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Feinstaub Umweltzone gilt nicht für den Main

Schiffe stoßen besonders viel Feinstaub und Stickoxid aus. Grenzwerte gibt es kaum und zudem keinen Platz für Partikelfilter und Stickoxid-Katalysatoren unter Deck.

Greenpeace-Aktion am Mainufer in Frankfurt. Foto: Michael Schick (Michael Schick)

Immer wieder beschweren sich Anwohner und Erholungssuchende über die „stinkenden Schiffsdiesel“ auf dem Main, besonders auch zu Messezeiten, wenn dort die Hotelschiffe vor sich her dümpeln, bestätigte Janina Steinkrüger aus dem Umweltdezernat auf Anfrage. Doch gibt es offenbar keine Handhabe, diese Belästigung abzustellen.

Dass diese Dieselmotoren besonders viele Schadstoffe wie Feinstaub und Stickoxide produzieren, ist zwar bekannt, wurde aber in allen Städten bei den Bemühungen für eine saubere Luft bislang nicht berücksichtigt: Auf dem Main ist die Frankfurter Umweltzone de facto außer Kraft gesetzt. Während bei den Besitzern älterer Dieselautos die Angst vor der blauen Plakette und den damit verbundenen Fahrverboten umgeht, dürfen Schiffe ungestört die Umwelt verpesten.

„Grenzwerte gibt es so gut wie nicht“, so der Verkehrsexperte des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu), Dietmar Oeliger. Kreuzfahrtschiffe wie die Aida etwa könnten so viele Schadstoffe produzieren wie eine Million Autos. Anders als auf hoher See würden die Binnenschiffe zwar keinen schwefelhaltigen Treibstoff bunkern, sondern seien meist mit LKW-Diesel unterwegs. Doch auch damit würden immer noch jede Menge Schadstoffe ausgestoßen.

Hauptsitz des Nabu ist Berlin. Von der rot-rot-grünen Stadtregierung der Bundeshauptstadt stammt auch die Forderung, stärker gegen die Luftverschmutzung durch Schiffsdiesel vorzugehen. Nach Angaben von Oeliger sind Feinstaubfilter und Stickoxid-Katalysatoren auf dem Markt. Sie würden jedoch kaum genutzt – nicht nur weil sie teuer sind, sondern eben „weil es keine Grenzwerte gibt“. Deshalb sollte, so der Naturschützer, der Bundesrat die Bundesregierung auffordern, „Schiffe in die Umweltzone“ einzubeziehen.

Als Zwischenlösung, wenn die Schiffe am Kai liegen, empfiehlt Oeliger, den Motor abzustellen und Landstrom zu nutzen. Der ist allerdings in Frankfurt nicht an jedem Liegeplatz verfügbar. Während sich die Schiffe der Primus-Linie und der Köln-Düsseldorfer mit Strom versorgen können, fehlt ein solches Angebot an den drei Liegeplätzen die von den städtischen Hafenbetrieben im Bereich Nizza und St. Leonhard an Gastschiffe stunden- oder auch tageweise vermietet werden. Im Jahr 2016 legten nach Angaben einer Sprecherin der Hafenbetriebe 320 Schiffe aus anderen Heimathäfen in Frankfurt an.

Den Betreibern der Primus-Linie und der Köln-Düsseldorfer ist die Schadstoff-Problematik bekannt. „Wir haben in Köln einige Versuche unternommen, um die Schadstoffe zu reduzieren“, sagt Pressesprecherin Nicole Becker. Eine Lösung sei aber nicht in Sicht. So gebe es noch keinen Elektromotor für große Schiffe. Da hinke die Entwicklung hinterher.

Auch Anton Nauheimer von der Primus-Linie meinte, „es gibt noch keine Alternative“. Für eine Nachrüstung mit Partikel-Filter und Stickoxid-Katalysatoren „gibt es nicht genügend Platz“ unter Deck. Nauheimer sprach auch von einer „gesetzlichen Unsicherheit“. Niemand wisse, welche Vorschriften es in den nächsten Jahren geben werde.

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