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Frankfurt 30 Jahre Sinnmaximierung

Die einstige Ökobank feiert als Oekogeno Jubiläum und blickt nach vorne.

Ökobänker
Mit einer Podiumsdiskussion und Sekt aufs Haus feiern die Ökobänker ihr Jubiläum. Foto: Michael Schick

Jörg Weber beginnt die Jubiläumsfeier mit einem launigen Vortrag. Der Leiter des Oekogeno-Regionalbüros in Frankfurt nennt sich selbst einen Dinosaurier, weil er seit der ersten Stunde der Ökobank dabei ist. Weber lässt die etwa 100 Gäste wissen, wie das damals war, als er mit Polizeieskorte zum Griechen nach Bockenheim gefahren wurde, weil er sich als mittelhessisches Landei nicht auskannte in der Stadt. Und wie er dann seine Anstellung in einer kleinen Volksbank-Zweigstelle in Hungen-Nonnenroth aufgab, um sich in das Abenteuer Ökobank zu stürzen.

Die Anfänge, soviel lässt Weber noch durchblicken, waren nicht immer leicht. Von der Politik bekamen die alternativen Bänker, die nicht nach Profit, sondern nach Sinnmaximierung streben, einige Steine in den Weg gelegt. Nun steht Weber im Veranstaltungssaal des Ökohauses, nur einen kräftigen Steinwurf entfernt von jenem Griechen, bei dem für ihn alles anfing. „30 Jahre später, mit vielen Narben des politischen Kampfes versehen“, sagt er.

Aber natürlich soll diese Feier nicht nur ein launiger Rückblick sein, die Oekogeno will vielmehr nach vorne schauen und hat daher zu einer Podiumsdiskussion mit dem ambitionierten Thema „Wie gestalten wir eine solidarische, nachhaltige und zukunftsfähige Gesellschaft“ eingeladen. Die Frage beantworten sollen die Frankfurter Jungunternehmerin Marlene Haas, der Architekt Van Bo Le-Mentzel und der Soziologe Harald Welzer. Zunächst sollen sich die drei an dem Begriff Nachhaltigkeit abarbeiten, recht schnell geht es aber, wie es sich für das wachsende Frankfurt gehört, um das Thema Wohnen.

Architekt Le-Mentzel findet, dass wir alle viel zu viel Platz brauchen. Er selbst wohnt mit seiner Frau und den zwei Kindern in Kreuzberg auf 55 Quadratmetern. Aus dem Publikum erntet er dafür verschämten Applaus. Aber wichtiger ist dem Berliner, Mauern in den Köpfen einzureißen. „Wir müssen die Weichen stellen für eine Ethik des Wohnungsbaus.“ Le-Mentzel hat sogenannte Tiny-Häuser mit einer Wohnfläche von 6,4 Quadratmetern gebaut. Moderatorin Heike Leitschuh ist davon nicht überzeugt, die Menschen wollten doch Platz und dächten beim Wohnen eher wachstumsorientiert. Das Problem sieht Welzer auch: „Da gibt es Küchen für 80 000 Euro als Statussymbol, in denen nie gekocht wird.“ Städtebaulich könne sich Frankfurt übrigens mal eine Scheibe abschneiden von Rotterdam, wo es in Markthallen Hunderte von Wohnungen gebe und Wohnungen mitten in der Stadt auf dem Rathaus entstanden seien. Diese Tiny-Häuser könnten ja was für Studierende sein, findet Welzer.

Apropos, was ist denn mit den jungen Leuten? Die sind im Saal nicht auszumachen. Jungunternehmerin Haas soll jetzt mal sagen, was von ihrer Generation zu erwarten sei, worauf sie nicht so richtig eine Antwort weiß, außer dass sie sehr darauf getrimmt worden sei, das es um Leistung und Resultate gehe. Den jungen Leuten fehle eine Zukunftsvision, findet Welzer und macht dafür die Dinosaurier mit ihren Weltuntergangsvisionen verantwortlich.

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