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Frankfurt 2001 Die Zukunft ist vorbei

"Der" deutsche Alternativ-Verlag, 2001, verlagert zum reinen Internethandel. Die Ladengeschäfte kreuz und quer durch die Republik werden wohl aufgegeben. Aber die Mitarbeiter des Stammladens in Frankfurt wollen auf eigene Rechnung weitermachen.

Die letzte Werbeaktion des 2001er Stammhauses. Foto: Alex Kraus

"Der" deutsche Alternativ-Verlag, 2001, verlagert zum reinen Internethandel. Die Ladengeschäfte kreuz und quer durch die Republik werden wohl aufgegeben. Aber die Mitarbeiter des Stammladens in Frankfurt wollen auf eigene Rechnung weitermachen.

Auf den ersten Blick herrscht Endzeit. „Sonderverkauf – 20 Prozent auf alles!“ schreien die Plakate auf den Schaufensterscheiben des Zweitausendeins-Ladens am Kornmarkt. Drinnen drängen sich die Menschen um Stapel mit Büchern, Kästen mit CDs und DVDs. Doch tatsächlich gibt es Hoffnung mitten im Ausverkauf. Die Frankfurter Filiale des traditionsreichen Buchhändlers ist bisher die einzige in Deutschland, die gerettet werden soll – die anderen zwölf Läden von Hamburg bis Köln, von Leipzig bis Stuttgart, stehen vor der Schließung, die Dependance in Freiburg wurde Ende Februar aufgegeben. Es bliebe ein Versandhandel.

Doch zwei mutige Männer trauen sich zu, vom 1. Juli an das Frankfurter Haus auf eigene Rechnung weiterzuführen: Konrad „Konny“ Künkel und Robert Egelhofer, beides langjährige „Zweitausendeinser“. Der Übernahmevertrag ist ausgehandelt, aber noch nicht unterschrieben. Das bestätigt Unternehmens-sprecherin Stephanie Frommfeld in der Leipziger Zentrale.

"Ein regelrechter Rausch"

Zweitausendeins: Das war seit der Gründung 1969 in Frankfurt Kult für Generationen. Sie wuchsen auf mit den preiswerten Editionen von kritischer Wissenschaft, wilder Poesie, Filmen, Musik – von den Gedichten von Jim Morrison („The Doors“) über den Reprint der Kulturzeitschrift „Akzente“ bis hin zu Suhrkamp-Klassikern. Doch heute kämpft Suhrkamp ums Überleben und Zweitausendeins wackelt. „Umsatzrückgang bei hohen Standortmieten“: So charakterisiert Stephanie Frommfeld das grundsätzliche Problem. Nach den zuletzt veröffentlichten Zahlen sanken die Jahresumsätze von 39 Millionen Euro 2005 auf 18 Millionen Euro 2011.

„Konny“ Künkel blutet das Herz, wenn er an die Vergangenheit denkt. „Es ist Wehmut im Spiel“, sagt der Mann, der 1980 zur Firma kam und erinnert sich: „Damals haben wir die Säue über den Hof getragen – es war ein regelrechter Rausch!“ Der Umsatz war so hoch, dass täglich ganze Paletten mit Büchern und Platten rausgingen.

„Konny“ arbeitete anfangs im Lager. Die Atmosphäre im Team beschreibt Künkel als legendär: „Wir waren eine große Familie.“ Mitarbeiterinnen wie Annemarie Susemihl, die für die ironische Schlusskolumne in den monatlichen „Merkheften“ verantwortlich zeichnete, wurden bundesweit bekannt.

Ein anderes Antiquariat

Doch der wachsende Online-Handel mit Dumping-Preisen bedroht Zweitausendeins massiv. „Konny“ Künkel und Robert Egelhofer setzen für das Überleben ihres Ladens ab 1. Juli auf das treue Stammpublikum aus Frankfurt und dem Rhein-Main-Gebiet: „Die Leute freuen sich dermaßen, dass wir weitermachen.“ Mit ihrem alten Arbeitgeber haben sie ein Franchise-Konzept ausgehandelt. Es erlaubt den weiteren Verkauf von Zweitausendeins-Produkten, aber darüber hinaus können die künftigen Ladeninhaber auf das gesamte Buchhandels-Sortiment zugreifen. „Wir wollen selbst einkaufen und viele Bücher aus dem Modernen Antiquariat anbieten.“

Für die anderen Filialen sieht es nicht gut aus. „Ende Juni werden voraussichtlich die Läden in Köln, Hamburg Grindelallee und Stuttgart schließen“, so Unternehmenssprecherin Stephanie Frommfeld. Auch für die anderen Standorte in Hamburg, Leipzig, zweimal Berlin, München, Mannheim, Hannover, Düsseldorf und Nürnberg hat sich noch kein Interessent gefunden. Sie schließen sukzessive, sobald die Mietverträge auslaufen.

In Frankfurt haben sich Künkel und Egelhofer mit dem Hausbesitzer, der städtischen Frankfurter Aufbau AG (FAAG), geeinigt. „Die waren sehr kooperativ.“ Die Monatsmiete ist dennoch hoch, „zwischen 5000 und 10.000 Euro“.

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