Lade Inhalte...

Flüchtlinge Flüchtlinge im Container

Die ersten Bewohner haben die Unterkunft für Flüchtlinge in Frankfurt-Preungesheim bezogen. Damit die Anlage kein Fremdkörper im Stadtteil wird, sind integrative Angebote geplant.

Das Dach der Container-Anlage hat einen doppelten Boden, damit Klimaschwankungen besser ausgeglichen werden Foto: Peter Jülich

Der Gemeinschaftsraum in der neuen Übergangsunterkunft für Flüchtlinge in Preungesheim war am Mittwochnachmittag überfüllt, das Interesse der Bevölkerung groß. Ursprünglich sollte die Anlage mit ihren 80 Plätzen mit einem Tag der offenen Tür in Betrieb genommen worden. Doch am Vortag standen plötzlich drei Flüchtlinge aus Syrien vor der Tür. Sie wurden in einem der beiden Container-Riegel untergebracht. Noch am Mittwoch sollten sieben weitere Menschen aufgenommen werden.

In den Zimmern stehen jeweils zwei Betten, zwei Schränke, ein Tisch, zwei Stühle. Es riecht nach Holz, die Wände, die in der ehemaligen Kindertagesstätte eingezogen wurden, sind noch kahl. Duschen, Waschmaschinen, Trockner – alles da, aber bestimmt kein Fünf-Sterne-Hotel.

Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU) betonte, dass die Anlage nur eine Zwischenlösung sein könne. Sie würde die Flüchtlinge lieber in Wohnungen und Wohnheimen unterbringen, die von den Wohlfahrtsverbänden und Kirchen betrieben werden. Die Anlage im Neubaugebiet Frankfurter Bogen wird vom Evangelischen Verein für Wohnraumhilfe betreut, der mit der Stadt seit über 25 Jahren zusammenarbeitet, wie der Leiter des Diakonischen Werks für Frankfurt, Michael Frase, erläuterte. Etwa 2500 bis 3000 Menschen würden stadtweit „mit einem Dach über dem Kopf“ versorgt, sagte Frase. Dabei handelt es sich nicht nur um Flüchtlinge, sondern auch um Wohnsitzlose. Die Containeranlage sei die erste Einrichtung, in der nun ausschließlich Flüchtlinge untergebracht werden.

Frankfurt-Pass und Sprachkurse

Die Anlage dürfe kein Fremdkörper im Stadtteil werden. Zusammen mit Stadträtin Birkenfeld plädierte er für integrative Angebote – gerade auch aus dem Stadtteil. 70 Bürgerinnen und Bürger hätten ihre Hilfe angeboten. Sie sollten die Flüchtlinge mitnehmen in die Sportvereine oder auch in die Stadtbücherei. Das Interesse der Flüchtlinge an Bildung sei „extrem“ hoch, sagte Birkenfeld. Sie werden von der Stadt über die gesetzlich vorgeschriebenen Leistungen hinaus mit dem Frankfurt-Pass und Gutscheinen für Sprachkurse versorgt.

Auch der Ortsvorsteher Robert Lange (CDU) zeigte sich zufrieden. Er hatte bei der ersten Vorstellung der Pläne sein Veto eingelegt. Grund dafür sei eine Einrichtung in Hamburg gewesen, die er gesehen habe. „Das hier sieht tausend Mal besser aus.“ Mit einem Bausachverständigen hatte er sich alles genau angeguckt und danach eigentlich keine Argumente mehr gegen das Vorhaben gesehen. Allerdings habe er darauf bestanden, dass dort nur Flüchtlinge und keine Obdachlosen aufgenommen werden.

Auf dem Flur stehen drei Mitglieder aus dem Ortsbeirat zusammen: Lothar Kramer (Linke), Christine Emmerich (CDU) und Klaus Georg (Grüne). „Die Flüchtlinge sind willkommen“, sagen sie. Wenn die Anlage bewohnt wird, könne man ja schauen, wo nachgebessert werden muss. Maximal drei Jahre kann die Übergangsunterkunft stehen bleiben. Dann werden hier die letzten Wohnhäuser für den Frankfurter Bogen gebaut.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen