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Frankfurt-Bockenheim City West als Problem

SPD-Chef Mike Josef diskutiert mit dem Stadtforscher Christoph Siegl in einer Kneipe. Kritik zur Stadtentwicklung gibt es von beiden. Auch das Thema „Problemstadtteile“ kommt zur Sprache.

Wem Bockenheim gehöre? Die Frage blieb unbeantwortet. Foto: Rolf Oeser

Wem gehört Bockenheim? Der Titel der Diskussionsrunde mit Stadtforscher Christoph Siegl und dem Frankfurter SPD-Spitzenkandidat Mike Josef soll provozieren. Siegl könnte jetzt Kritik anbringen, könnte die Investoren anprangern, die Rolle der ABG ansprechen, Verdrängungsprozesse hervorheben. Tut er nicht. Stattdessen sagt er am Donnerstagabend nur, er werde die Frage nicht beantworten. Ohne Begründung. Da bügelt Mike Josef den Titel des Diskussionsabends diplomatischer weg: „Der Stadtteil gehört den Menschen, die den Stadtteil geprägt haben.“

Soviel zum Titel. Kritik zur Stadtentwicklung gibt es von den beiden Diskutanten am Donnerstag in der Bockenheimer Volkswirtschaft dennoch. „Wir hecheln einer Fehlentwicklung hinterher“, betont Josef in der rappelvollen Kneipe. Es sei falsch gewesen, kommunale Flächen zu verkaufen. Der SPD-Vorsitzende schiebt das auf den Zeitgeist. Heute hingegen würden Städte wie München versuchen, Flächen in der Innenstadt für den Bau günstiger Wohnungen teuer zurückzukaufen.

Ein Zwischenruf folgt: Auf dem Kulturcampus-Areal gebe es doch freie Flächen. Dort will die städtische Wohnungsbaugesellschaft ABG in diesem Jahr ein weiteres Grundstück an Investoren verkaufen – für einen Büroturm. Josef kontert mit einer SPD-Wahlkampf-Forderung: Auf dem Kulturcampus-Areal sollte zu 40 Prozent geförderter Wohnraum entstehen. Dem Verein Offenes Haus der Kulturen, der gerne das Studierendenhaus auf dem Campus nutzen würde, versichert er, die SPD sei bereit für eine „Anschubfinanzierung“. Wie hoch die sein soll, sagt er nicht.

Darüber hinaus ist bei der von FR-Redakteurin Nadja Erb moderierten Kneipendiskussion vor allem Grundsätzliches zur Stadtentwicklung zu hören. Rund 30.000 Wohnungen fehlen in der Stadt. Die Zahl der Sozialwohnungen ist gesunken; die Mieten gestiegen, die Lohnerhöhungen könnten nicht mithalten.

Siegl betont, die Entwicklung der Wohnungsgrößen würde die Probleme auf dem Immobilienmarkt verschärfen: Im Deutschland der Nachkriegszeit hätten Wohnungen noch eine Durchschnittsgröße von elf Quadratmetern gehabt, heute seien es 48.

Auch das Thema „Problemstadtteile“ kommt zur Sprache. Siegl berichtet von Gallusbewohnern, die zum Einkaufen aus ihrem Parkhaus direkt ins Parkhaus des Skyline-Plaza fahren würden, weil ihnen der Fußweg zu gefährlich sei. Dabei seien die eigentlichen „Problemstadtteile“, so Siegl, „abgeschlossene“ Viertel wie die City West in Bockenheim.

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