Lade Inhalte...

FR-Altenhilfe Mit dem Bus unterwegs

Die FR-Altenhilfe macht mobil und ermöglicht Ausflüge und betreute Reisen. Unter anderem führt eine Tour nach Worms.

Gleich geht’s los: Monika Schröder und Dieter Wallner. Foto: Rolf Oeser

Anna W. (69) und Ursula R. (74) treffen an diesem Morgen viel zu früh am Treffpunkt ein. „Wir hatten Angst, wir verpassen den Bus“, erzählen die beiden Nachbarinnen. Zum Glück ist der nächste Rewe nicht weit. Dort können sie sich aufwärmen. Kurz nach 9 Uhr steht dann der Bus an der Ecke Am Ebelfeld/Ludwig-Landmann-Straße. Sabine Harynek vom Frankfurter Verband für Alten- und Behindertenhilfe hat die Liste mit den Namen in der Hand. Alle elf Fahrgäste, die an dieser Stelle einsteigen wollten, sind tatsächlich gekommen. Die anderen Gäste werden an zwei weiteren Stationen einsteigen. Das Ziel ist Worms. Dabei geht es nicht nur um die berühmte Stadt und ihren Dom. Besonders der Besuch einer Essigmanufaktur mit anschließender Essig- und Senfverkostung wird den Teilnehmern gefallen.

Hella R. dürfte mit ihren 95 Jahren die Älteste im Bus sein. „Möchtest Du die Jacke ausziehen“, fragt ihre 78-jährige Begleiterin Gunthild K. Mit ihren erst 66 Jahren dürfte Monika Schröder, die sogar ihren vollen Namen verrät, die Jüngste sein. „In Hamburg heißen alle Schröder“, sagt die pensionierte Ärztin, die allerdings aus Frankfurt stammt. „Als wir in Rente gegangen sind, haben wir Aktivitäten in verschiedene Richtungen gestartet“, sagt sie mit Blick auf ihren Mann, der neben ihr auf dem Fensterplatz sitzt. Die Tagesausflüge des Frankfurter Verbandes gehören dazu. Mit dem Bus sind die beiden gern unterwegs – weil man so schön nach draußen gucken kann.

„Ich zieh’ Sie gerade mal ein bisschen rein“, kommentiert der Busfahrer, Karl Bambey, seine Hilfestellung. Ist ja nicht ganz einfach, die hohen Busstufen zu meistern. Anneliese H. hat bereits Platz genommen. Sie ist 87 Jahre alt. Viele Vornamen, denen man hier begegnet, sind ausgestorben. „Als ich jung war, da gab es noch Anneliesen“, sagt sie. Schnell stellt sich heraus, dass Frau H. mit der 95-Jährigen früher Tennis gespielt hat, – in Ginnheim bei Blau-Gelb, dem Postsportverein.

Mittagsmahl in einer Brauerei

Zum Treffpunkt ist Anneliese H. erst mit der Straßenbahn, dann mit der U-Bahn gefahren. Das Auto hat sie vor zwei Jahren verkauft. „In Ginnheim gibt es gute Verbindungen in alle Richtungen. Da brauche ich kein Auto.“ In der nächsten Woche wird sie mit einem anderen Anbieter schon wieder unterwegs sein, da steht dann unter anderem ein Gänsebraten auf dem Programm. Die 87-Jährige unternimmt gern etwas: „Solange es noch geht, muss man ja froh sein.“

Marion L. (87) und das Ehepaar Silvia und Peter A. haben im hinteren Teil des Fahrzeugs Platz genommen. Von der 87-jährigen Anneliese H. erzählt die 72-jährige Silvia A., sie habe sich vor sieben Jahren einen Laptop gekauft. Sie sei damit „ganz flott“, verschicke E-Mails an den Enkel in New York und die Tochter in Israel. Auch Silvia A. nutzt das Internet – zum Beispiel um solche Ausflüge wie den heutigen ausfindig zu machen. „Alte Leute müssen raus, damit sie nicht zu Hause sitzen und verkümmern.“

Für Sabine Harynek, die für den Frankfurter Verband die Ausflüge plant und die Teilnehmer betreut, hat Mobilität im Alter einen sehr hohen Stellenwert. In diesem Jahr wurden schon Ziele wie Kloster Bronnbach im Taubertal, der Schlossgarten in Schwetzingen oder Bad Münster am Stein angesteuert. Die Fahrt nach Worms ist die letzte in diesem Jahr. Für alle Ausflüge gab es einen Zuschuss von der FR-Altenhilfe.

Immer wieder beobachtet Harynek, wie die nachlassende körperliche Kraft, aber auch das schwindende Sehvermögen den alten Leuten zu schaffen macht. Je älter sie werden, desto größer werde die Angst zu stürzen. Und wenn jemand tatsächlich einmal schwer gestürzt sei, dann werde es schwierig ihn zu motivieren, das Haus zu verlassen. Deshalb werden in dem „Begegnungs- und Servicezentrum Nordweststadt“, in dem Harynek arbeitet, auch Vorträge gehalten, wie man sich vor Stürzen schützen kann.

Die Teilnehmer der WormsTour sind jedenfalls alle wohlbehalten gegen 18 Uhr wieder in Frankfurt angekommen – nach einem gepflegten Mittagsmahl in einer Brauerei mit Blick auf den Rhein und dem Besuch in der Essigmanufaktur. „Wir haben 15 oder mehr Sorten probiert“, schwärmte Silvia A. am nächsten Tag. Hier noch ein Schlückchen Wermutessig, dort etwas Zitronenessig … „Da hätte ich mich reinsetzen können.“ Zwar seien die Flaschen recht teuer, aber bestimmt ihr Geld wert: Man brauche weniger, als wenn man gewöhnlichen Essig nimmt, vom Geschmack ganz abgesehen. Außerdem habe man auch Anregungen bekommen, etwa wie man eine Bratensoße mit einer in Zimt und Wein eingelegten Pflaume verfeinern kann.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum