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Frankfurt-Bergen-Enkheim Enkheims älteste Zeitzeugen

Die Eichen im Enkheimer Ried sind teilweise 300 Jahre alt. Das fanden Olaf Kaltenborn und sein Sohn Alexander heraus, als sie die Bäume erforschten und kartierten.

21.10.2016 16:35
Nadine Benedix
Olaf Kaltenborn und Sohn erforschen die alte Eichen. Foto: Monika Müller

Mindestens 350 Jahre alt ist Alexanders Lieblingsbaum. Die etwa 50 Meter hohe Eiche hat viereinhalb Meter Umfang. Als er nochmal nachmisst, stellt er fest: Seit der letzten Messung vor vier Monaten sind sogar noch ein paar Zentimeter hinzugekommen. „Die Eichen im Enkheimer Ried sind riesig und sehr alt. Teilweise müssen sie schon vier Kriege überlebt haben“ sagt Olaf Kaltenborn, der die Alteichen im Rahmen eines Public-Science-Projekts seit Juni diesen Jahres zusammen mit seinem zehnjährigen Sohn Alexander kartiert hat.

„Wir waren häufig im Wald unterwegs: joggen, radfahren oder wir waren spazieren“, sagt Kaltenborn, der hauptberuflich als Pressesprecher der Goethe-Universität arbeitet. Sogar ein kleines Tipi haben sich Vater und Sohn schon gebaut. Irgendwann fragte sich Alexander, wie alt der Wald eigentlich ist. „Wir haben dann festgestellt, dass die Eichen im Wald aufgrund ihrer Größe schon sehr alt sein müssen“, so Kaltenborn.

Mit Eifer lasen sich die beiden in Forstliteratur ein und fanden heraus, dass man das Alter von Bäumen mit einer bestimmten Formel berechnen kann. Sie machten sich also an die Arbeit und führten bei allen Bäumen mit mehr als drei Meter Umfang Messungen durch.

Das Ergebnis der Untersuchung: Bisher fanden sie schon 48 Bäume die über 240 Jahre alt sind. Elf Bäume seien sogar über 300 Jahre alt. Diese Eichen haben die beiden mit Geodaten versehen, die man in einem Wikipediaeintrag nachvollziehen kann. Mehr als 700 Klicks hat die Webseite bisher. Der ein oder andere Besucher ergänzte die Seite bereits mit eigenen Daten.

Kaltenborn findet es merkwürdig, dass gar nichts über die Eichen bekannt ist. In Schwanheim gebe es sogar einen Waldlehrpfad, der auf die dortigen Alteichen hinweist. Im Enkheimer Ried hingegen deutet nichts auf die imposanten Zeugen der Geschichte hin. Das Ried ist zwar Naturschutzgebiet. Der Schutz umfasst jedoch nur 8,6 Hektar rund um den ehemaligen Altarm des Mains.

Die meisten Alteichen befinden sich aber auf den restlichen 13,4 Hektar des Waldgebiets. Insgesamt erstreckt sich das Ried über rund 22 Hektar zwischen den Frankfurter Stadtteilen Enkheim und Fechenheim und dem Maintaler Stadtteil Bischofsheim. „Die Bäume sind wichtige Zeugen der Vergangenheit und können uns viel über die Region erzählen“, meint Kaltenborn.

Bei seiner Recherche fand er bereits heraus, dass die meisten Eichen wohl nach einer verheerenden Schlacht des Siebenjährigen Kriegs in Enkheim gepflanzt wurden. In Archiven fand er Belege für die Bestellung von Jungeichen, die man nach der Abholzung vor der Schlacht neu pflanzen wollte.

Bürger sollten auf die besonderen Bäume und ihre Geschichte hingewiesen werden, so Kaltenborn. „Viele Leute laufen jeden Tag achtlos an den Eichen vorbei und wissen gar nicht, dass sie so etwas Besonderes vor der Haustür haben“, sagt Kaltenborn. Dazu hätten die Bäume und der Jahrhunderte alte Wald einen hohen Stellenwert für das Klima und Wohlbefinden in Enkheim. Er will deshalb die Stadt dazu anregen, die Bäume zu beschildern und unter Naturschutz zu stellen. Mit dem Ortsbeirat 16 hat Kaltenborn bereits Kontakt aufgenommen. Der sei begeistert und unterstütze das Vorhaben.

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