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Flüchtlinge So schnell wie möglich Deutsch lernen

Ein Pilotprojekt mit Ex-Museumsleiterin Anette Rein fördert afghanische Frauen.

Projekt mit Frauen aus Afghanistan in Frankfurt
Mit Kopftuch und Pussy Hat, dem Protestsymbol amerikanischer Frauen gegen Trump: Die Kursteilnehmerinnen lernen schnell. Foto: peter-juelich.com

Farida Ahmadi (35) ist von Beruf Lehrerin. Seit zwei Monaten drückt sie selbst wieder die Schulbank. Wie die elf anderen Frauen aus Afghanistan, die an dem Pilotprojekt „Dada-Aufbruch“ teilnehmen, will sie so schnell wie möglich Deutsch lernen und eine Arbeit finden. Fast alle aus der Gruppe, die sich seit zwei Monaten täglich in der Eckenheimer Landstraße 52 treffen, sind mit ihren Familien aus Afghanistan geflüchtet und leben derzeit noch in Gemeinschaftsunterkünften.

Das Besondere an „Dada-Aufbruch“ ist: Die Frauen warten alle noch darauf, als Asylbewerberinnen anerkannt zu werden. Erst dann könnten sie einen Integrationskurs besuchen, erläutert Nadia Qani, die Vorsitzende des von ihr gegründeten Vereins ZAN, der die Rechte afghanischer Frauen in der Heimat und im Ausland fördern möchte. „Dada-Aufbruch“ ist ein Projekt von Zan, das vom Frankfurter Arbeitsmarktprogramm und dem Verein Berami finanziert wird.

Am Internationalen Frauentag saß die Gruppe im DGB-Haus und strickte, gemeinsam mit Gewerkschafterinnen und Politikerinnen, jene rosa Mützen, die bei den Protesten der amerikanischen Frauen gegen den neuen US-Präsidenten Donald Trump das dekorative I-Tüpfelchen sind. Nadia Qani hatte den geflüchteten Frauen erklärt, was es mit dem Internationalen Frauentag auf sich hat. Unter den strickenden Frauen befand sich auch die ehemalige Leiterin des „Museums Weltkulturen“, Anette Rein. Sie hat für ZAN bereits ehrenamtlich gearbeitet und ist jetzt für „Dada-Aufbruch“ verantwortlich.

Ausflüge ins Umland geplant

Rein wird nicht nur von Nadia Qani unterstützt, sondern auch von drei Lehrerinnen, die die große Motivation, die ihre Schülerinnen mitbringen, schätzen. Wenn die Sprachbarrieren doch noch mal unüberwindlich erscheinen, kann Sonia Ahmadi zu Hilfe gerufen werden. Die Schriftstellerin lebt in Frankfurt im Exil und hat sich als Übersetzerin zur Verfügung gestellt.

Nicht alle Frauen von Dada-Aufbruch leben in Frankfurt. Eine steht morgens um 5 Uhr auf, um aus dem Odenwald anzureisen. Nach Deutschland sind sie gekommen, weil sie „in Ruhe und Frieden“ leben wollen. Aber auch, weil sie die deutsche Kultur und die Bildungsmöglichkeiten schätzen. Einige Frauen haben bereits eine Berufsausbildung, wie die Lehrerin Farida Ahmadi. Eine Krankenschwester und eine Polizistin gehören auch zur Gruppe. In Afghanistan kann man nicht leben, sagen alle. Der Terror der Taliban sei unerträglich. Eine Frau musste mit ansehen, wie ihre Eltern umgebracht wurden.

Die Ethnologin Anette Rein macht deutlich, dass es bei Dada-Aufbruch um mehr geht als um die Sprache. Sie unternimmt Ausflüge mit den Frauen in die Museen, in den Palmengarten oder auch den Zoo. „Sie sollen sehen, in welcher Stadt sie leben“, sagt Qani.

Auch Ausflüge ins Umland sind geplant – und ein gemeinsames Mittagessen. Die Tafel habe zugesagt, die benötigten Lebensmittel zu liefern, so Rein. Das alles geschehe auf Augenhöhe, es gehe darum, voneinander zu lernen. „Wissen für alle“ – das sei ihr auch in ihrer Zeit als Museumsdirektorin ein Anliegen gewesen.

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