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Flughafen Frankfurt Das himmlische Balg

Am Frankfurter Berg schreckt Fluglärm die Bürger auf.

23.03.2011 19:55
Moritz Zimmermann
Es liegt was in der Luft, und zwar Lärm. Foto: dpa

Ein ganzer Katalog an Fragen ist es, den Eberhard Centner vom Bürgerverein Frankfurter Berg an Vertreter der Frankfurter Parteien geschickt hat. Die Initiative glaubt, ein erhöhtes Flugaufkommen über dem Stadtteil festgestellt zu haben, und nun fragt Centner, seit wann es neue Routen gebe, warum die Bürger nicht informiert worden seien und wie die Parteien im Vorfeld der Wahl dazu Stellung nähmen.

Auch Centner ist aufgefallen, dass der Fluglärm intensiver wird, wenn Ostwind herrscht. Und so ist es schon immer gewesen, wie Axel Raab von der Deutschen Flugsicherung in Langen erklärt: „Es hat sich nichts verändert. Das Phänomen, dass bei Ostwind Beschwerden aufkommen, kennen wir seit Jahren.“ Die neuen Flugrouten hätten nichts mit startenden Maschinen über dem Frankfurter Nordosten zu tun.

Mehr als zwei Drittel des Jahres herrscht „Westwetterlage“. Die ankommenden Flugzeuge fliegen dann über Offenbach und Sachsenhausen. Der Norden Frankfurts ist nur bei längeren Perioden mit Ostwetterlage einem erhöhten Flugaufkommen ausgesetzt. Dann kommen immer wieder Beschwerden, wie jetzt vom Frankfurter Berg.

Allein der Wind ist schuld

Eberhard Centner glaubt startende Flugzeuge über seinem Stadtteil nachweisen zu können. Er hat Screenshots gemacht, als er seinen auditiv gewonnenen Eindruck online bei der neu geschaffenen Fluglärm-Monitoringseite www.umwelthaus.org überprüfte. Die Daten zeigen allerdings, dass die Flugzeuge nach dem Start über Niederursel und über Bad Vilbel fliegen. Sie rahmen damit den Frankfurter Berg zwar ein, überfliegen ihn jedoch nicht. Laut ist das trotzdem, aber nichts Neues. Die Aussagen der Flugsicherung lassen sich online überprüfen. Allein der Wind ist schuld.

Neu hinzu gekommen sind allerdings landende Flugzeuge. Die ziehen aber in sehr größer Höhe über den Stadtteil und fliegen an Wiesbaden vorbei bis Rüdesheim. Dort wird gedreht und im Landeanflug Mainz und Rüsselsheim passiert. Hier ist die Lärmbelastung tatsächlich enorm, doch in Frankfurt haben die Flieger kaum mit dem Sinken begonnen. Diese Route wurde erst vor kurzem leicht nach Norden verschoben und führt erst seither über den Frankfurter Berg, erläutert Ute Otterbein von der Flugsicherung. Die Lärmbelästigung sei aber kaum größer als zuvor; die Route wird ebenfalls bei Ostwind genommen.

Die Parteien reagierten unterschiedlich auf Centners Vorstoß. Während die FAG davon ausging, dass es sich um die gerade geänderten Flugrouten handelte, nahmen sich die anderen Politiker mehr Zeit. Denn die Flugroutenänderung bezieht sich nicht auf auf die von Centner monierten startenden Maschinen. Die CDU gab an, der Lärm könne nicht von geänderten Routen kommen. Auch die FDP stimmt dem zu, und die Grünen laden zum persönlichen Gespräch an den Infoständen. „Wir wurden ja auch nicht informiert“, sagt Barbara Burkhardt, stellvertretende Ortsvorsteherin des Ortsbeirats 10. Allerdings hat es dafür nach Auskunft der Flugsicherung auch keinen Grund gegeben.

Centner und die Lokalpolitiker können also nur hoffen, dass bald wieder Westwind herrscht. Dann ist am Frankfurter Berg wieder Ruhe.

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