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Familie Montez Auktion für den Kunstverein

Künstler spenden Bilder, damit Geld für die geschlossen Kunsthalle zusammenkommt. Denn der "Frankfurter Geheimtipp" darf erst wieder öffnen, wenn alle Brandschutzauflagen erfüllt werden.

17.12.2010 20:46
Alina-Louise Kramer
Kunst darf verstören. Foto: FR/Arnold

Die Bieterkarten schnellen in die Höhe, der Auktionator kommt kaum nach. Vierzig Euro als „sehr moderates Limit“ für den Hasen in Silber und Schwarz hat er angesetzt. 40 Euro werden aufgerufen. 45, 50, 55, 60. Keiner mehr als 60 Euro? Der Herr in der Mitte, 65, vielen Dank. 70 hier vorne. 70 zum Ersten, 75, danke. Nach hartem Kampf geht der Siebdruck von Kerstin Lichtblau bei der Benefizauktion zu Gunsten des Kunstvereins Familie Montez am Donnerstagabend für 80 Euro weg – Geld das für den Verein überlebenswichtig ist.

Ende November musste die Halle in der Breiten Gasse 24, in der Mirek Macke und seine Künstlerfamilie Ausstellungen organisieren, schließen. Von der Bauaufsicht hieß es, der Brandschutz sei nicht gewährleistet, Veranstaltungen dort zu gefährlich. Heiß aber auch, was dort gezeigt wurde. Die Bilder mit teils verstörenden Inhalten eckten an, gingen durch die Presse – und riefen die Bauaufsicht damit erst Recht auf den Plan. Die Fraktionen im Römer diskutierten heftig. Die Kunstszene in Frankfurt wollte den Geheimtipp nicht verlieren.

108 Werke wurden zur Verfügung gestellt

Innerhalb von drei Wochen organisierte der Verein die Benefizauktion und befreundete Künstler stellten 108 Werke zur Verfügung. Mit dem Erlös soll das Montez gerettet werden. Nur wenn Umbauten erfolgen und die Sicherheitsauflagen erfüllt werden, kann in den Räumen wieder Kunst stattfinden. Die öffentliche Nutzung ist bis dahin nicht gestattet.

Deshalb stellte Robert Bock seine Ausstellungsfläche in der Schulstraße 1A zur Verfügung, den Auktionator gab Philip Augustin vom Kunst- und Auktionshaus Döbritz. „Alles hat geklappt und jetzt spielt das Wetter nicht mit“, fürchtete Mirek Macke kurz vor dem offiziellen Start der Auktion um 18 Uhr noch. Nur eine Hand voll Interessierter ist da.

„Ich weiß nicht, wie viel Geld wir brauchen“, sagt Macke. Den Nutzungsänderungsantrag will er aber Mitte nächster Woche stellen. In der Breiten Gasse wird dann – so hofft er – eine Galerie für 200 Besucher genehmigt. Der Architekt, der den Antrag begleitet, ist ein alter Freunde und lässt sich „mit Kunst bezahlen“.

Teure Brandschutz-Auflagen

Die hilft bei der Bauaufsicht sicher nicht weiter. Die Unterlagen müssten „ganz normal“ eingereicht werden, dann werde die Sachlage geprüft, erklärt Uwe Ahmend. Bisher seien nur Büros genehmigt, um Versammlungsräume zu eröffnen, bedürfe es anderer Brandschutzvorkehrungen. „Unlösbare Probleme“ sieht er nicht. Bei vollständigem Antrag sei es „eine Frage von Wochen“, bis das Montez öffnen könne. Macke hofft auf Anfang Februar. Da ist die nächste Ausstellung geplant. Dass die Umbauten bis dahin fertig sind, erscheint nicht unrealistisch.

Um kurz nach sechs ist auch das Lächeln zurück auf Mackes Gesicht. Die Stimmung steigt mit der Zahl derer, die sich durch den Schnee gekämpft haben. Bei Beginn der Auktion kurz darauf sind über 70 Bieternummern vergeben, rund 120 Kunstfreunde drängen sich in die Halle. Der Kassensturz zeigt: 17.000 Euro sind sicher, und wenn alle Künstler das Mindestgebot für ihr Werk akzeptieren, kommen weitere 8000 Euro hinzu. Da die Bilder Spenden waren, eine Formalie, glaubt Augustin.

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