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Ferry Ahrlé in Frankfurt Trauer um Ferry Ahrlé

Frankfurt nimmt Abschied vom Grafiker und Maler Ferry Ahrlé und von einer Ära Frankfurter Kultur.

Trauerfeier
Ex-FR-Lokalchef Lothar Vetter trägt sich ins Kondolenzbuch ein. Foto: Peter Juelich

Diese Minuten werden bleiben. Am Ende, bevor die Trauergemeinde hinauszieht in den heftigen Regen, erheben sich alle von ihren Stühlen zum Beifall. So verabschiedet sich die Stadt Frankfurt von dem Grafiker, Maler und Autor Ferry Ahrlé. „Der Applaus ist das Brot des Künstlers“, sagt Claus-Helmer, der Direktor von „Komödie“ und „Fritz Rémond Theater“, bevor er um diese letzte Geste bittet.

Es ist ein würdiger, bewegender Abschied – und er hätte Ahrlé gefallen. Denn der Mann, der jetzt im Alter von 93 Jahren an den Folgen eines Schlaganfalls starb, hat falsches, aufgesetztes Pathos und leere Rituale immer gehasst. „Mach bloß nicht so eine komische Trauerfeier“: Das hatte er seinem langjährigen Freund Georg Köhler, Pfarrer der Andreasgemeinde, noch mitgegeben. Und der Geistliche bittet denn die Menschen in der überfüllten Trauerhalle des Hauptfriedhofs auch um eine „Lebensfeier“ für den Verstorbenen. „Er hat ein intensives Leben gelebt und er hat das Leben geliebt“, sagt Köhler.

Er erinnert noch einmal an den „Stifter“ Ahrlé, der über fünf Jahrzehnte stets einen großen Freundeskreis um sich versammelt, mit ihm gefeiert, gegessen, getrunken und gelacht habe. „Es brannte immer irgendwie in ihm ein Feuer“: Mit seiner mächtigen Stimme, die den großen Raum füllt, entwirft der Pfarrer ein Porträt des Toten. Seine „innerste Berufung“ sei stets das Zeichnen gewesen. Und als seinen Schutzengel würdigt er die langjährige Ehefrau Sigrid.

Die Stadt Frankfurt herausgefordert

In die Trauerhalle sind viele aus dem Kreis der Freunde noch einmal gekommen, zum Teil schon selbst hoch betagt, wie der 92-jährige frühere langjährige Kulturdezernent Hilmar Hoffmann (SPD). Ein Leben lang habe der Künstler „neue Ufer, neue Themen“ gesucht, heißt es in Hoffmanns Rede, die von der Künstler-Agentin Edda Rössler vorgetragen wird.

Stets aufs Neue habe Ahrlé die Stadt Frankfurt „herausgefordert“, die sich ihrerseits immer mit ihm geschmückt habe. Der Kulturpolitiker blendet zurück auf die OB-Kandidatur des Künstlers in den 90er Jahren, die aus der Verärgerung über den Zustand der Frankfurter Kommunalpolitik erwachsen war. Der Maler sei selbst ein „eigener schöner Kontinent“ gewesen, urteilt der frühere Präsident des Goethe-Institutes – und verabschiedet sich von Ahrlé als „alter Freund und Kupferstecher“. Da stehen einigen im Rund die Tränen in den Augen.

Lothar Vetter, der ehemalige Lokalchef der „Frankfurter Rundschau“, ist ebenso unter den Trauergästen wie der Fernsehjournalist Frank Lehmann oder der Travestie-Künstler Thomas Bäppler-Wolf („Bäppi La Belle“). Theater-Intendant Claus Helmer war 53 Jahre lang mit dem Verstorbenen befreundet. Helmer, der selbst ein Leben schon als Schauspieler auf der Bühne steht, spricht von der großen Leidenschaft Ahrlés, eben der Schauspielerei. „Er hat sich für die Malerei entschieden.“

Viele Große des Theaters und des Films habe der Zeichner porträtiert, von Gustaf Gründgens über Maximilian Schell bis Hildegard Knef. Und er sei der Erste gewesen, der sich schon Ende der 60er Jahre am „Body-Painting“ mit nackten Modellen versucht habe. Draußen schüttet es ohne Unterlass und der Hauptfriedhof ist wie von einem grauen Schleier bedeckt, während immer noch Menschen die Trauerhalle betreten.

Ahrlé steht für eine große Ära

Rüdiger von Rosen, der Präsident der Frankfurter Gesellschaft für Handel, Industrie und Wissenschaft, würdigt seinen Freund Ahrlé als Menschen „mit Bodenhaftung“, der auch zum Spott über sich selbst fähig gewesen sei. Und wieder erscheint der Künstler als der Mittelpunkt „rauschender Feste“, die man zusammen feierte.

So wird an diesem Morgen auch eine Frankfurter Stadtgesellschaft beschworen, die es so nicht mehr gibt, die untergegangen ist im Orkus der Geschichte, im Zeitraffer der sozialen Medien. Viele, die einst zum Kreis um den Maler gehörten, leben schon nicht mehr: Ignatz Bubis zum Beispiel, der frühere Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, oder der Immobilienkaufmann Kurt Junior, bekannt geworden durch ein markantes Gebäude am Kaiserplatz.

So steht Ahrlé am Ende auch für eine große Ära Frankfurter Kultur in den 70er und 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts. „Er wird in seinen Werken weiterleben“, sagt Rüdiger von Rosen. Der künstlerische Nachlass des Malers und Grafikers geht in die Hände des Instituts für Stadtgeschichte über, so hat es die Familie verfügt.

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