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Frankfurt-Bornheim Der Ochs und der Wolf

Wie lange ist die Berger Straße? Wo steht Frankfurts schönstes Auspuffrohr? Der frühere Ortsvorsteher Bernhard Ochs veranstaltet das erste Bernemer Straßenquiz.

Stadtteilhistoriker Bernhard Ochs bringt Geschichte unter die Menschen. Foto: Monika Müller

Warum heißt Bornheim das ‚lustige Dorf’?“, fragt Bernhard Ochs in die Runde. Sofort heben Bürger auf dem Fünffingerplätzchen die Hand. Heidi Nuß war am schnellsten. „Wegen den speziellen Mädels in den Lokalen“, antwortet die Rentnerin. Jackpot. Tatsächlich wandelten sich früher zur Messezeit Bernemer Gasthäuser zu saisonalen Bordellen.

Für die richtige Antwort bekommt Heidi Nuß ein Geschenk – und zwar das Bornheim-Buch, geschrieben von Bernhard Ochs. Der Stadtverordnete, der für die Fraktion „Die Frankfurter“ im Römer sitzt, kennt sich aus mit der Geschichte Bornheims.

Am Samstagnachmittag hat der frühere Ortsvorsteher das erste Bernemer Straßenquiz veranstaltet. Wie lange ist die Berger Straße? Wo steht Frankfurts schönstes Auspuffrohr? Die wievielte Bernemer Kerb steht dieses Jahr an? Fragen, die die Teilnehmer meistens richtig beantworten. Kein Wunder: „Die Bernemer sind ein gescheites Volk“, sagt Ochs, „schon seit vielen Jahrhunderten.“

Die Aktion kommt gut an

Das zeigen sie etwa bei der Frage, welcher Bornheimer zum deutschen Aufgebot bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1954 gehörte. „Richard Hermann“, ruft ein Bürger.

Bernhard Ochs ist erfreut – und liefert Fakten. So habe Hermann beim örtlichen FSV Frankfurt gespielt, sei an einer Leberzirrhose gestorben und liege auf dem Bornheimer Friedhof begraben. „Es hat lange gedauert, bis die Bornheimer ihren Richard Herrmann geehrt haben.“ Erst am 25. April 2010 sei am Bornheimer Hang ein Platz nach ihm benannt worden.

„Geschichte ist nichts Verstaubtes, sondern etwas Lebendiges“, sagt Ochs, der jedes Jahr Drittklässler der örtlichen Kirchnerschule durch Bornheim führt. Doch Ratespiele gebe es meistens nur im Fernsehen. So entstand die Idee zum Straßenquiz – oder: „Local History, open air“, wie man laut Ochs auf Neudeutsch sagt. Das Quiz ist Teil der Veranstaltungsreihe „Bornheim ist, was Du draus machst“. Damit möchte der Gewerbeverein Bornheim-Mitte die Berger Straße beleben. „Lust auf Leben – Willkommen in Bornheim“, heißt die dazugehörige Kampagne.

Etwa zwei Dutzend Schaulustige gruppieren sich um die Bühne am Fünffingerplätzchen und blicken auf den Quizmaster, der mit einem Mikrofon umher läuft. Er trägt ein orangenes T-Shirt. „Mein Ochs heißt Bernhard steht darauf.“ Um Ochsen geht es im Quiz zwar nicht, dafür aber um Wölfe. Genauer: um die Wolfsangel, die das Bornheimer Wappen ziert. „Die Wolfsangel war ein Symbol der Stärke, da die Menschen immer Angst vor Wölfen hatten“, erklärt Ochs.

Bei den Besuchern kommt das Straßenquiz an. „Das macht schon Spaß“, sagt Heidi Nuß, auch wenn sie anfangs misstrauisch gewesen sei. Die Bornheimerin findet es wichtig, dass im Stadtteil „wieder eine Community wie früher entsteht.“ Denn: „Der dörfliche Charakter verschwindet nach und nach.“

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