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Felix Semmelroth Frankfurts Kulturdezernent tritt zurück

Noch bevor die eigentlichen Gespräche zur neuen Koalition im Frankfurter Römer beginnen, wirft der CDU-Kulturdezernent verärgert das Handtuch. Ina Hartwig steht als Nachfolgerin bereit.

Frankfurts Kulturdezernent Felix Semmelroth tritt am 01. Juli zurück. Foto: dpa

Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU) tritt zum 1. Juli zurück und geht in den Ruhestand. Seine Nachfolgerin wird die Literaturkritikerin Ina Hartwig, die SPD-Mitglied ist. Am Dienstag kritisierte Semmelroth seine eigene Partei scharf. Die CDU habe die Bedeutung des Kulturressorts ignoriert und das Dezernat in den Gesprächen über eine neue Römer-Koalition „dem politischen Gegner überlassen“.

„Ich bin nicht amtsmüde“, betonte Semmelroth am Dienstag vor Journalisten. Zwar habe er seit geraumer Zeit überlegt, an seinem 67. Geburtstag im August aufzuhören. Er sei aber immer davon ausgegangen, dass er das Amt dann in die Hände eines CDU-Politikers legen könne. Dass es dazu nicht kommen werde, schmerze ihn. Der SPD, die die frühere FR-Redakteurin Hartwig im Sommer in den Römer holen wird, gratulierte er zu ihrem „Verhandlungsgeschick“.

Zuletzt war mehrfach berichtet worden, CDU und SPD hätten sich darauf geeinigt, dass Semmelroth bis Ende des Jahres im Amt bleibe. Doch diese Lösung sei „töricht“, sagte der Dezernent. Schließlich gebe es ja offenbar eine Nachfolge für ihn. Gespräche über wichtige Entscheidungen – etwa über die Nachfolge des scheidenden Städeldirektors Max Hollein – werde er zwar weiterhin führen. Er bezweifle aber, dass er zu einem Ergebnis kommen werde, „denn ich muss ja sagen, dass ich in wenigen Wochen schon nicht mehr da bin“.

Mehrfach betonte Semmelroth den Stellenwert der Kultur in der Stadt. Diesen habe die Politik, auch seine Partei, oft nicht erkannt. Bei Verhandlungen über den Haushalt sei stets gesagt worden, „auch die Kultur“ müsse sparen: „In Wahrheit hieß das: Vor allem die Kultur muss sparen.“ So sei der anstehende Bau des Romantikmuseums beinahe an vier Millionen Euro gescheitert. In anderen Ressorts, etwa im Bildungsdezernat, sei das keine ernstzunehmende Summe.

Semmelroth erinnerte zudem an die Vorgabe für den laufenden Haushalt. 9,2 Millionen Euro pro Jahr habe er einsparen sollen. „Das hätte Frankfurt als Kulturstadt nachhaltig beschädigt“, sagte er. Der CDU-Politiker, der sein Amt 2006 angetreten hatte, war deshalb nicht bereit, die entsprechenden Kürzungen vorzunehmen. Da sich die Haushaltslage entspannte, bestand Kämmerer Uwe Becker (CDU) auch nicht darauf. „Wir mussten keine Einrichtungen schließen“, sagte Semmelroth. Auch beim Programm von Oper und Schauspiel habe es keine Abstriche gegeben.

Der kulturpolitische Sprecher der CDU, Thomas Dürbeck, hatte Semmelroths Pressekonferenz als Gast besucht und unterstützte den Dezernenten. Das Kulturressort der SPD zu überlassen, sei ein „Riesenfehler – das sehen viel in der Partei“ so. Die CDU verliere das letzte Dezernat, in dem sie tatsächlich gestalten könne.

Uwe Becker, der als CDU-Chef die Verhandlungen mit der SPD geführt hatte, bezeichnete Semmelroth im Gespräch mit der FR als „einen der besten Kulturdezernenten in Deutschland“. Seine Kritik könne er verstehen, „denn Felix Semmelroth ist mit großer Leidenschaft dabei“. Da CDU und SPD nach der Wahl aber auf Augenhöhe seien, „können wir voraussichtlich nicht alle Aufgaben behalten, die wir gerne behalten würden“. Dürbecks Kritik wies er zurück. Die CDU-Dezernenten machten hervorragende Arbeit und könnten viel gestalten.

„Derzeit überwiegt die Wehmut über den Abschied“, sagte Semmelroth. Die Bilanz seiner Arbeit falle aber positiv aus. Als einen großen Moment seiner Amtszeit nannte er die Eröffnung der Caricatura im Jahr 2008. Mehrere Museen seien in den vergangenen Jahren saniert worden, das Museum Angewandte Kunst habe man völlig neu aufgestellt. Der Erweiterungsbau für das Historische Museum werde im Herbst eröffnen, die Erweiterung des Jüdischen Museums sei in Arbeit.

Semmelroths Rücktritt und der Abschied von Hollein „beenden eine Ära in der Frankfurter Kultur“, sagte Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD). Die „eine oder andere Akzentverschiebung“ in der Kulturpolitik werde der Stadt aber gut tun.

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