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Flughafen Frankfurt Kranke Flugbegleiterinnen demonstrieren

Kranke Flugbegleiterinnen machen am Frankfurter Flughafen mit einer Demonstration darauf aufmerksam, dass giftige Substanzen in die Kabine eines Flugzeuges gelangen.

Flughafen Frankfurt
Flugbegleiterinnen tragen ihre Forderungen in die Öffentlichkeit. Foto: Peter Juelich

Fast 30 Jahre war Karoline Otto (53) als Flugbegleiterin unterwegs, zuletzt in leitender Funktion. Dann konnte sie plötzlich keine Durchsagen mehr machen, ohne sich zu verhaspeln, erzählt sie am Freitag im Vorfeld einer Demonstration vor dem Terminal 1 des Frankfurter Flughafens. Die knapp 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer wollen auf das sogenannte aerotoxische Syndrom aufmerksam machen. Nicht nur „kognitive Störungen“ hätten ihr zu schaffen gemacht, auch die Lunge vermochte ihren Körper nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff zu versorgen. Otto hatte ständig das Gefühl, im nächsten Moment in Ohnmacht zu fallen. Dann wurde sie krankgeschrieben und ist mittlerweile in Rente gegangen. Es handelt sich keineswegs um ein Einzelschicksal, wie die vor allem weiblichen Teilnehmer der Demonstration zeigten.

In einer Höhe von rund 10 000 Metern ist die Luft zum Atmen zu dünn. Also muss sie für die Menschen, die in einem Flugzeug sitzen, aufbereitet und vor allem komprimiert werden. Nach Angaben der Gewerkschaft Verdi, von der die Demonstranten mit Fahnen und Transparenten ausstattet wurden, wird die Kabinenluft über die Turbinen abgezapft. Diese Hochleistungsmotoren würden mit synthetischen Ölen geschmiert, die toxisch wirkende Organophosphate und flüchtige Kohlenwasserstoffe enthielten. Immer wieder könnten bei sogenannten Fume- oder Smell-Events giftige Substanzen in die Atemluft gelangen und ein „aerotoxisches Syndrom“ auslösen.

Seit 70 Jahren sei dieses Phänomen bekannt, so die Demonstrantinnen. Aber es werde vertuscht. Das soll sich nun ändern. Es ist bereits die dritte Demonstration in Frankfurt, auf der die Abschaffung der „Zapfluft“ gefordert wird. „Wir werden so lange weitermachen, bis wir gehört werden“, sagt Otto. Die Uniklinik in Göttingen habe nachgewiesen, „dass ich vergiftet worden bin“. Bei ersten Untersuchungen sei dagegen eine psychische Erkrankung diagnostiziert worden. Sie habe zwei psychosomatische Rehas hinter sich. Dort habe sie immerhin, anders als im Dienst, regelmäßig schlafen und essen können. Die Beschwerden aber seien geblieben. Das aerotoxische Syndrom müsse endlich als Berufskrankheit anerkannt werden.

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