Lade Inhalte...

Fotograf in Frankfurt Faszination Skyline

Der 20-jährige Fotokünstler Mateo Hamann ist von der Frankfurter Skyline fasziniert.

Mateo Hamann in Frankfurt
Der Fotograf Mateo Hamann am abendlichen Mainufer vor der Skyline in Frankfurt. Foto: Boeckheler

Heftige Windstöße fegen über den Main. Wellen kräuseln sich. Eine Wand von dunklen Sturmwolken drängt auf die silbern glänzenden Türme der Skyline zu. Die blaue Stunde ist angebrochen, die Phase zwischen Sonnenuntergang und Dunkelheit, in der sich der Tag noch einmal aufbäumt. Für Fotografen ist das eine wunderbare Zeit, deren Licht begehrt ist. Mateo Hamann würde am liebsten jetzt mit seiner Kamera am Flussufer entlangtigern, statt Journalisten-Fragen zu beantworten. Das ist ihm anzusehen. Doch der 20-jährige bleibt ganz ruhig, gelassen, fast bedächtig. Der Fotograf, der in New York geboren wurde, hat schon jetzt eine erstaunliche künstlerische Entwicklung hinter sich: Mit dreizehn Jahren die erste Ausstellung in Deutschland, gerade ein Buch mit 96 ausgewählten Fotografien Frankfurts vorgestellt.

Seine erste Kamera hielt er, nun ja, im Alter von knapp zwei Jahren in der Hand. Seine Eltern hatten sie ihm gegeben, Marie Préaud und Horst Hamann, beide namhafte Fotokünstler. Als Mateo zwei Jahre alt war, zog die Familie von New York nach Maine an die Atlantikküste um, in ein Holzhaus, das sein Vater entworfen hatte. Der Sohn wuchs dort dreisprachig auf: Englisch, Deutsch, Französisch. Englisch, sagt er selbst, ist seine Muttersprache: „Ich denke auf Englisch, immer noch.“

Der junge Künstler ist wortkarg, er wägt seine Sätze sorgfältig. Er drückt sich lieber mit seiner Kleinbildkamera aus. Obwohl er perfekt ist in drei Sprachen, auch drei Staatsbürgerschaften besitzt. Hamann ist tatsächlich ein Weltbürger. In Maine besuchte er eine französische Schule, als die Familie 2009 nach Frankfurt kam, ging er aufs Lycee Victor Hugo in Rödelheim, absolvierte später eine internationale Schule in Darmstadt.

Schon in der Schule gehörte seine besondere Liebe dem Zeichnen. „Ich mag vor allem geometrische Formen.“ Schon sehr jung begleitete er seinen Vater auf dessen ausgedehnten Foto-Reisen. Im Jahre 2008, während er einer ausgedehnten Tour quer durch die USA, begann Mateo professionell zu fotografieren. Da war er elf Jahre alt.

„Wir waren sieben Wochen unterwegs, danach hatte ich Tausende von Bildern“, erinnert er sich. Sein Vater erarbeitete seinerzeit im Auftrag eines Verlages ein umfangreiches Buch über die USA. Mateo aber verliebte sich ins Fotografieren. Die Faszination, die ihn damals packte und bis heute nicht losließ, ist schwer zu beschreiben.

„Ich liebe Spiegelungen und Strukturen“, sagt er. Vor allem aber ist Hamann ein Jäger des Lichts. Schon bei der USA-Reise damals faszinierten ihn die ungewöhnlichen Farben und das nie zuvor gesehene Leuchten des Himmels, etwa in den weitläufigen Wüsten-Regionen. Geduldig wartet er stets auf das richtige Licht.

Am Mainufer bricht nun langsam die Dunkelheit herein. Die Konturen der letzten Ruderboote, die noch unterwegs sind, verschwimmen im Blau-Grau.

Ganz früh, bereits in den USA, war der Fotograf „in Hochhäuser verliebt“. Frankfurt, die einzige deutsche Stadt mit Skyline, wurde seine neue Heimat. „Das Licht der Türme ist etwas ganz Besonderes, die Reflektion“, sagt er.

Sein Vater Horst Hamann wurde berühmt durch sein Buch „New York Vertical“, das in den Jahren 1991 bis 1996 entstand und die US-Metropole in einer neuen Perspektive zeigte. Andere vertikale Städteporträts entstanden. Doch der Sohn hat sich längst aus dem Schatten des Vaters gelöst. „Viele Leute haben mich schon gefragt, ob ich ihn nachahme“, sagt er und fügt unmissverständlich hinzu: „Das tue ich nicht, ich habe meine eigene Bildsprache.“

Das beginnt schon damit, dass der Vater fast ausschließlich in Schwarz-Weiss fotografiert, Mateo dagegen nur in Farbe. Aber auch sonst grenzen sich die beiden in ihrem Stil ab: Die Bilder des Sohnes stehen für eine kühle Romantik.

Der Fotograf spricht nicht so gerne über seine Arbeit, am ehesten noch über sein Lieblings-Objektiv, ein 300 Millimeter-Tele, das ihm große Möglichkeiten gibt.

In den Hochhäusern der Frankfurter Skyline flammen jetzt die Lichter auf, die dunkle Wolkenfront steht über den Türmen, Nieselregen fällt, wieder Windböen über dem Fluss. Langsam wird diese Runde ungemütlich.

Als er nach Frankfurt kam, hat sich Mateo „sofort in die Hochhäuser verliebt“. Sein neues Buch mit dem schlichten Titel „Frankfurt“ ist in der Edition Panorama erschienen, dem Verlag des Vaters.

Finanziert hat das Projekt der Frankfurter Immobilien-Unternehmer Oliver Alexander Obert. „Es gab keine richtig guten Bücher über Hochhäuser“, urteilt Mateo kühl – das kann man sicher auch anders sehen.

Jedenfalls hat der Fotograf zwei Jahre Arbeit in das Projekt gesteckt, nicht weniger als 60 000 Bilder ausgewertet, um die finalen 96 des Buches zu ermitteln. Es sind tatsächlich faszinierende, außergewöhnliche Blicke auf die Frankfurter Türme entstanden.

Für den jungen Künstler sind sie ein zentraler Teil seines Lebens. „Ich sehe ständig Bilder vor mir, ich denke in Bildern, 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche“, sagt er und es hört sich geradezu beiläufig an. „Es ist, als säße eine Kamera in meinem Kopf“, fügt Mateo noch hinzu und wirft von der Seite einen schräg-prüfenden Blick auf seinen journalistischen Begleiter.

Jetzt wird es kalt am Mainufer. Aber zum Glück sind die Bilder, die wir für die Zeitung brauchen, jetzt auch in der Kamera. Hinein ins Deutsche Filmmuseum, wo der Espresso heiß und stark ist. Mateo trinkt nichts.

Wir sprechen über seine Leidenschaft: Die Bewegung. Schon in den USA hat er gerne Tennis gespielt und Fußball, letzteres auch in einer festen Mannschaft. Er mag Autorennen sehr. Als sein Vater einen Film drehte an einer deutschen Rennstrecke, durfte er ihn schon als kleines Kind begleiten. „Ich liebe Tempo.“

Auch in seinem Leben drückt Mateo aufs Gaspedal. Im September wird er in Amsterdam an der dortigen Hochschule mit einem Filmstudium beginnen. „Film ist für mich einfach der nächste Schritt, um mich weiter zu entwickeln“, sagt er.

Kleine Videofilme hat er längst gedreht. Aber dabei will er natürlich nicht stehenbleiben.

„Ich denke schon daran, Regie zu führen und auch als Kameramann zu arbeiten“, erklärt er und es klingt ganz selbstverständlich. „Ich liebe das Filmmaking.“ Jetzt ist der Fotograf wieder in seiner Lieblingssprache, dem Englischen, angekommen.

Der junge Mann, der alleine lebt, ohne Freundin, und gerne mit seinem Auto unterwegs ist, hat gerade sein eigenes Foto-Atelier eröffnet, in Mannheim, mit dem Wagen ein Katzensprung von Frankfurt aus. Er denkt über sein Leben nach: „Ich möchte gerne einmal eine Familie und Kinder haben.“

Frankfurt, die internationale Banken-Großstadt, hat es ihm angetan.

Schon deshalb, „weil hier viele Menschen Englisch sprechen“. Und er sich in seiner eigentlichen Heimatsprache bewegen kann. Als die Familie im Jahr 2009 aus den USA nach Frankfurt umzog, war freilich nicht die Faszination für die größte hessische Stadt der Grund. Es gab ganz andere handfeste Motive.

„In den USA war damals 2008 die Finanzkrise voll ausgebrochen.“ Und die guten Aufträge für den Vater wurden entsprechend rar.

So entschied sich Horst Hamann, der 1958 in Mannheim geboren worden war, mit seiner Familie für die Rückkehr ins Rhein-Main-Gebiet.

Sein Sohn Mateo wird seinen eigenen Weg machen. Mit der Rückendeckung der Familie. Der junge Fotograf erzählt von einer Erinnerung aus der frühen Kindheit, als er wenig mehr als zwei Jahre alt war. Er rannte begeistert durch das neue Haus, das die Familie gerade an der amerikanischen Atlantikküste bezogen hatte.

Und stieß im Laufen eine der teuren Kameras seines Vaters um, die auf einem Stativ stand. Tatsächlich zersplitterte das Objektiv. Aber niemand, so erinnert sich jedenfalls der Sohn, habe ihm einen Vorwurf gemacht.

Noch heute, erzählt der junge Mann, ziehe er manchmal mit seinem Vater los auf Tour, die Kamera in der Hand. Und jeder der beiden hat dabei seine ganz eigenen Bilder im Kopf.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum