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FR-Karikaturist Mussil Felix Mussil ist tot

Seine Zeichnungen prägten eine ganze Epoche: Der Karikaturist Felix Mussil, der mehr als 50 Jahre lang für die Frankfurter Rundschau arbeitete, ist tot. Er starb am frühen Freitagmorgen im Alter von 92 Jahren in Frankfurt.

FR-Karikaturist Felix Mussil ist im Alter von 92 Jahren in Frankfurt gestorben. Foto: FRFOTO

Seine Zeichnungen prägten eine ganze Epoche: Der Karikaturist Felix Mussil, der mehr als 50 Jahre lang für die Frankfurter Rundschau arbeitete, ist tot. Er starb am frühen Freitagmorgen im Alter von 92 Jahren in Frankfurt.

Nicht nur im Rückblick ist es schwer zu verstehen, dass es Felix Mussil nicht mehr geben soll, sein Schelmenlächeln, seine spitzen Bemerkungen zur Lage. Aber es ist so viel Zeit da, auf die man zurückschauen kann, so immens viel Zeit, in der es Felix Mussil für uns gab, und das macht es im Rückblick eben besonders schwer.

Ein gutes Jahr ist es her, dass der legendäre Rundschau-Karikaturist im Frankfurter Römer die Goethe-Plakette der Stadt erhielt, eine Auszeichnung, die ihm viel bedeutete, die ihm „Abschluss und Höhepunkt meiner Karriere“ war. Das musste natürlich gut vorbereitet sein. Auch in der Zeitung. Beim Besuch des Reporters wenige Tage vor dem Festakt galt es, passende Karikaturen für den Abdruck in der FR zu besprechen.

Ein Werk war Felix Mussil besonders wichtig. Aber wo hatte er das gleich? Wo lag die Zeichnung noch mal? In der nächsten halben Stunde sah man den damals 91-Jährigen durch sein schönes Haus im Dichterviertel flitzen, in diese Ecke und in jene, die Treppe hinauf und wieder hinab – eine Szene wie aus einer französischen Komödie, rührend und komisch und zugleich so ernsthaft und akribisch. Zwischendurch machte er ironische Bemerkungen über sich selbst. Und im nächsten Moment lehnte er fürs Foto am Türrahmen, tadellos gekleidet, und fragte: „Lässig genug?“

Seine Karriere war steil

Einst, nach dem Krieg, kam er aus Hannover mit der Eisenbahn nach Frankfurt gefahren, ein paar Zeichnungen im Gepäck und keine Rückfahrkarte. Rundschau-Regent Karl Gerold engagierte ihn vom Fleck weg, und Felix Mussils Karriere war steil: Sie führte nicht nur direkt auf die Seite 1 der Zeitung, sondern auch auf den Gipfel des Rundschau-Hauses im aufstrebenden Frankfurt. Dort bezog der Zeichner ein „Kabäuschen“, wie er es immer liebevoll nannte, eine windige Hütte, die er zunächst dem Putzpersonal abspenstig machen musste. Dort zeichnete er tagaus, tagein, fast fünf Jahrzehnte für die Frankfurter Rundschau, bis 2002.

„Seine Karikaturen waren immer der erste Kommentar der Zeitung“, erinnert sich der frühere Chefredakteur Roderich Reifenrath: „Er kam immer zu mir, stand in der Tür und wartete darauf, dass man ihn ansprach.“ Wenn jemand auf die Idee kam, eine Mussil-Karikatur anders haben zu wollen, etwa der Chef der Nachrichtenredaktion, und wenn er ihm am Ende gar noch Hinweise geben wollte, wie die Zeichnung zu verändern wäre, dann zog sich der Zeichner zurück und ersann lieber etwas ganz anderes.

„Der Karikaturist wird nie für voll genommen“, seufzte Mussil auch als hochverehrter Grandseigneur noch, längst anerkannt als einer der ganz Großen an der Feder. Die Politik war sein Arbeitsmaterial, die politische Karikatur sein täglich Brot und seine Kunst. Wer sich interessierte für die Welt, wer die Frankfurter Rundschau las, zwischen Anfang der 50er- Jahre und 2000, der war mit den Mussil’schen Figuren auf der Seite 1 ebenso vertraut wie mit den Sprechern der „Tagesschau“.

3500 Werke in der Caricatura

Die erhaltenen Arbeiten Mussils haben längst ein neues Zuhause im Frankfurter Museum für komische Kunst gefunden, der Caricatura. Rund 3?500 Werke sind es, und sie verstauben beileibe nicht nur im Archiv: Noch häufig würden sie nachgefragt, sagt Caricatura-Chef Achim Frenz. Bis in dieses Jahr hinein hat sich der geniale Karikaturist mit Zeichnungen beschäftigt und mit dem Leben. Die Ideen gingen ihm nicht aus. „Das klassische Älterwerden kann ich mir für mich nicht vorstellen“, sagte er dem Rundschau-Reporter im Januar 2012.

Mussil schaute gern in die Sterne, erzählt sein Freund Wilhelm Zimmermann, „er genoss das Leben und pflegte den Schalk in sich“. Im Oktober noch war er mit seiner Frau Helga Dierichs im Urlaub in Frankreich, am 9. Januar feierten sie seinen 92. Geburtstag. „Als er hörte, dass es gute Aussichten auf eine Rettung der Frankfurter Rundschau gibt, hat ihn das sehr glücklich gemacht“, sagt Helga Dierichs am Freitag, dem Tag, an dem Felix Mussil frühmorgens gestorben ist.Wir Kollegen in der Rundschau nehmen wehmütig Abschied, aber auch mit Zuversicht. Denn wir sind ganz sicher, dass er schon ein Kabäuschen gefunden hat dort oben, aus dem er uns zusieht, schelmisch lächelnd.

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