Lade Inhalte...

Frankfurt-Bonames Mit Laternen gegen Autolärm

Aktivisten in Bonames sehen ihren Stadtteil vor dem Verkehrskollaps. Viele Autofahrer nutzten ihn als Durchgang. Die Bonameser fordern von der Stadt ein klares Verkehrskonzept.

Laterne, Laterne... Umzug mit politischem Hintergrund. Foto: Christoph Boeckheler

Gekämpft wird in Bonames – selbst dann noch, wenn es schüttet wie gestern Abend. Zu bedeutend und zu wichtig ist Christoph Schmidt-Lunau und seinen Mitstreitern von der Bürgerinitiative L(i)ebenswertes Bonames (BI) das Thema Verkehr in dem Stadtteil. Mit einem Laternenumzug wollen die Bonameser denen im fernen Römer zur Hilfe eilen, dass ihnen ein Licht aufgehen möge, „denn es muss etwas passieren“, sagt Schmidt-Lunau.

Mit zahlreichen Mitstreiternzieht er am Dienstagabend zur besten Verkehrszeit durch die Straßen des Stadtteils und will aufmerksam machen darauf, dass schon jetzt der Stadtteil täglich Verkehrsinfarkte erleidet, dass es schon jetzt zu viel ist, dass es noch schlimmer wird, kommt erst einmal das neue Wohngebiet im Osten des Stadtteils. Und dass es Bürger gibt, die das nicht mit sich machen lassen.

Fragt man eine Person, warum sie zu dem Rundgang gekommen ist, fragt man gleich eine ganze Gruppe. Jeder möchte loswerden, was ihn stört. „Wir wohnen da vorne an der Ecke, und der Verkehr davor ist grässlich“, sagt eine Frau. Seit sie zurückdenken könne, gebe es das Problem 26 000 Autos, habe eine Studie der Stadt ergeben, passierten täglich Bonames. Viele davon würden den Stadtteil als Durchgang benutzen, ist zu hören. „Man muss den Autofahrern zeigen, dass das nicht geht“, sagt Reiner Franzmann.

Von der Stadt fordern die Menschen ein klares Verkehrskonzept. Durch Am Burghof beispielsweise, einer Straße, die so schmal ist, dass Gehwege dort kaum Platz finden, würden regelmäßig 40-Tonner hindurch brettern, sagt Kai Mack vom Naturschutzverein Bonames. „Das wird noch schlimmer werden“, prophezeit nicht nur er. Die Wurzel des Problems haben viele längst ausgemacht: Bonames habe keine Lobby. „Wir müssen uns den Ortsbeirat teilen, aber Nieder-Eschbach und Harheim haben einen eigenen“, klagt eine Anwohnerin. Völlig überholt sei das, egoistisch noch dazu. Auch Stadtpolitiker interessierten sich nicht für die Anliegen der Bonameser.

Und so sind sie selbst es, die sich ihre eigene Lobby schaffen. Hinter ihnen stauen sich am Dienstagabend die Autos Stoßstange an Stoßstange. „Die Frequenz an Autos muss runtergeschraubt werden“, sagt Mack, dafür müssten die Straßen weniger attraktiv gestaltet werden mit rechts-vor-links-Vorschriften und klareren Regeln.

Eine halbe Stunde dauert der kleine Aufstand. „Wir wollten mit dem Umzug niemanden ärgern, sondern ein Zeichen setzen“, erklärt Christoph Schmidt-Lunau. Manche Laterne hat den Regen nicht durchgehalten. „Wir haben es aber – und wir werden durchalten“, sagt Schmidt-Lunau.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum