Lade Inhalte...

Fahrverbot in Frankfurt So könnten alte Diesel weiter fahren

Auch ältere Dieselmotoren lassen sich so nachrüsten, dass sie die Schadstoffklasse Euro 6 erfüllen. Ein Langzeittest hat die Leistungsfähigkeit der Umrüstung bewiesen.

VW-Diesel
Auch ältere Dieselmotoren lassen sich auf Euro-6-Norm bringen. Foto: Julian Stratenschulte (dpa)

Ein Dieselmotor, der bislang nur die Schadstoffklasse Euro 5 geschafft hat, lässt sich so nachrüsten, dass er die Norm für Euro 6 erfüllt. Technisch machbar ist das sogar mit Euro-4-Dieseln.

Das Verkehrsministerium von Baden-Württemberg hat in Zusammenarbeit mit dem ADAC einen Langzeittest mit nachgerüsteten Diesel-Pkw durchgeführt, um die Funktions- und Leistungsfähigkeit solcher Hardware-Nachrüstungen zu überprüfen. Dazu mussten zwei Pkw und zwei Transporter im Alltagsbetrieb mehr als 50.000 Kilometer abspulen – auch bei großer Hitze oder bei Frost. Bei dem Test wurden die Lösungen der Firmen Twintec-Baumot, HJS, Oberland Mangold und Dr. Pley unter die Lupe genommen.  

Die Autos waren mit einem sogenannten Nachrüst-SCR-Kat ausgestattet. Der Stickstoffoxid-Ausstoß war dabei innerorts um bis zu 70 Prozent, außerorts sogar um bis zu 95 Prozent niedriger als bei einem Motor ohne den Katalysator. Selbst unter sehr ungünstigen Temperatur- und Fahrbedingungen ging der Stickoxid-Anteil im Abgas um rund 50 Prozent zurück, berichtet die Zeitung „Autobild“.  

Der Hersteller BlueFit verspricht, dass sich bei einem normalen, mittelgroßen Fahrzeug mit einem 1,5 Liter Dieselmotor (Euro 5) unter realen Bedingungen die Abgase auf 40mg Stickoxide pro Kilometer reduzieren lassen. Bei der Euro 6 sind 80mg Stickoxide pro Kilometer erlaubt.

Der TÜV hält Hardware-Nachrüstungen bei „entsprechendem technischen Aufwand“ für „grundsätzlich möglich“, zitiert die „Autobild“ den Verband der Technischen Überwachungsvereine. Twintec-Baumot spricht davon, dass eine Nachrüstung bei „allen relevanten Fahrzeugen“ möglich sei.   

Probleme bei der Nachrüstung

Ein Problem der Nachrüstung: Um in einem chemischen Prozess die Stickoxide herausfiltern zu können, sind Betriebstemperaturen von 150 bis 200 Grad notwendig. Bei extremen Kurzstreckenbetrieb werden diese Temperaturen noch nicht erreicht. Das heißt, solange der Motor noch kalt ist, wird wenig Stickoxid reduziert. 

Ein weiteres Problem ist der erhöhte Spritverbrauch. Bei dem Langzeittest haben die Fahrzeuge 0,1 bis 0,3 Liter Diesel pro 100 Kilometer mehr verbraucht. Das bedeutet ein Plus von rund sechs Prozent.

Die Kosten der Umrüstung 

Im Moment ist die Situation so, dass die Kosten für eine Nachrüstung vom Verbraucher zu tragen wären. Die Bauteile für eine Umrüstung von Euro-4 und Euro-5-Dieseln liegen je nach Modell zwischen 1400 und 3300 Euro, berichtet die „Autobild“. Dazu müssen noch die Einbaukosten gerechnet werden. Die Werkstatt benötigt dafür wohl einen Arbeitstag. Für alte Fahrzeuge mit sehr hohen Laufleistungen rechnet sich die Nachrüstung wohl nicht. Für viele neuere Euro-5-Diesel dagegen vielleicht schon.

Die Rufe nach einer gesetzlichen Regelung für einer Kostenübernahme durch die Hersteller werden lauter. Berlin ist gefragt. Doch Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hält eine Nachrüstung für „technisch, rechtlich und finanziell bedenklich“. Und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) wartet erst einmal ab. Sie will sich erst Ende September zu dem Thema äußern. 

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Abgasskandale

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen