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Feuerwehr in Frankfurt Dienstende mit Ultralauf

Der Frankfurter Feuerwehrmann Jürgen Prehl verabschiedet sich von seinen Kollegen und joggt 81 Kilometer durch die Stadt. Rückblick auf 38 Dienstjahre.

Berufsfeuerwehr Frankfurt
Hauptbrandmeister Prehl vor der Feuerwache 1 bei Kilometer 17, noch recht entspannt. Foto: peter-juelich.com

Als Jürgen Prehl am Mittwochmorgen um kurz nach neun Uhr an der Feuerwache 1 ankommt, stehen die Kollegen Spalier. Eine Stunde später in der Feuerwache 11 in Bergen-Enkheim haben die Kollegen für den Hauptbrandmeister die Autos auf dem Hof gefahren, applaudieren und lassen das Horn ertönen. Ein Nachbar steckt verwundert den Kopf aus dem Fenster. Was ist da los?

Jürgen Prehl ist auf großer Abschiedstournee. Nach 38 Dienstjahren bei der Frankfurter Feuerwehr geht der 59-Jährige in den wohlverdienten Ruhestand. Den feiert der begeisterten Läufer mit einem 81 Kilometer langen Lauf zu allen zwölf Rettungswachen. „Es geht mir darum, den Teamgeist und den Zusammenhalt bei der Feuerwehr zu demonstrieren und zu fördern“, sagt Prehl zu der ungewöhnlichen Aktion.

Der Heddernheimer hat 1981 bei der Feuerwehr angefangen. Was hat sich seit damals geändert? „Geändert hat sich eigentlich alles, außer, dass wir immer noch das Feuer ausmachen“, sagt Prehl, während er durch den Berger Weg Richtung Seckbach joggt. Das meiste habe sich zum Guten gewandelt. Etwa, dass neue Fahrzeuge heute en bloc gekauft würden und dadurch Kollegen, wenn sie auf eine neue Wache kommen, mit den Fahrzeugen und der Ausrüstung darauf schon vertraut seien.

Selbst die Kameradschaft sei heute eine andere. „Früher war viel Alkohol im Spiel, das gehörte zusammen. Heute sind die Kollegen sehr vernünftig.“ Das mag auch damit zusammenhängen, dass die meisten Kollegen heute nach Dienstschluss noch sehr weit fahren müssen. Gerhard Kemmerer etwa, der Prehl an diesem Morgen gemeinsam mit zwei weiteren Kollegen auf dem Fahrrad begleitet kommt täglich aus Mömbris. „Früher war ich ein Exot“, sagt Kemmerer. Seitdem die Residenzpflicht aufgehoben wurde, fahren die Kollegen auch schon mal 120 Kilometer bis zu ihrem Dienstort in Frankfurt.

Seinen wohl spektakulärsten Einsatz in 38 Dienstjahren hatte Prehl im Herbst 1987, als die Oper abbrannte. Zu der Zeit war die Feuerwache im Bahnhofsviertel sein Dienstort. „Wir sind noch zwei Monate später am Theater gewesen, um Glutnester zu löschen“, erinnert sich Prehl. Die vergangenen 15 Jahre hat Prehl seinen Dienst bei der Wasserrettung im Osthafen verbracht. Auch dort wird Prehl vorbeijoggen, etwa bei Kilometer 34.

Mit dem Laufen angefangen hat Prehl erst 2008, als er mit dem Rauchen aufhörte und Bedenken hatte, dick zu werden. Seitdem hat er einige Marathons und auch schon einen 100-Kilometer-Lauf absolviert. Seine Fitness nutzt Prehl jetzt, um an einem der wärmsten Tage des Spätsommers Überstunden abzubauen. Denn auch das gehört zur Wahrheit der Frankfurter Feuerwehr dazu: viele Überstunden. Wirklich Schluss ist für den 59-Jährigen erst im Januar, aber mit Urlaub und Überstunden kann der Sportler seinen Kollegen schon jetzt Tschüss sagen.

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