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Frankfurt de luxe Sesam, öffne dich!

Wo der „eleganten Opulenz“ ohne Ironie gehuldigt wird: ein Rundgang durch Frankfurts neuestes Luxushotel, das Jumeirah am Thurn-und-Taxis-Platz.

Zimmer 2212 klemmt. Auch ein herkömmlicher Herrenoberkörper, der sich hilfsbereit gegen die Tür wirft, kriegt sie nicht auf. Versuchen wir was anderes. „Sesam, öffne dich!“ Ist ja eine arabische Hotelkette. Geht aber trotzdem nicht. Dann nehmen wir eben das benachbarte Zimmer 2211. Auch da ist es aufgeräumt.

Seit Anfang August können Menschen im neuen Luxushotel Jumeirah Frankfurt absteigen – oder lieber: logieren, das klingt zurzeit angenehmer in dieser Stadt. Schon vor einem Jahr hatte die Hotelkette im Besitz der Dubaier Herrscherdynastie Al Maktum ihr Frankfurter Fünf-Sterne-Haus eröffnen wollen. Das verzögerte sich ein wenig; „Bauschwierigkeiten“, erklärt Verkaufs- und Marketingdirektorin Isabella Owen mit einem bezaubernden Lächeln. Aber nun ist ja alles fertig, beziehungsweise fast alles. Schauen wir doch einmal hinein.

Thurn-und-Taxis-Platz, Große Eschenheimer Straße: Früher stand da in der Nähe das Rundschau-Haus mit seiner „runden Ecke“, jetzt stehen dort zwei Hochhäuser: eines namens Next Tower, da sollen Büros rein. Und eines namens Jumeirah Frankfurt: 96 steil aufragende Meter Hotel, 25 Stockwerke, 218 Zimmer der Spitzenklasse. In Anbetracht dessen kommt der Eingang ein wenig, sagen wir mal: mit Understatement daher. „Man vermutet gar nicht so ein großes Hotel dahinter“, strahlt Isabella Owen. Es sei denn, man legt den Kopf ein wenig in den Nacken.

Drinnen alles vom Feinsten. Dunkles Holz, schräge Glasfassade, edle Kristallleuchter überm Marmorfußboden. Der potenzielle Gast erhält schon in der Lobby feuchte Tücher zum Frischmachen und kühles Minzwasser. „Danke.“ – „Gerne!“ Die ganze Crew ist damit beschäftigt, dem Hotel „das Jumeirah-Feeling einzuhauchen“, sagt die Marketing-Direktorin. Und dazu braucht es eine Menge Leute: 130 sind es bisher, 185 sollen es werden, berichtet die polyglotte Hotelchefin Dagmar Woodward, eine Frau, die Häuser in Atlanta, London, New York, Paris und Dubai geleitet hat – nun also Frankfurt.

240 Euro zum Schnuppern

Und jetzt wollen FR-Leser endlich wissen, was ein Zimmer kostet. Hier: 240 Euro mit Frühstück. Momentan. Oder: 320 Euro inklusive Drei-Gang-Dinner und Fitness-Club-Zugang im benachbarten „MyZeil“. Jeweils pro Nacht. Aber das sind besonders günstige Schnupperschnäppchen. Und später? Gibt es „andere Preise“, sagt Isabella Owen und wechselt geschmeidig das Thema.

Fahrstühle. Wir geben vor dem Einsteigen mit einem sanften Fingertipp an, wo wir hin wollen. Wollen wir während der Fahrt doch woanders hin – kein Problem; dann fahren wir eben dahin, wo wir zunächst hin zu wollen dachten, steigen aus, geben mit einem sanften Fingertipp das neue Fahrziel an und steigen wieder ein. Dritte Etage beispielsweise: Ballsaal, 364 Quadratmeter, Kristallleuchtermeer. „Hier haben Sie die Möglichkeit, schöne kleine Feierlichkeiten bei uns durchzuführen“, untertreibt die Marketing-Direktorin charmant. Von unten vor dem Fenster grüßt das Thurn-und-Taxis-Palais. „Elegante Opulenz, sage ich persönlich“, sagt Isabella Owen übers Konzept, „und Gastfreundlichkeit – nicht einfach nur exzellenter Service, wie ihn alle haben.“ Der kleine Unterschied zählt auch in der Sauna – die ist für Damen und Herren strikt getrennt. In Europa nicht direkt üblich, aber so muss es eben sein, wenn die Hotelbesitzer aus Arabien kommen.

Blick ins De-luxe-Zimmer: warme Brauntöne in Walnuss und Honig, freie Sicht durchs Panoramafenster – ins Bad. Nennt sich „offenes Badezimmerkonzept“. Ist modern. Aber der Blick schweift selbstverständlich auch aus dem anderen Fenster hinaus nach Frankfurt, und das ist in der 22. Etage ein Erlebnis. Da liegt das Waldstadion zu Füßen, die Alte Oper sowieso, der Campus Westend, die Festhalle. Barkeeper Ivan mixt uns einen „Strawberry Kiss“ dazu. Ja, das Leben hat Höhepunkte, und der nächste folgt sogleich: die Präsidenten-Suite im 24. Stock für nur quamfaziwumptzig Millionen Euro die Nacht, oder wie viel waren es gleich, Ms Owen? „Der Preis ist nach Anfrage“, sagt die Direktorin freundlich, „je nachdem, was man braucht.“

Telefon auf dem Klo

Was braucht man in der Präsidenten-Suite? Es gibt: 220 Quadratmeter, Polstersitzgruppe für sieben Personen, eigene Sauna, begehbaren Schrank, Flachbild-TV in sämtlichen Räumen (auch im Badezimmerspiegel), Arbeitszimmer, Bibliothek, moderne Kunst von Hartwig Ebersbach (abstrakt), Konferenztisch für acht Personen, Mega-Schreibtisch, zwei Schlafzimmer, jeweils mit Bad und Sitzgruppe und Kaffeeautomat oder Teekocher, je nach Wunsch.

Ach so: Und Telefon auf dem Klo.

Wo aber ist, bitte, der Lichtschalter? Gibt’s nicht. Es gibt ein „Touch Panel“ das alles regelt: Licht, „Bitte-nicht-stören“-Anzeige vor der Tür … was noch? Heizung? Nein. Die funktioniert, ähnlich dem „Begrüßungslicht“ über Körperwärme-Erkenner, Bewegungsmelder, Kalt- und Warmwasserströme in der Zimmerdecke. Schläft man beim Fernsehen ein, schaltet das System irgendwann Licht und Gerät ab.

Zu essen gibt es übrigens auch: Im Hotelrestaurant „Max on One“ regiert Küchenchef Martin Steiner, der zuvor bei Promi-Koch Johann Lafer beschäftigt war. Und das Bistro „Le Petit Palais“, das kurz vor der Eröffnung steht, soll die Brücke schlagen hinüber ins Einkaufszentrum „MyZeil“, mit Sitzplätzen in beiden Bereichen. Verdursten wird voraussichtlich niemand: Die Zahl der verfügbaren Mineralwassersorten im Jumeirah liegt derzeit bei 20.

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