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Frankfurt Abschied von Horst Wolf

In der Trauerhalle des Frankfurter Hauptfriedhofs drängen sich die Menschen, um Abschied zu nehmen vom früheren stellvertretenden Chefredakteur und langjährigen Lokalchef der Frankfurter Rundschau. Die Trauerfeier ist auch ein großes Treffen von mehreren Journalisten-Generationen.

Ein Blick in die Trauergemeinde. Foto: Alex Kraus

Es sind die Klänge dieses Nachmittags, die für die Pole stehen im Leben von Horst Wolf. Die Flöte der buddhistischen Trauermusik markiert die Nachdenklichkeit, das Reflektierende. Und der Swing des Orchesters Teddy Stauffer das ungestüm Vorwärtsdrängende, das keinen Widerspruch duldete. In der Trauerhalle des Frankfurter Hauptfriedhofs drängen sich die Menschen, um Abschied zu nehmen vom früheren stellvertretenden Chefredakteur und langjährigen Lokalchef der Frankfurter Rundschau.

86 Jahre alt wurde der Journalist, der zur Aufbruchsgeneration der FR nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte. Der schon im Jahre 1945 für das gerade gegründete Blatt schrieb – im Bestreben, mit anderen ein besseres, ein demokratisches Deutschland aufzubauen.

Als der Jugendliche Horst in der Endphase des Zweiten Weltkriegs noch als Flakhelfer eingezogen worden ist, hat er heimlich die Musik von Teddy Stauffer gehört – und sie hat ihn „mutig und stark gemacht“, wie Trauerrednerin Ulrike Hartmann sagt.

Die Trauerfeier ist auch ein großes Treffen von mehreren Journalisten-Generationen, die sich in die Arme fallen, ungläubig auf die Schultern klopfen, in Minutenschnelle Klatsch und Tratsch austauschen.

Ein bunter Markt von Informationen: Horst Wolf, der große Blatt-Macher und Kommunikator, hätte sich darüber gefreut. „Strengt euch an, so alt zu werden!“, ruft fröhlich Helmer Boelsen, der langjährige FR-Sportredakteur, der gerade seinen 90. Geburtstag gefeiert hat.

Und alle versprechen, ihr Bestes zu tun: die früheren Chefredakteure Hans-Helmut Kohl und Jochen Siemens, der große FR-Fotograf Georg Kumpfmüller, der ehemalige Hessen-Chef Erwin Krauser und viele, viele mehr.

Die heutige Chefredakteurin Bascha Mika sitzt unter den Trauergästen. Chefredakteur Arnd Festerling ist erkrankt, so dass seine Rede verlesen wird. Er erinnert an das scharfe Profil und das politische Gewicht, das die FR-Stadtredaktion, aber auch die Regionalredaktionen in der Ära Wolf erlangt hatten. An den Kampf der Rundschau an der Seite der Menschen, die damals gegen die Startbahn 18 West des Rhein-Main-Flughafens stritten. An die Konflikte mit der CDU-geführten Frankfurter Stadtregierung, die um Korruption und Verhandlungen mit Bordellbossen kreisten. „Die FR, es gibt sie noch“, so Festerling. In den Themen, in den Meinungen der Zeitung von heute lebe auch Wolf, einer ihrer Gründerväter, weiter. Die FR sei auch sein Vermächtnis. „Dafür danken wir Horst Wolf.“

Neben dem blumengeschmückten Sarg ist auf einer Staffelei eine Alters-Fotografie des Journalisten aufgebaut. Sonnengebräunt, mit entspanntem Lächeln, steht er da auf dem Gelände seiner geliebten Finca auf Mallorca, die zum Ruhesitz wurde.

Die Schauspielerin Ulrike Hartmann, eine langjährige Freundin der Familie, charakterisiert dessen private Seite. Ein reiches Leben habe er gelebt, „furchtlos und unverbittert von Lügen“, wie es in einer Sentenz des englischen Schriftstellers D. H. Lawrence heißt. Mit „scharfem, kalkulierendem Verstand“ habe er ätzend nur auf heiße Luft und Dampfgeplauder reagiert. Immer ein Ratgeber und Helfer sei er gewesen, „knurrig, aber auch sozial“.

Die Freundin erinnert an die unzähligen Reisen, die der ewig Neugierige mit seiner Ehefrau Margit unternommen hatte: sehr früh schon in sehr ferne Länder wie China, Vietnam, Nepal, Indien, Thailand.

Wolf hätte sich immer entschieden, dem Tod fröhlich zu begegnen, nach dem Motto von Johann Wolfgang von Goethe: „Die Sonne leuchtet drüben weiter!“ Und in der Tat: Der Journalist arbeitete hart und mit großer Disziplin, wusste nach getaner Arbeit aber auch zu feiern, mit seiner Redaktion. Und so zieht denn die Trauergemeinde aus dem Dunkel der Halle hinaus in einen sonnigen Winternachmittag. Und von dort aus weiter, um das Totengedenken an einem schöneren Ort fröhlich ausklingen zu lassen. Auch das hätte Horst Wolf gefallen. Ganz sicher.

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