Lade Inhalte...

Flüchtlingsjunge Alan Kurdi Ein lachender Alan am Osthafen

Frankfurter Künstler schaffen ein neues Porträt des Flüchtlingsjungen Alan Kurdi, diesmal zeigen sie ihn lächelnd. Ihr erstes Wandgemälde von dem Kind am Osthafen ist mit rechten Sprüchen verunstaltet worden.

Oguz Sen (links) und Justus Becker wollen an den Flüchtlingsjungen Alan Kurdi erinnern. Foto: peter-juelich.com

Alan Kurdi lächelt. Seine Augen hat der kleine Junge genießerisch geschlossen, umgeben ist er von einer Gruppe freundlicher Teddybären. Dahinter sieht man den strahlend blauen Himmel, ein paar Wölkchen. „Rest in Peace“ steht ganz unten am Bildrand. Ruhe in Frieden.

Drei Tage lang haben Oguz Sen und Justus Becker an ihrem neuen Wandbild im Osthafen gearbeitet, am Montag ist es fertig. Die beiden Frankfurter Künstler wollen an Alan Kurdi erinnern, den dreijährigen Flüchtlingsjungen aus Syrien, der im vergangenen September im Mittelmeer ertrunken war und dadurch traurige Berühmtheit erlangt hatte. Ein Foto der Leiche des kleinen Alan, die an einen türkischen Strand gespült worden war, hatte weltweit Betroffenheit ausgelöst.

Bereits im März hatten Becker und Sen das Bild des leblosen Kindes als Wandbild umgesetzt, 120 emotionale Quadratmeter groß. Bereits kurz nach seiner Fertigstellung war das Gemälde mit weißen Farbspritzern beschädigt worden. Als Unbekannte das Werk dann vor zwei Wochen mit rechten Sprüchen wie „Fuck Antifa“ und „Grenzen retten Leben“ überschmierten, war gleich klar, dass man ein ganz neues schaffen müsse, sagt Oguz Sen. „Das alte war ja so zerstört, dass eine Reparatur unmöglich war.“

Außerdem habe man Alan Kurdi in einem glücklichen Moment zeigen wollen, sagt Sen. Schließlich gehe es in der ganzen Flüchtlingsdebatte nicht um Zahlen, sondern „um Menschen, um ein kleines Kind“. Man wolle klarmachen, „dass Grenzen genau solche glücklichen Kinder töten“. Die Teddys sollen Alan übrigens beschützen, auch vor neuen Beschädigungen. „Wer ein lächelndes Kind vollschmiert, hat einfach gar nix im Leben kapiert“, sagt Sen.

Sein Kollege Justus Becker verweist dankbar auf die mehreren Hundert privaten Spender, die das neue Gemälde ermöglicht haben. Um 500 Euro für Farbe und Material hatten die Künstler gebeten, zusammengekommen ist letztlich eine knapp fünfstellige Summe. Damit hätten die Frankfurter ein starkes Zeichen gegen rechts gesetzt, findet Becker. „Das erfüllt mich mit mehr Stolz auf diese Stadt als die Eintracht oder die Skyline“, sagt er. Die Leute hätten sich klar zum Gedenken an Alan Kurdi bekannt.

Das übrige Geld geht nun an den Verein „Luftfahrt ohne Grenzen“, der damit Englischkurse für Flüchtlinge finanzieren will, die in einem der neuen „Hotspot“-Lager auf der griechischen Insel Leros untergebracht sind. „Diejenigen, die das erste Bild beschmiert haben, haben dadurch neue Flüchtlinge unterstützt“, sagt Justus Becker. Ihm gefalle diese feine Ironie ziemlich gut.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen