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Flüchtlinge in Frankfurt Kritik an Massenunterkunft

Rund 50 Menschen diskutieren mit „Welcome Frankfurt“ über die Unterbringung von Flüchtlingen auf dem Neckermann-Gelände. Die Initiative hat die Zustände in der Asyl-Erstaufnahmeunterkunft als katastrophal angeprangert und muss dafür Kritik einstecken.

Gegen Gewalt: Aushang in der Neckermann-Unterkunft. Foto: Christoph Boeckheler

Aitak Barani von der Initiative Welcome Frankfurt gibt sich zu Beginn der Veranstaltung bescheiden: „Wir wissen selbst, dass unsere Maximalforderung, die Massenunterkunft auf dem Neckermann-Gelände abzuschaffen, nicht direkt morgen umzusetzen ist.“ Dennoch ist das der zentrale Wunsch, der am Freitagabend im DGB-Haus bei allen inhaltlichen Differenzen aus den meisten Wortbeiträgen spricht. Dass Menschen nicht zu Hunderten oder Tausenden in großen Unterkünften leben müssten. Rund 50 Interessierte waren zu der Veranstaltung gekommen.

Welcome Frankfurt hatte sich vor einer Woche in einem Offenen Brief an die Öffentlichkeit gewandt und darin angeblich katastrophale Zustände in der Asyl-Erstaufnahmeunterkunft an der Hanauer Landstraße angeprangert.

Dies sind Zustände, die die Initiative selbst nie gesehen hat, wie Barani am Freitag wiederholt betont, sondern nur aus Schilderungen von Bewohnern der Unterkunft kennt. Die Initiative selbst hat, wie die Öffentlichkeit, keinen Zutritt zum Gelände.

In der Info-Runde listet Welcome Frankfurt diese Schilderungen erneut auf. Sie reichen von mangelhaftem Essen, über kaltes Duschwasser und fehlende Kinderbetreuung bis hin zu langen Wartezeiten am „Medical Point“.

Medien Zugang gewährt

Das Regierungspräsidium Darmstadt als zuständige Landesbehörde und der beauftragte Betreiber Arbeiter-Samariter-Bund, an diesem Abend beide nicht vor Ort, hatten die Vorwürfe in dieser Woche zurückgewiesen und Medien, auch der FR, erneut Zugang zur Unterkunft gewährt.

Auch aus dem Publikum rührte sich während des Vortrags immer wieder Widerspruch. So berichtete eine ehrenamtliche Helferin, die sich auf dem Neckermann-Gelände engagiert, dass für die vielen Kinder gerade „ganz viel im Aufbau“ sei, es viel Spielzeug und einen Schulraum gebe.

Und eine am „Medical Point“ tätige Kinderärztin warf ein: „Wir sind jeden Tag, auch sonntags, drei Stunden da, oft auch länger. In meiner früheren Praxis haben Patienten länger warten müssen.“ Sie fühle sich „vor den Kopf gestoßen“ von dem Brief der Initiative, denn Haupt- wie Ehrenamtliche engagierten sich sehr für die Flüchtlinge, sagte die Ärztin und erntete Applaus.

Auch sie sehe die Massenunterbringung durchaus kritisch. Einige der geschilderten Probleme könnten aber auch die Folge von sprachlichen Missverständnissen sein.

Maria Bethke, die für die Diakonie Asylbewerber in der Gießener Erstaufnahmeeinrichtung berät, sagte dann auch, wie wichtig Beratungsstellen seien, an die Flüchtlinge sich wenden könnten, um überhaupt zu verstehen, was mit ihnen passiere. Und Bernd Mesovic von Pro Asyl sagte, er stehe der „Minimalforderung“, einer unabhängigen Beobachtungsgruppe Besuch zur Neckermann-Unterkunft zu gewähren, positiv gegenüber.

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