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Feuerteufel Autobrände weiten sich aus in den Frankfurter Westen

Fünf Fahrzeuge sind am Sonntagabend in Höchst in Flammen aufgegangen. Per Lautsprecherwagen hat die Polizei sofort nach Zeugen gesucht. Die Furcht vor weiteren Taten geht um.

25.10.2011 20:11
Felix Helbig und Jutta Ochs
Brennende Autos. Foto: FR

Fünf Fahrzeuge sind am Sonntagabend in Höchst in Flammen aufgegangen. Per Lautsprecherwagen hat die Polizei sofort nach Zeugen gesucht. Die Furcht vor weiteren Taten geht um.

Einen regelrechten Schock“, sagt eine Anwohnerin in der Bolongarostraße, habe sie gehabt, als dann „die Polizei mit Lautsprecherwagen durch die Straßen gefahren“ sei und per Durchsage dringend Zeugen suchte. Da habe sie gedacht: „Am Ende ist da noch jemand umgekommen.“ Am Tag nach dem Sonntagabend, als nahe dem Höchster Bolongaropalast fünf Autos in Flammen aufgingen, aber „Gott sei Dank niemand verletzt wurde“, werden im ganzen Stadtteil die möglichen Konsequenzen dieser Brandstiftung und das eigene Erleben am Vortag besprochen. Auf einen Krimi, sagt eine weitere Anwohnerin, habe sie an diesem Abend keine Lust mehr gehabt.

Spuren sind am Montagmorgen an der Straße Seilerbahn, dem Tatort, der zwischen dem Palastgarten und dem Zusammenfluss von Main und Nidda liegt, kaum noch zu sehen. Die Feuerwehr sei „sehr schnell da gewesen“, berichten Anwohner.

Henning Brandt, Leiter der Verwaltungsstelle Höchst im Bolongaropalast, war mit klopfendem Herzen am Morgen zu seinem Arbeitsplatz geeilt. Nach dem „ersten großen Schrecken“ und der Sorge wegen weiterer Brandschäden plagt ihn wie viele andere der Gedanke, dass jetzt auch in Höchst „eine Serie“ starten könnte. Ähnlich wie vor einigen Wochen in der Nordweststadt und in Niederursel. Gar nicht zu denken an Berlin. Brandt und viele andere Höchster haben mit Erleichterung zur Kenntnis genommen, dass ein Täter in der Hauptstadt gefasst worden ist. „Wir sollten uns hier nicht verrückt machen lassen“, sagt Brandt. In die Polizei setze er großes Vertrauen.

Die Polizei hält sich bedeckt

Die geht bislang nicht davon aus, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen den neuen Bränden und den Fällen der jüngeren Vergangenheit im Frankfurter Nordwesten. Allerdings beruhe diese Einschätzung lediglich auf der räumlichen Entfernung, räumt Polizeisprecherin Isabell Neumann ein. Bei den Ermittlungen tappe man hier wie dort weiterhin im Dunkel. Hinweise auf Täter gebe es auch in Höchst keine.

Fest steht bei den neuen Bränden deshalb bislang nur, dass der oder die unbekannten Täter am Sonntagabend zunächst in der Seilerbahn drei Fahrzeuge anzünden. Auf ein viertes Auto greift das Feuer über, kann aber vom Besitzer, der den Vorfall als Erster bemerkt, mit einer Decke gelöscht werden, nachdem er die Feuerwehr alarmiert hat. Anschließend fährt er sein Auto aus dem Gefahrenbereich, wie die Polizei am Montag berichtet. Die Feuerwehr erreicht den Ort kurz darauf, wird aber noch während der Löscharbeiten über ein weiteres Feuer in der Bolongarostraße informiert. Auch dort brennt ein Auto. Auch dort ist offenbar Brandstiftung die Ursache.

Die Polizei hält sich bedeckt, was die genaue Vorgehensweise der Täter angeht. Man wolle durch detaillierte Schilderungen nicht zum Nachahmen anregen, sagt Neumann. Dass es nicht sonderlich schwer ist, ein Auto anzuzünden, ist allerdings klar. Entsprechende Anleitungen sind im Internet verfügbar, im Privatfernsehen taten sich auch schon Magazine mit Beiträgen hervor, die sich dem Praxistest widmeten.

Bei der Täterermittlung will die Frankfurter Polizei indessen von gezielter Ansprache potenzieller Verdächtiger nichts wissen. Die Vorgehensweise etwa der Hamburger Polizei sei ihr nicht bekannt, sagt Neumann. In der Hansestadt gehen die Beamten seit einiger Zeit gezielt auf Menschen zu, die mit Graffiti-Schmierereien oder Zündeleien auffällig geworden sind. Kritiker halten das für fragwürdig. Allerdings brannten im Hamburg in diesem Jahr auch schon deutlich mehr Autos als am Main: Allein bis August waren es mehr als 330.

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