministischer Bewegungen und Gewalt in Deutschland“, heißt es im offiziellen Demoaufruf. Dies gelte auch für Frankfurt und das Rhein-Main-Gebiet.

Als Beispiel wird unter anderem der Anschlag auf das Café der Flüchtlingsinitiative „Project Shelter“ Anfang Dezember angeführt. „Dagegen soll am Samstag ein deutliches Zeichen gesetzt werden, um dem rassistischen Populismus und dem gesellschaftlichen Rechtsruck eine schlagkräftige, linke Offensive von unten entgegenzusetzen“, wie es im Aufruf heißt. Ein Zeichen, das keineswegs nur offen rechtsextremen Akteuren gilt. Zu den ersten Aktionen des Anfang 2016 entstandenen Zusammenschlusses „Antifa United“ zählte die Organisation von Demonstrationen gegen AfD-Veranstaltungen in Frankfurt. Auch künftig wolle man „den Hetzern von AfD und Co. keine Ruhe lassen“, lassen die Organisatoren verlautbaren.

Kritik: „antimuslimische“ Aktion

Was damit gemeint ist, hatten Antifa-Aktivisten bereits in den letzten Wochen deutlich gemacht. Im Rahmen eines sogenannten „Aktionsmonats“ waren etwa die Briefkästen prominenter AfD-Politiker in Wiesbaden mit dem Demo-Motto besprüht worden. In Frankfurt wurden zwei Stadtverordnete der rechten Bürger für Frankfurt (BFF) sowie Heidi Mund, die den Frankfurter Pegida-Ableger ins Leben rief, durch Flugblattaktionen in ihrem jeweils unmittelbaren Wohnumfeld „geoutet“.

Für Kritik von Teilen der Frankfurter Linken hingegen sorgte eine Aktion gegen den Imbiss „Free’s Bude“ in Bockenheim, zu dem sich ebenfalls „Antifa United“-Aktivisten bekannten. Am 7. Februar war an der Frontscheibe des Lokals der Schriftzug „Fuck IS“ angebracht worden. Mitinhaber des Imbisses ist der umstrittene Rapper Sadiq Zadran, der Kontakte in die salafistische Szene unterhielt und in seinem Lied „Charlie Hebdo“ den Anschlag des Islamischen Staates (IS) auf das gleichnamige französische Satiremagazin verherrlicht haben soll. Gegenüber der FR hatte sich Zadran vom IS distanziert.

Gruppen wie der „AK 8.Mai“ bezeichneten die Aktion als „antimuslimisch“. Sie hätte ebenso gut von rechtsextremen Gruppierungen durchgeführt werden können. Ein Sprecher von „Antifa United“ hingegen verteidigte die Aktion: „Mit Sadiq hat es jemanden getroffen, der offensiv und öffentlich islamistische Inhalte und Codes promotet.“

Die Organisatoren kündigen „entschlossenen“ Protest an – eine Standardfloskel, die alles bedeuten kann: eine friedliche Demonstration ebenso wie gezielte Angriffe auf den politischen Gegner. Auf FR-Anfrage heißt es seitens eines Sprechers von „Antifa United“, dass man kein Interesse an Auseinandersetzungen mit der Polizei habe. „Klar ist aber auch, dass wir uns nicht von Aktionen gegen Rassisten oder Nazis distanzieren, weder im Vorfeld noch im Nachhinein.“ Das Frankfurter Polizeipräsidium möchte derzeit noch keine Einschätzung zu der Demonstration abgeben.

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