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Fachhochschule Frankfurt Roboter hält erstmals eine Vorlesung

Zum ersten Mal hält ein Roboter an der Fachhochschule University of Applied Sciences in Frankfurt eine Vorlesung. Die Lehrenden dort müssen aber nicht seine Konkurrenz fürchten.

Hochschule in Frankfurt
Noch kann er den Vortrag nicht allein schreiben: Barbara Klein stellt den Roboter „Pepper“ im Seminar vor. Foto: Christoph Boeckheler

Obwohl er das erste Mal am Rednerpult steht, zeigt er von Lampenfieber keine Spur. „Ich werde heute den Vortrag von Frau Klein übernehmen“, tönt eine blecherne Stimme aus dem knapp eineinhalb Meter großen und 29 Kilo schweren Roboter mit dem Namen Pepper. „Schreibt euch eure Fragen bitte auf.“

„Pepper ist ein humanoider Roboter“, erklärt Barbara Klein. Professorin für Organisation und Management der sozialen Arbeit an der Frankfurter Fachhochschule „University of Applied Sciences“. Er könne Gesichter erkennen sowie Emotionen wahrnehmen und auf sie reagieren.

Der menschenähnliche Roboter wurde von dem französischen Unternehmen Aldebaran gemeinsam mit dem japanischen Konzern Softbank Robotics entwickelt und im Jahr 2014 das erste Mal in Tokio vorgestellt. In Zukunft soll er in der Altenpflege und in Krankenhäusern, aber auch im Einzelhandel arbeiten.

„Bisher wird Pepper in Deutschland vor allem im Marketing eingesetzt“, erzählt Klein. So könnten Firmen ihn beispielsweise für Messen ausleihen. Es werde noch ein bisschen dauern, bis er wirklich in Pflegeheimen und Krankenhäusern aushelfe, sagt die Professorin.

Um auszuprobieren, wie das aussehen könnte, bietet Klein in diesem Semester das erste Mal einen fachübergreifenden Kurs zum Potenzial der Robotik im Sozial- und Gesundheitswesen an – im Seminarraum sitzen nicht nur angehende Sozialarbeiter, sondern auch Informatiker.

Ideen für den Einsatz in Pflegeheimen

In drei Gruppen entwickeln die insgesamt 15 Studierenden Ideen für den Einsatz in Pflegeheimen und Krankenhäusern. „Wir entwickeln ein Programm, mit dem Pepper Witze erzählen kann“, erzählt der Geoinformatik-Student Julian Piwon. Außerdem wolle er dem Roboter mit seiner Gruppe das Spiel „Schere, Stein, Papier“ beibringen.

Um neben dem wöchentlichen Seminar an ihm zu tüfteln, können sie sich Pepper jederzeit ausleihen – seit März dieses Jahres ist der Roboter im Wert von 18 000 Euro im Besitz der Fachhochschule.

Während seines Vortrags referierte Pepper unter anderem, welche menschlichen Ansprüche bei dem Einsatz von Robotern berücksichtigt werden müssen. Ein bisschen ungewöhnlich sei es schon, von einem Roboter vertreten zu werden, sagt Klein.

Bis er ihr ernsthaft Konkurrenz macht, wird es aber dauern: Noch muss der Vortrag von Menschenhand geschrieben und anschließend auf Peppers Festplatte überspielt werden – und auch auf Nachfragen kann er noch nicht selbst antworten. Dafür kann er die Vorlesung, einmal abgespeichert, jederzeit wieder halten. Seine menschliche Kollegin muss sich hingegen jedes Mal neu vorbereiten.

Ihre Ideen stellen die Seminarteilnehmer am 6. Dezember im Rahmen der „European Robotik Week 2017“ an der Fachhochschule vor. Sie bemühe sich außerdem um Kontakte zu Pflegeheimen, erzählt Klein. „Dann können wir Pepper mal in der Praxis testen.“

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