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Frankfurt-Bockenheim Die große Runde

Kneipengänger können in Bockenheim die kleine und die große Runde machen und dabei ausgewählte Kneipen besuchen. Einige der Lokale haben notfalls bis in den frühen Morgen auf.

In der Volkswirtschaft lächelt Beate hinter der Theke. Foto: peter-juelich.com

Wer will, der kann sich hier ab neun Uhr den ganzen Tag betrinken: Im Doctor Flotte an der Gräfstraße in Nähe der Warte. Ein Bockenheimer Eckkneipen-Uhrwerk. Das Ortseingangsschild der Stadt Jever hängt an der Wand; auf einem massiven Holzbalken ist in altdeutscher Schrift ein Säufer-Spruch geschrieben. Kronleuchter hängen von der Decke, dunkel lackiertes Holz dominiert. Keine typisch deutsche Kneipe, sagt Betreiber Gurcharan Bhatti, eher „Multikulti“. Typisch Bockenheim.

Ein Tag unter der Woche. Es läuft Fußball. Es ist verraucht. Ein Student kommt herein, bestellt sein Bier, setzt sich an den Tresen. Seinen Namen will er nicht sagen. Nennen wir ihn Max.

Max berichtet, er komme gerade vom Campus Westend, dort gebe es im Umfeld keine Kneipenkultur. Urige Kneipen wie das Flotte seien ihm sympathisch. Und die gebe es nun mal in Bockenheim. Ein „Theken-Johnny“ habe ihm einmal von der „Bockenheimer Runde“ erzählt. Die kleine Runde: Zur Volkswirtschaft, zum Tannenbaum, dann ins Flotte. Wer die „große Bockenheimer Runde“ mache, ginge danach noch ins Hesseneck.

Wenig später in der Volkswirtschaft in der Jordanstraße. Ein Mann sitzt mit seinem Äppler am Tresen und guckt Fußball. Seinen Namen will er nicht sagen. Nennen wir ihn Klaus. Die Bockenheimer Runde? Ja, er habe davon gehört. Klaus überlegt kurz, dann bestimmt er kleine wie große Runde exakt wie Max es gehört hatte. Wie oft er sich in der Volkswirtschaft aufhalte? „Oft“ beschreibe es ganz gut, sagt der Mittvierziger.

Drei Männer, etwas jünger als Klaus, kommen vom Rauchen herein und setzen sich an den Tresen. Klaus erzählt ihnen sogleich von der Bockenheimer Runde. Mit der kleinen, so vermuten die drei, sei wohl das „Bermudadreieck“ gemeint. Sie liegen richtig. Als Klaus ihnen sagt, bei der großen gehe es danach noch ins Hesseneck, schlagen sie johlend die Hände über ihre Köpfe.

Der letzte „Absturz“ im Hesseneck liege bei ihm schon ein Jahr zurück, sagt einer der Jungs, der sich mit Daniel vorstellt. Dann bestellt er drei Schnäpse. Während die Wirtin einschenkt, erzählt Daniel noch, dass er einem Freund einmal eine Postkarte aus Rimini ins Flotte geschickt habe und schimpft über den „Latte-Macchiato-Strich“ im Nordend. Bockenheim sei anders, sagt er noch. Dann stürzen die drei ihre Schnäpse („Berliner Luft“) runter und ziehen weiter – „ins Flotte“, sagt Daniel.

Eingeschenkt hat die Schnäpse Beate Reininger. Seit fünf Jahren arbeite sie in der „Vowi“, sagt sie. Zuvor sei sie acht Jahre lang als Gast in die Eckkneipe gekommen. Einst hätten sie in der Volkswirtschaft befürchtet, dass viele Gäste mit dem Umzug der Uni ins Westend wegbleiben könnten. „So richtig gemerkt haben wir es aber eigentlich nicht“, sagt die 33-Jährige.

Eine halbe Stunde später im Hesseneck am Hessenplatz. Es ist zehn Uhr. Nicht viel los. Am Tresen sitzt Markus. Er trinkt irgendwas mit Cola. Im Aschenbecher vor ihm liegen drei Zigarettenstummel akkurat nebeneinander in Reihe. Seit acht Jahren komme er ins Hesseneck; „täglich“ sei er hier, sagt er. „Bodenständig“ seien die Leute, die hierher kommen, sagt Markus. Sein Nachbar am Tresen schüttelt den Kopf. „Nachteulen“ seien es vor allem, findet er. „Aber kein Schickimicki“, erwidert Markus. Wenn der Tannenbaum, die Volkswirtschaft und Doctor Flotte schließen, dann würden die Leute ins Hesseneck kommen, bestätigt er. Ihm gehe es in den anderen Lokalen aber zu viel um Fußball, sagt er.

„Wenn sie den Abend beenden wollen“, dann würden viele Leute ins Hesseneck kommen, betont auch die Wirtin Christiane Schmitt. Wie lange das Hesseneck geöffnet hat? „Es kann auch mal bis sechs oder acht Uhr gehen“, sagt Markus. Dann ist es nicht mehr lang, bis das Flotte aufmacht – für eine nächste Bockenheimer Runde.

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