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Film in Frankfurt Hier werden echte Kerle gemacht

Matthias Schweighöfer tritt als Schauspieler, Produzent und Regisseur aufs Set und dreht mit Sibel Kekilli den Film „What a man“. Frankfurt spielt darin auch eine Hauptrolle – als grandiose Filmkulisse.

28.10.2010 15:10
Jana Schulze
Matthias Schweighöfer bei den Dreharbeiten zu seinem Film "What a Man" in Frankfurt. Foto: FR/Kraus

"Scheiße!“ Das Wort schießt gebrüllt über den Eisernen Steg. „Scheiße, scheiße, scheiß Motive!“ Es dauerte einige Sekunden bis das erlösende, gewaltige Lachen kommt und auflöst, dass sich der junge, schreiende Mann amüsiert und so scheiße alles gar nicht ist. Es ist Mittwochabend, kurz nach 19.30 Uhr, über dem Eisernen Steg hängt ein riesiger Scheinwerfer, der einen beim Hineinschauen fast erblinden lässt. Aber großes Kino braucht eben große Ausstattung: Matthias Schweighöfer dreht als Hauptdarsteller mit großem Stab den Film „What a man“ in Frankfurt und das noch bis zum 10.November.

Was da im September 2011 einmal über die Leinwände vor Popcorn futterndem Publikum laufen wird, ist die Geschichte des liebenswürdigen, sanften, jungen Lehrers Alex. Der wird von seiner Liebsten Carolin gegen einen harten Kerl ausgetauscht und steht damit vor der Frage: Was macht einen Mann heutzutage wirklich zu einem Mann? Im Stehen pinkeln? Moschus-Deo? Hartes Macho-Verhalten? Sein bester Freund, Okke, ein Möchtegern-Macho, nickt diese drei Dinge wild ab.

Seine chaotische Freundin Nele dagegen weiß zwar wie man Panda-Bären rettet, aber Beziehung ist für sie ein Buch voller Hyroglyphen. Dennoch kommen sich nicht nur Alex und Nele ein Stück näher, sondern der Junglehrer auch seinem wahren Ich. Und das alles vor Frankfurter Kulisse.

„Frankfurt ist eine tolle Stadt, gemütlich“, sagt Matthias Schweighöfer. Die Kulisse der Hochhäuser und der Main seien optimal für die Filmaufnahmen. „Es gibt keine Stadt in Deutschland, die nachts eben mal ausschaut wie Chicago!“ Er wolle mit seinem Film Frankfurt ein Stück bekannter machen: „In Frankfurt kennt jeder den Alexanderplatz, aber wer kennt in Berlin den Schweizer Platz?!“

Verliebt in Sachsenhausen

Mit „What a man“ gibt der 29-Jährige zugleich sein Regiedebut. „Als meine Tochter vor einem Jahr geboren wurde, habe ich mir darüber Gedanken macht, wo bin ich, was muss ich nun als Mann erfüllen“, erzählt der Jungvater, der gemeinsam mit dem Frankfurter Doron Wisotzky das Drehbuch schrieb. Seine Produktionsfirma Pantaleon Entertainment Berlin und die Pantaleon Films Frankfurt stehen organisatorisch hinter dem aktuellen Filmprojekt, zu dem das Land Hessen 500.000 Euro dazu zahlt.

Sein Herz für Frankfurt habe er vor einem Jahr entdeckt als er für den gerade mit dem Hessischen Fernsehpreis ausgezeichneten Tatort „Weil sie böse sind“ vor der Kamera stand. „Ich hab mich damals in Sachsenhausen verliebt und von dort die Stadt für mich entdeckt“, sagt Schweighöfer, der fast jeden Satz mit einem Lachen verpackt.

Auf dem Eisernen Steg werden Kamerawagen und Tongeräte herumgeschoben, Kabel verlegt, Schminkköfferchen geschwenkt. Einer der Techniker bespritzt mit einem Feuerwehrschlauch den Brückenboden, damit das Licht besser reflektiert wird und die Gesichter der Schauspieler weicher erscheinen lässt. Matthias Schweighöfer erklärt den Kameramännern, wie er sich die Kamerafahrten vorgestellt hat, legt eine Mini-Tanzeinlage ein, zieht die Schultern in seinem großen Winterparka ein Stück höher. Es ist frisch über dem Main.

„Und wir drehen – Ruhe bitte!“, ruft Set-Aufnahmeleiter Dirk Eberling. Dann fährt der Kamerawagen los, das Drehteam läuft rückwärts in Richtung Sachsenhäuser Seite. Matthias Schweighöfer trägt als Alex ein kariertes Hemd, ein Cordjackett und eine Bierdose in der Hand. Neben ihm die zarte Sibel Kekilli, Deutschlands neue „Tatort“-Hauptdarstellerin, als Nele. Die beiden philosophieren über das Leben und wie man sich darin immer wieder durchbeißen muss, dass es auch mal weh tun muss. „Du hast doch eine Problemwurst nach der anderen am Start“, sagt Alex. „Aus, Stop, Wiederholung“, ruft der Setaufnahmeleiter.

Natürlich Anwohner-Beschwerden

Seit Ende September parken die Filmtransporter und vielen Kleinwagen für den „What-a-man“-Dreh in vielen Ecken Frankfurts und Umgebung: In der King Kamehameha-Suite, in einer Schule in Sachsenhausen, in Offenbach, in der Ostendstraße und im Friedberger Wald. Dabei beschweren sich gerade in Frankfurt immer wieder Anwohner, wenn ihre Parkplätze tagelang von den Transportern zugestellt werden.

„Die Stadt Frankfurt fährt eben die Politik, dass sie uns nur die Hälfte der Parkplätze gibt, die wir benötigen und beantragen“, erklärt Gabriele Bacher von der mitproduzierenden FOX International Production. Man werde aber dem Ordnungsamt demnächst „noch einmal einen Brief schreiben“, meinte Günter Schmitteckert, Ministerialdirigent im Hessischen Ministerium für Kunst, schmunzelnd.

Für das Team auf dem Eisernen Steg wird die Nacht zum Tag, Drehstart war um 14 Uhr, so fährt gegen 1Uhr das letzte Mal der Kamerawagen rückwärts gen Sachsenhausen. Eine Szene, zig Einstellungen, damit es für den Schnitt die bestmöglichste Auswahl gibt. Regisseur Schweighöfer ist zufrieden: „Wir sind völlig im Drehplan, ich bin selbst überrascht.“

Sibel Kekilli schwärmt derweil über den Filmmann an ihrer Seite: „Weil er selbst Schauspieler ist, kann er sich gut in uns hinein versetzen und führt uns super. Ich bewundere, wie er zugleich Regie führt, Produzent und Hauptdarsteller ist.“ Da muss der blonde Jungvater lachen, wieder einmal, selbstbewusst und dennoch sympathisch herzlich.

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