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Fachgeschäft für Berufsbekleidung schließt Schambachs machen dicht

Seit 1950 haben sich die Kunden hier mit Arztkitteln, Blaumännern und Sicherheitswesten eingedeckt. Nun schließt das Fachgeschäft in der Braubachgasse - weil das Internet vieles bietet und Fachkleidung weniger gefragt ist.

19.11.2010 13:47
Jochen Pioch
Klempner, Bauarbeiter, Schornsteinfeger - sie werden Schambach vermissen. Seit 1950 gehörte der Laden in die Frankfurter Innenstadt. Foto: Monika Müller

"Im Juli haben wir es erfahren“, sagt Magdalena Leibel und lässt ihren Blick über die entleerten Regale in „Schambach Berufskleidung“ streifen. „Da war es bereits endgültig.“ Seit Jahren kamen immer seltener Kunden in das Geschäft für Arbeitskleidung in der Fahrgasse gekommen. Jetzt geben die Inhaber auf – am Donnerstag schloss der Laden seine Türen zum letzten Mal. Damit geht das letzte alteingesessene Geschäft an der Konstablerwache verloren – und Frankfurt hat ein Fachgeschäft für Arbeitskleidung weniger.

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Seit 1950 haben sich die Kunden hier mit Arztkitteln, Blaumännern und Sicherheitswesten eingedeckt. Aber auch Herren- und Damenmode wurde angeboten – rund zwanzig Verkäufer haben hier in den besten Jahren gearbeitet, zum Schluss waren es nur noch sieben. „Das Internet ist schuld“, sagt Siglinde Brix, die seit zwanzig Jahren bei Schambach die Kunden beraten hat. „Meine Enkel kaufen ihre Kleidung fast nur noch von zuhause aus, auf Anprobieren und Beratung legen sie keinen Wert.“ Sicher war es auch die Konkurrenz durch die großen Modeketten, die nach und nach die Zeil erobert haben – das kleine Geschäft mit dunklen Regalen aus den Fünfzigern wirkt im Vergleich wie aus der Zeit gefallen.

Vor zwei Jahren starb die Inhaberin

Auch die veränderte Arbeitswelt ist zum Problem für Berufskleider-Geschäfte geworden. „Die Menschen wechseln immer häufiger ihren Beruf“, sagt Brix, „deshalb sind sie nicht bereit, viel Geld für die Ausrüstung auszugeben.“ Seit vor zwei Jahren die Inhaberin verstarb und der Laden an ein Hospiz im Taunus vermachte, ging es bergab – immer mehr Kunden blieben weg. Die neue Geschäftsführung versuchte vergebens gegenzusteuern. „Vielleicht hätte man mehr Werbung machen müssen“, sagt Verkäuferin Brix. „Jetzt, wo die Nachricht von der Schließung sich verbreitet, kommen auf einmal alle ehemaligen Stammkunden und bedauern uns.“


Die Beschäftigten haben sich fast alle als arbeitssuchend gemeldet. „Wir würden alle gern noch länger arbeiten“, sagt die 62jährige Magdalena Leibel. „Zuhause ist es langweilig.“ Ihre Kollegin Brix, 78, kann das Aus gelassener hinnehmen: „Meine Kinder haben schon lange gesagt, dass ich aufhören soll zu arbeiten.“

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