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Flughafen Frankfurt OB will Fluglärm verringern

Frankfurts OB Peter Feldmann und Stadträtin Ursula Fechter halten es für möglich, den Fluglärm zu reduzieren und gleichzeitig Geld mit dem Airport zu verdienen. Eine neue Stabsstelle zu Fluglärm nimmt im Oktober die Arbeit auf.

Linienflugzeug im Anflug
Ein Flugzeug der Lufthansa von Typ Airbus A340 fliegt am 25.08.2016 in Essen (Nordrhein-Westfalen) im Endanflug auf den Flughafen Düsseldorf bei strahlend blauem Himmel am Mond vorbei. Foto: Federico Gambarini/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ Foto: Federico Gambarini (dpa)

Nach Einschätzung von Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) und der parteilosen Stadträtin Ursula Fechter ist beides möglich: Den Fluglärm reduzieren und mit dem Flughafen Geld verdienen. Beide können sich den Ausbau des Einzelhandelsgeschäfts („retail“) als Einnahmequelle vorstellen, erklärten sie auf einer Pressekonferenz, bei der es um die neu geschaffenen Stabsstelle Fluglärm ging. Sie nimmt am 1. Oktober die Arbeit auf.

„Fraport soll Gewinne erzielen“, sagte Fechter, und kritisierte die vielen Kurzstreckenflüge. Deren Passagiere zählten sicher nicht zum Retail-Kundenkreis. Feldmann sprach von „unglaublichen Potenzialen“ für den Einzelhandel.

Die Stabsstelle soll unter Leitung der altgedienten Flughafenausbau-Gegnerin Fechter die kommunalen Spielräume ausloten, um die Lärmbelastung zu verringern und unbürokratische Anlaufstelle für die Bürger zu sein. So soll es einen „Frankfurter Beitrag“ zu den von vielen Anliegern ersehnten Lärmobergrenzen geben. Die Landesregierung hatte dazu ein eigenes Konzept angekündigt. Es soll am 21. September veröffentlicht werden.

Fechter rechnet zwar nicht mit einer echten Lärmreduzierung, sondern – ähnlich wie bei den von den Bürgerinitiativen kritisierten Lärmpausen – lediglich mit einer „Umverteilung“. Sie wolle „die Kompetenz der Bürgerinitiativen“ nutzen und als „ersten Schritt“ ein neues Mess- und Bewertungsverfahren für die Lärmbelastung einführen.

Seit der Inbetriebnahme der Nordwestlandebahn bleibe die Lebensqualität in manchen Stadtteilen, vor allem aber im Frankfurter Süden „stark eingeschränkt“, sagte sie.

Eigene Messstationen

„Obwohl es 1,5 Prozent weniger Flugbewegungen gibt, haben wir drei Dezibel mehr Lärm in der Nacht.“ Drei Dezibel – das sei sehr viel, so die Stadträtin mit Blick auf die Diskussion über das nächtliche Tempolimit von 30 Stundenkilometer auf Hauptstraßen. Anlieger empfänden drei Dezibel weniger als Halbierung des Lärms.

Für Fechter bedeutet der Flughafen „eine doppelte Verantwortung der Stadt“. Zum einen als Anteilseignerin bei Fraport. Zum anderen habe sie „eine Fürsorgepflicht gegenüber den Bürgern“ und müsse Gefahren für die Gesundheit vermeiden.

Dass Lärm und Schadstoffe den Menschen schadeten, sei längst durch eine Reihe von Untersuchungen, darunter die groß angelegte Norah-Studie nachgewiesen worden. Frankfurt werde eigene Messstationen für Lärm und Schadstoffe einführen. Die Stadträtin, die von drei Mitarbeitern unterstützt wird, nannte die Stabsstelle „überfällig“. Oberbürgermeister Peter Feldmann, der kurz nach seiner Wahl die mit Ausbaugegnern besetzte „Expertengruppe Fluglärm“ ins Leben gerufen hatte, betonte, dass sich alle drei in der Stadtregierung vertretenen Parteien bei den Koalitionsverhandlungen auf die Einrichtung der Stabsstelle Fluglärm verständigt hätten. Damit sei eine „neue Qualität“ entstanden.

Es sei gelungen, den Flughafen aus dem „parteipolitischen Gezänk“ herauszuhalten. Jetzt gehe es darum, in der Stadt und der Region „perspektivisch einen neuen Konsens“ zu finden: Es soll leiser werden, betonte der OB.

Feldmann erinnerte aber auch an die große Bedeutung von Fraport für die Arbeitsplätze. Die Konkurrenz zu anderen Flughäfen wie Hahn, Köln oder München sollte durch Kooperationen ersetzt werden. „Kleinstaatliches Denken“ sei überholt, eine „nationale Strategie “ beim Thema Luftverkehr angebracht. „Man kann nicht alle Dinge vor der Haustür lösen“, sagte er.

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