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Flüchtlinge Bildung muss für alle da sein

Vor zwei Jahren gründet Tomaschowski die „Teachers on the Road“, die Sprachkurse geben. Mittlerweile ist sein Ehrenamt ein unbezahlter Vollzeitjob.

Ulrich Tomaschowski möchte Flüchtlingen die gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglichen. Foto: Alex Kraus

Es hat Tage in diesem Herbst gegeben, da klingelte Ulrich Tomaschowskis Handy rund 90-mal. Er stellt es nie aus, die Nummer steht im Internet, jeder soll „Lehrer Uli“, wie er sich selbst auch nennt, erreichen können.

Vor zwei Jahren gründete Tomaschowski die „Teachers on the Road“, mittlerweile ist sein Ehrenamt ein unbezahlter Vollzeitjob. Zwischen August und Oktober habe er bis zu 18 Stunden täglich für die Teachers aufgebracht, sagt der 43-Jährige. Mit der Zahl der Flüchtlinge, die ins Land kamen, stieg auch die Zahl jener, die sich für sie engagieren wollten. Rund 2000 Menschen hätten seit dem Sommer angefragt, ob sie bei den Teachers mitmachen könnten, sagt Tomaschowski im Büro der Höchster Linken, in dem sich gespendete Lehrmaterialien stapeln. Alleine in Frankfurt gebe es rund 300 aktive „Teachers“ und das Projekt breite sich auch andernorts aus.

Nach außen sind die Teachers bekannt als das, was in ihrem Namen steckt: als Lehrer, die ehrenamtlich niedrigschwellige Deutschkurse für Flüchtlinge geben. Doch Tomaschowski sieht die Teachers vor allem als politisches Projekt. „Unser Ziel ist es, allen Menschen, die hier leben, Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen. Wir wollen sie aus der Isolation holen, die Teachers sind ein Vergesellschaftungsprojekt“, das Flüchtlinge etwa bei Behördengängen, der Wohnungssuche oder Freizeitgestaltung unterstütze.

Der entscheidende Schritt, die Isolation zu durchbrechen, sei aber die Sprache. „Wir wollen Zugang zu Bildung vom ersten Tag an für alle“, sagt Tomaschowski, der es unsäglich findet, dass unlängst zwar die Integrationskurse für Flüchtlinge „mit Bleibeperspektive“ geöffnet wurden, dieses Angebot aber an das Herkunftsland gebunden ist und etwa Afghanen außen vor bleiben. Vor diesem Hintergrund bleibe bei aktiven Teachers, auch wenn sie nicht unbedingt aus politischen Motiven einstiegen, „die Politisierung selten aus“. Denn wenn einem Flüchtling die Abschiebung drohe, wirke sich das auch auf die Konzentration im Unterricht aus. Am Tag der Menschenrechte, dem 10. Dezember, werden die Teachers daher ab 17 Uhr im Bahnhofsviertel für „gleiche Rechte für alle“ demonstrieren.

Fehlende Bildungschancen

Schon in seiner früheren Heimat Trier hatte Tomaschowski sich für Geflüchtete eingesetzt. Mit weiteren Aktivisten klapperte er auf einer Tour durch Rheinland-Pfalz eine Flüchtlingsunterkunft nach der anderen ab, um die Geflüchteten zu fragen, wie es ihnen geht. Viele hätten den mangelnden Zugang zu Bildung beklagt. „So kamen wir auf die Idee, Unterricht zu geben, der Name ,Teachers on the road‘ war geboren.“ In Frankfurt, wo Tomaschowski mittlerweile hingezogen war, begannen die Teachers im Herbst 2013, jene Flüchtlinge zu unterrichten, die aufgrund vorherigen Aufenthalts in Südeuropa keinen Anspruch auf staatliche Unterstützung hatten und in der Gutleutkirche untergeschlüpft waren.

Es folgte ein Kurs für Asylsuchende in Oberursel, ehe die Teachers ihre Kurse Mitte 2014 auch in Frankfurt für alle Geflüchteten öffneten. „Seither sind wir rapide gewachsen“, erzählt Tomaschowski: Es gibt Stadtteilkurse im ganzen Stadtgebiet und Teachers-Ableger in Städten von Darmstadt bis Bad Homburg, selbst aus Österreich habe es schon Anfragen gegeben, erzählt „Lehrer Uli“. Die Teachers sind weiter on the road.
Weitere Infos: nksnet.wordpress.com

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