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Filmmuseum Frankfurt Frühstück mit Audrey

Fünf Jahre ist es her, dass das Filmmuseum in Frankfurt mehr Platz und ein neues Konzept erhalten hat. Zur Feier des Jahrestags gibt es neue Schätze in der Ausstellung – und ein großes Fest am Sonntag.

Das Tier hinter dir: FR-Fotograf Andreas Arnold beamt sich mit der Green Box im Filmraum des Museums in eine Filmszene. Foto: Andreas Arnold

Wäre es die deutsch synchronisierte Fassung, würde Humphrey Bogart jetzt sagen: „Ich schau dir in die Augen, Kleines.“ Aber weil wir im Filmmuseum sind und weil hier Originale zählen, viele Originale und zum Jubiläum noch mehr Originale, sagt Bogart natürlich: „Here’s looking at you, kid.“ Direkt anschließend kommt von drei Seiten der „Weiße Hai“ angeschwommen, und eine weitere aufregende Minute später schmeißt Katharine Hepburn Cary Grant seine Golfschläger vor die Füße.

Immer wieder aufregend, der sogenannte Filmraum im zweiten Stock des Museums. Wer ihn betritt, ist sofort gefesselt von den legendären Ausschnitten, die einander dort über die Leinwände jagen. Direktorin Claudia Dillmann sieht den Raum als zentralen Anziehungspunkt im Haus: „Weil er mit filmischen Mitteln die Themen der Dauerausstellung aufgreift.“

An diesem Wochenende feiert das Filmmuseum den fünften Jahrestag seines großen Umbaus und zu dem Anlass zeigt es viel Neues: etwa die „Wundertrommel“, die als Leitmotiv nun an mehreren Stellen auftaucht, sowohl in der Innenarchitektur als auch per Lichtinstallation, ebenfalls dreidimensional. Im zweiten Stock hängen brandneu mehrere Gardinen aus Filmstreifen, die der Direktorin kurz den Atem stocken ließen: Hat da etwa jemand das unschätzbar wertvolle Archiv geplündert? Nein – die Zelluloidszenen wurden mit großem Aufwand gescannt und auf Polyester gedruckt. „Kinder und Jugendliche wissen gar nicht mehr, was das ist“, sagt Dillmann. Schöne neue digitale Kinowelt.

Aber zurück in den Filmraum. „Für mich ist er wie ein Exponat“, sagt Medienkurator Michael Kinzer. „Er zeigt, wie Stilmittel eingesetzt werden“, etwa Licht und Ton, und er löst Emotionen aus: „Es gibt Momente, in denen man schmunzeln oder sich gruseln kann – und sich erinnern: Was hat dieser Film damals ausgelöst in mir?“

Nach dem Ausflug in die Originalfilmszenen gibt es gleich nebenan vieles in echt zu sehen, was eben noch auf der Leinwand war. Etwa Audrey Hepburn auf dem Plakat zur deutschen Erstaufführung von „Breakfast at Tiffany’s“ (1962). Dieser Blick! Und direkt gegenüber ein Autogramm der Filmgöttin neben einer weiteren Originalunterschrift von Kim Novak. Alles neu in der Schau.

Damit nicht genug: „Elbtunnel!“ schrieb Wim Wenders per Hand auf die Szenenbeschreibung zu Jonathans Laden im Film „Der amerikanische Freund“ (1977). Wer’s nicht glaubt, kann es jetzt nachlesen: in Wenders’ Arbeitsdrehbuch. Ausgestellt im Filmraum. Zweiter Stock. Neben Stoffproben des Kostüms von Barbara Baum aus Fassbinders „Lola“. Neben Originalentwürfen für Filme von Wilhelm Thiele (1931), Ernst Lubitsch (1922) und Werner Herzog (1987). Ein Dorado für Filmnostalgiker – wenn sie sich losreißen können von den 216 Filmausschnitten aus 120 Jahren Kinogeschichte in 60 Minuten.

Einen Ort zum Staunen, Erleben und Lernen nennen die Leute vom Deutschen Filmmuseum und vom ebendort beheimateten Deutschen Filminstitut das Haus am Sachsenhäuser Mainufer. Die Beschreibung passt gleichermaßen auf das Museum wie auf das Kino überhaupt. Das Museum aber nutzt die Chance, nicht nur zu zeigen, sondern auch einzuordnen. Das honoriert das Publikum mit massenhaftem Besuch: 965 000 Eintrittskarten wurden seit dem Neustart vor fünf Jahren verkauft, 242 300 fürs Kino im Basement.

Bei der Feier an diesem Sonntag wolle das Filmmuseum davon etwas zurückgeben, sagt Dillmann: „Wir laden keine Stars ein, wir laden unser Publikum ein, wir laden die Familien ein.“ Zu Workshops und zum Speeddating mit den Museumsleuten. Es gibt Gelegenheit, sich mit weltberühmten Filmpreisen fotografieren zu lassen. Und es gibt die immer wieder überwältigende Green Box, die den Besucher direkt in die Fänge eines Ungeheuers oder in ein Raumschiff im Weltall versetzt.

Fast wäre doch ein Star dabei gewesen am Sonntag, aber Regisseur Marcel Ophüls, der in Frankfurt geborene französische Oscar-Preisträger, sagte aus Gesundheitsgründen ab. So bleiben ein buntes Programm, der Rückblick auf die Geschichte des Museums bis weit zurück zur Keimzelle „Kommunales Kino“ und der Ausblick in die Zukunft: Die Wechselwirkung etwa zwischen „Film & Games“, wie eine erfolgreiche Ausstellung hieß, will das Museum weiter aufgreifen. Einen geeigneten Ort dafür hat es schon geschaffen: den Mini-Filmclub für Vier- bis Sechsjährige, in diesem Jahr für einen Kulturpreis nominiert, international als Vorbild gefeiert.

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