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Frankfurt-Bahnhofsviertel Bahnhofsviertel hat sich stark verändert

Das Bahnhofsviertel in Frankfurt ist kein völlig heruntergekommenes Viertel mehr. Mittlerweile ballt sich die Drogenszene auf einen immer kleineren Raum und die Wohnungspreise treiben nach oben. Nun empfiehlt sogar die New York Times den Touristen hierher zu kommen.

Der Eingang zur Kaiserpassage wirkt nicht besonders einladend. Foto: peter-juelich.com

Wer einige Jahre nicht in Frankfurt war, kommt ins Staunen, wenn er durch das Bahnhofsviertel läuft. Das lange völlig heruntergekommene Gründerzeit-Quartier hat sich so massiv verändert wie kaum ein anderer Stadtteil. Teure Szenebars wie das Plank und Lokale wie das Maxie Eisen an der Münchner Straße ziehen Hipster und Touristen an. Die „New York Times“ nahm Frankfurt 2014 in die Liste der Orte, die man unbedingt bereisten sollte, auf; die Terminus Klause, eine Kneipe in der Moselstraße, war dem „Zeit Magazin“ und dem „Rolling Stone“ Geschichten wert.

Wohnung für 4800 Euro pro Quadratmeter

Wo noch vor wenigen Jahren Drogenabhängige und Elendsprostitution die Szenerie prägten, sehr viel leer stand, ziehen inzwischen Familien ein. Mit einem 20 Millionen Euro schweren Förderprogramm hat die Stadt sehr erfolgreich private Investitionen in Wohnraum gefördert, etwa die Umwandlung leerstehender Büro- und Geschäftshäuser. 250 neue Wohnungen entstanden in den vergangenen zehn Jahren, 126 wurden modernisiert. Einige der Gründerzeitfassaden wurden rausgeputzt, öffentliche Flächen neu gestaltet. Eigentümer begannen, Innenhöfe zu begrünen.
Wie von der Stadt gewünscht stieg die Einwohnerzahl stark. Noch vor wenigen Jahren lebten nur noch um die 2500 Menschen im Viertel, am 30. Juni dieses Jahres hatten 3777 ihren Erstwohnsitz im Bahnhofsviertel.

Aber auch die Preise steigen im immer noch von Bordellen geprägten Viertel. Wo einmal fast nur noch Menschen wohnten, die sich kein besseres Viertel leisten konnten, werden nun auch schon Mieten von im Schnitt fast elf Euro pro Quadratmeter verlangt. Eine Eigentumswohnung kostete zuletzt etwa 3800 Euro pro Quadratmeter. Die 89 Wohnungen im Neubau „Twenty7even“, der an der bisher nicht eben schicken Ecke Taunusstraße /Weserstraße entsteht, sollen nach Informationen des Immobilienberaters Immoconcept für im Schnitt rund 4800 Euro pro Quadratmeter gehandelt werden.

Quartier wird gentrifiziert

Von Süden – durch Neubau auch von Osten her – wird das Bahnhofsviertel nach und nach gentrifiziert. Die Lokale werden schicker, das Bier wird teurer, die riesige Nachfrage nach Wohnungen, die zentrale Lage und das urbane Flair ziehen Investoren an, werden Laden- und Wohnungs-Mieten weiter steigen lassen. Die Drogenszene konzentriert sich notgedrungen längst auf die Gegend um die Taunusstraße. Gerade aber ihre Ballung im dortigen Bereich führt zu Konflikten.

Selbst der Stadtpolitik, die die Aufwertung des Viertels mit anstieß, geht die Entwicklung im Bahnhofsviertel inzwischen fast schon zu weit. Bürgermeister Olaf Cunitz (Grüne) schwärmte vor einigen Wochen zwar bei einem Rundgang durch das Quartier etwa von der für Frankfurt fast einmaligen Mischung, die an der Münchner Straße entstanden sei. Nun aber gelte es, vom Gas zu gehen, damit das Viertel nicht seine Vielfalt verliere, sagte er auch. „Wir wollen die Stadt nicht zu Tode veredeln.“ Bremsen werde etwa die Milieuschutzsatzung, die die Stadtverordneten auf den Weg gebracht haben. Die komme wohl gerade noch rechtzeitig.

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