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Flughafen Widerstand mit fliegenden Dachpfannen

Die Gegner des Fluglärms demonstrieren mit kuriosen Aktionen am Terminal 1 in Frankfurt – die Politik hat sie enttäuscht.

Anti Fluglärm Demo
Der Tod kommt von oben: Demoteilnehmer aus Niederrad hatten einen Sarg samt Skelett dabei, um die Gefahr durch Schadstoffe zu verdeutlichen. Foto: Monika Müller

Außergewöhnlich laut war es am Sonntagmittag im Terminal 1 des Frankfurter Flughafens. Mancher Flugreisende schob seinen Rollkoffer gleich etwas schneller – angesichts der bunten Transparente, schrillen Trillerpfeifen und nachdrücklichen Schreie von mehreren Hundert Demonstranten. „Wir wollen unsere Ruhe, der Fluglärm, der muss weg“, riefen die Teilnehmer, während sie an den Zugängen zum Abflugbereich vorbeimarschierten. Der Veranstalter Bündnis der Bürgerinitiativen (BBI) sprach von 1800 Menschen, die ihrem Unmut gegenüber dem Fluglärm, der Fraport und der Politik Luft machten.

Vor dem Rundgang durch das Terminal sprach Erwin Stufler vom BBI zu den Anwesenden. „Es ist genug. Wir hören seit sieben Jahren den Fluglärm.“ Mittlerweile sei es fünf nach zwölf – weshalb das Bündnis seine Demo auch unter dieses Motto stellte – exakt am siebten Jahrestag der Inbetriebnahme der Nord-West-Landebahn.

Es sei nur noch eine Frage der Zeit, bis der Krach und der Feinstaub den ersten Menschen auf dem Gewissen hätten. Man wolle nicht tatenlos dabei zusehen. „Wir kommen wieder – und wenn es noch 260-mal sein muss“, sagte Stufler mit Blick auf die Sonntagsdemo, die die 261. Protestkundgebung war.

Doch nicht nur betroffene Frankfurter kamen zur Demo im Terminal 1, auch Anwohner aus Rüsselsheim, Mainz, Maintal und Darmstadt waren anwesend. Eine Gruppe aus Niederrad war mit einem Sarg angereist, um auf die Schadstoffbelastung in ihrem Stadtteil aufmerksam zu machen. Die Linken im Landtag hatten sich einen ICE gebastelt und forderten eine Verlagerung des Verkehrs auf die Schiene. Die Bürgerinitiative Gegenwind aus Hochheim ließ eine Dachpfanne auf eine Schaufensterpuppe fallen, um die Gefahren von Wirbelschleppen zu demonstrieren.

Michael Kopatz, Projektleiter für Energie-, Verkehrs- und Klimapolitik am Wuppertal-Institut, war als Sprecher geladen und berichtete, dass man im Klimaschutz nie Fortschritte machen werde, wenn man immer weiter expandiere. Auch die Schaffung eines neuen Terminals sei somit kontraproduktiv. „Wenn der Flugbetrieb in den Städten weiter wächst, können wir alle Klimaziele knicken“, sagte Kopatz. Er forderte Limits auch in den Bereichen Starts und Landungen am Frankfurter Flughafen und erklärte, dass politische Rahmenbedingungen das Erreichen der Ziele ermöglichen könnten.

Doch auf die Politik waren die Demonstranten nicht gut zu sprechen. Zwar gebe es Politiker, „die sich für uns einsetzen“, so Stufler, aber manche Politiker hätten beim Flughafen gelogen. Auch Teilnehmer Günter Weimer sagte angesichts von Fraport: „Die haben die Politiker in der Tasche.“ Ihn ärgere seine eigene Machtlosigkeit. Zwar könne er demonstrieren – Weimer war extra mit dem Rad aus Hochheim angereist –, aber bisher habe es keine Verbesserungen bewirkt. Bei Westwind werde der Lärm direkt zu seinem Grundstück getragen. „Es ist zu laut.“ Seit 15 Jahren lebe er in Hochheim. Als vor sieben Jahren die Landebahn Nordwest eröffnet worden sei, habe sich alles geändert. Nun würden die Flugzeuge ständig zu tief und auch direkt über den Ort fliegen.

Karin Kernhof aus Sachsenhausen ist regelmäßig bei den Demos im Flughafen. Sie leide vor allem unter dem Flugverkehr in den Morgenstunden. „Zwischen 5 und 6 Uhr ist es stark frequentiert.“ Sie wache regelmäßig früh auf. Auch die vorgeschriebene Nachtruhe werde mit verspäteten Fliegern immer wieder ad absurdum geführt. „Das Ganze wird auf dem Rücken der Bewohner, aber auch der Arbeitnehmer von Fraport mit oftmals billigen Löhnen ausgetragen.“

Die Montagsdemos gegen den Fluglärm werden auch künftig fortgesetzt. Der nächste Termin ist am 29. Oktober um 18 Uhr im Terminal 1 des Flughafens.

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