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Flüchtlinge in Frankfurt Fatteh mit grüner Sauce

Der mobile Kochcontainer „Kitchen on the run“ macht noch bis Sonntag Station in Frankfurt. Auch zahlreiche lokale Initiativen laden Geflüchtete und Einheimische zum gemeinsamen Kochen ein.

Flüchtlinge in Frankfurt
Ruba Hoken (links) und ihre Mutter Rania haben ein syrisches Rezept mitgebracht. Foto: peter-juelich.com

Seine Frau Ruba und seine Schwiegermutter Rania seien sehr gute Köchinnen, schwärmt Ahmad Al Othman. „Vor meiner Hochzeit habe ich 83 Kilo gewogen, jetzt wiege ich 90“, sagt der Syrer lachend und wiegt seine Tochter auf dem Arm, die nach der Flucht der Familie vor acht Monaten in Frankfurt zur Welt kam. Neben ihm am „Kitchen on the run“-Küchencontainer der Berliner Initiative „Über den Tellerrand“, zeigt seine Schwiegermutter gerade dem Grünen-Landtagsabgeordneten Marcus Bocklet, wie er das dünne Fladenbrot schneiden soll, das ihre Tochter Ruba Hoken anschließend frittiert. „Ich bin heute hier, um deutsche Freunde zu finden“, sagt die 26-jährige Ruba auf Englisch. Das falle ihr sonst schwer, weil sie noch nicht so viel Deutsch spreche.

Umgekehrt falle es auch vielen Deutschen nicht leicht, mit Geflüchteten in Kontakt zu kommen, meint Martina Feldmayer, die sich deshalb mit ihrem Landtagskollegen Bocklet unter die rund 20 Gäste des interkulturellen Kochabends gemischt hat. Seit Anfang Mai macht die mobile Küche neben dem Museum Angewandte Kunst Station – als niedrigschwellige Möglichkeit der Begegnung, sagt Container-Manager Daniel Schoon. Mit zwei Kolleginnen leitet er die allabendlich anders zusammengesetzten Gruppen an.

Vergangenes Jahr tourte das vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge finanzierte Projekt durch Europa, lud in Italien, Frankreich, den Niederlanden, Schweden und Duisburg zum Kochen ein. An den Wänden des Schiffscontainers, den Architekturstudierende eingerichtet haben, zeugen unzählige Namensschilder von bisherigen Köchinnen und Köchen. Allein in Frankfurt seien an den schnell ausgebuchten Abenden mehr als 180 Menschen zusammengekommen, schätzt Schoon. Nach einem Abschlusspicknick am Sonntag, zieht die Küche weiter nach Lörrach, Bielefeld und Wismar.

Die Rezepte bringen Teilnehmende selbst ein. Die syrische Familie hat Fateh, ein Gericht mit Huhn, frittiertem Brot und Joghurt-Sauce, sowie Taboulé-Salat eingereicht. An den Nebentischen werden deutscher Spargelsalat und Frankfurter grüne Sauce zubereitet. „Das habe ich noch nie gegessen“, sagt Ruba Hoken. Eine elf-jährige Iranerin hackt eifrig die sieben Kräuter, während daneben zwei Dutzend Knoblauchzehen gepresst werden. Es riecht nach frittiertem Brot, nach Kräutern und Zitrone. Und so wächst bei angeregten Gesprächen der Appetit auf das Mahl, das die Gruppe bis in den späten Abend hinein gemeinsam verspeisen wird.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Zuwanderung Rhein-Main

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