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Frankfurt Demo Oberstufe Abi im wilden Westen

Paul-Hindemith-Schüler haben im Rahmen eines Wandertags für eine gymnasiale Oberstufe demonstriert. Eigentlich wollen die Schüler Bildungsdezernentin Sarah Sorge (Grüne) Postkarten übergeben. Doch vom Dezernat war niemand zur Stelle.

Die Schüler auf dem Weg zum Römerberg. Foto: christoph boeckheler*

Die knapp 600 Schüler der Paul-Hindemith-Schule haben am Montag für eine gymnasiale Oberstufe im Gallus demonstriert. Aufgerufen zu der Aktion „Kurze Wege zum Abitur – GOS ins Gallus“, hatte eine breite Bildungsinitiative aus dem Stadtteil. Die Schule hatte eigens einen Wandertag ausgerufen und so die Demonstration zur Pflichtveranstaltung erklärt.

Pünktlich um 9.30 Uhr treffen sich die Schüler vor der Schule an der Schwalbacher Straße. Von dort ziehen sie, begleitet von ihren Lehrern, zahlreichen Kommunalpolitikern und eskortiert von der Polizei durch den Hafentunnel zum Westhafen und von dort am Main entlang bis vor den Römer. Auf bunten Plakaten werben die Schüler für den Standort Gallus: „Abi im Wilden Westen“, ist da beispielsweise zu lesen.

Schüler skandieren

Auf dem Römerberg wickeln die Jugendlichen den Gerechtigkeitsbrunnen mit einem selbst gestrickten Schal ein und skandieren: „GOS – Ins Gallus!“ Der stellvertretende Schulsprecher, Can Keser, trägt per Megafon noch einmal vor, warum das Gallus seiner Ansicht nach eine gymnasiale Oberstufe braucht: „Für uns gibt es wenn wir Abi machen wollen keine Schule dort, wo wir wohnen.“ Er selbst wird nach den Sommerferien auf die Ernst-Reuter-Schule wechseln. „Wenn wir aber im Gallus Abitur machen könnten, müssten wir weniger weit fahren und würden unsere Freunde und Lehrer behalten.“

Eigentlich wollen die Schüler auch Bildungsdezernentin Sarah Sorge (Grüne) Postkarten übergeben, auf die sie noch einmal ihre Argumente für den Standort Gallus geschrieben haben. Doch dazu kommt es nicht. Vom Dezernat ist niemand zur Stelle.

Der SPD-Landtagsabgeordnete Turgut Yüksel bringt per Telefon in Erfahrung, dass Sorge von der Aktion lediglich über die Presse erfahren habe. Die Auskunft versetzt die Organisatoren in Empörung. Aus dem Schriftverkehr zwischen Organisatoren und Sorge gehe hervor, dass die Dezernentin bereits Anfang vergangener Woche von der Demonstration in Kenntnis gesetzt wurde.

Heißer Kandidat

Auf Nachfrage erklärt Sorge später, dass die Initiative um einen offiziellen Termin hätte bitten müssen, wenn sie gewünscht hätte, dass die Dezernentin oder einer ihrer Mitarbeiter die Postkarten entgegen nimmt. Sie selbst sei wegen eines anderen wichtigen Termins verhindert gewesen. Gleichwohl hege sie aus „bildungspolitischer Sicht“ große Sympathie für eine gymnasiale Oberstufe im Gallus und erklärt diesen Standort „zu einem heißen Kandidaten“.

Zurück zu den Demonstranten: Als die Elternbeiratsvorsitzende Annette Ziegler mit Yüksel und Mitstreitern den Römer betreten wollen, um stattdessen Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) die Postkarten zu überreichen, werden sie am Eintritt gehindert. „Was sollen die Schüler hieraus für ein Demokratieverständnis gewinnen“, lautet der empörte Kommentar der Abgewiesenen. Nach einigem Hin und Her, kommt schließlich ein Sprecher des OBs vor die Tür und nimmt die Postkarten in Empfang. Der Chef weile auf Dienstreise in Frankreich.

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