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Flohmarkt Frankfurt Zu viel Ramsch, zu wenig Kultur

Die FDP sieht sich auf dem Flohmarkt am Frankfurter Mainufer um - und fordert mehr Kultur und weniger Ramsch. Immerhin: Die Zeiten, als vor dem Städel noch Klodeckel vertickt wurden, sind vorbei.

Christian Zeis (li.) mit Manfred Kircher und Karin Seibel an einem Stand, der Bilder verkauft. Foto: Monika Müller

Der FDP-Politiker Christian Zeis kann sich noch gut erinnern: Vor dem Städel hätten einmal Klodeckel zum Verkauf gelegen. So etwas wäre „in München oder Berlin nicht möglich gewesen“, führt der 86-Jährige aus. Zeis hat als stellvertretender Vorsitzender des Kulturausschusses der Frankfurter Liberalen am Samstag zu einer Flohmarkt-Begehung eingeladen. Er möchte den Markt am Mainufer durch mehr kulturnahe Stände aufwerten und denkt dabei an Bücher, Grafiken, Möbel und Porzellan. Auch Kitsch sei erlaubt. Was der kleinen FDP-Gruppe weniger gefällt, sind Ramsch und Krempel.

Etwas westlich vom Museum für Angewandte Kunst bleibt einer aus der Gruppe, Manfred Kircher, vor einem Stand mit Badezimmer-Armaturen stehen: „Das ist Baumarkt“, kritisiert er. Am Teppich-Stand meint Karin Seibel, Mitglied im Kulturausschuss: „Das würde ich akzeptieren.“ Wolf Frey, der in Sachsenhausen wohnt, spricht sich deutlich gegen jede Ausgrenzung aus und warnt vor „Überheblichkeit“. Der Flohmarkt mit seiner Vielfalt und Buntheit gehöre zum Lebensgefühl in Frankfurt dazu.

Der Markt ist an diesem Samstag gut besucht. Für viele junge Leute eine willkommene Gelegenheit, billig einzukaufen. Josefine K. (22) schiebt ihr Fahrrad zwischen den Ständen hindurch. Sie ist Restaurationspraktikantin und will Tischlerin werden. Selten ist sie so spät dran, wie heute. Sonst ist sie oft um 9 Uhr vor Ort. „Die Profis kommen schon um sieben Uhr.“ Je früher, desto größer das Angebot, erzählt sie. Ihr Fahrrad, zum Beispiel, das einen ordentlichen Eindruck macht, hat 40 Euro gekostet. „Jeder soll das verkaufen, was er will“, sagt sie.

Hier stapeln sich Schuhe, Koffer und Klamotten, dort werden Staubsaugerteile und Kopfkissen feilgeboten – zweifelsfrei gibt es auch Waren, die neu auf den Flohmarkt kommen, aber viele Sachen wurden schon getragen und genutzt. Für Halel K. ist deshalb der Flohmarkt nicht nur als günstige Einkaufsmöglichkeit wichtig. Er schätzt es, „dass Dinge nicht einfach weggeworfen“ werden, sondern einen neuen Besitzer finden.

Die FDP-Delegation ist inzwischen vor dem Filmmuseum angekommen. Hier wäre doch Platz für etwas mehr Kultur, urteilt Zeis und macht eine ausschweifende Handbewegung. Kurz vor dem Städel ist dann Schluss. 50 bis 60 Stände hat der 86-Jährige mit kulturnahem Angebot entdeckt. Er wird sich dafür einsetzen, dass es mehr werden. Über eines aber ist Zeis richtig froh: dass vor dem Städel keine Klodeckel mehr zum Verkauf angeboten werden.

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