Lade Inhalte...

Ex-Honorarkonsulin Rätselraten um Tod einer Prinzessin

Odette Maniema Krempin, die Pippi Netzstrumpf der Frankfurter Stadtgesellschaft, wird per Haftbefehl gesucht. Und das, obwohl sie von Bild und Wikipedia für tot erklärt wurde.

Makellos: Odette Maniema Krempin.

Wenn man von Wikipedia für tot erklärt wird, dann ist man es in der Regel auch. Und Wikipedia ist sich sicher: Odette Maniema Krempin „starb im Sommer 2016 in Goma in der Demokratischen Republik Kongo“. Andererseits: An Regeln hat sich Krempin eher ungern gehalten. Und wenn die „Bild“-Zeitung meldet, der nur einen Tag zuvor von ihr selbst proklamierte Tod der „schönen Prinzessin“ sei „offenbar nur inszeniert“ gewesen, dann mag da was dran sein.

Über Odette Maniema Krempin ließe sich manches sagen. Aber nicht, dass es mit ihr je langweilig gewesen sei. Etwa 2006 taucht sie in der Stadtgesellschaft auf – mit einer Vita, die zum Mitträumen einlädt. Angeblich ist sie eine waschechte Prinzessin aus einem steinalten kongolesischen Adelsgeschlecht, das sich bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgen ließe. In Paris und Marrakesch, sagt sie, habe sie sich zur Textildesignerin ausbilden lassen, halb Afrika trage ihre Klamotten, zudem betreibe sie ein Bergwerk. Vor allem aber sammelt sie als neue Charitynudel vom Dienst Geld für das „Deutsch-Afrikanische Jugendwerk“, dem sie vorsitzt und das angeblich Geld für Schulen und Schüler im Kongo sammelt. Es gibt Leute, die sehen in Krempin eine Philantropin. Es sind wohl dieselben Leute, die in Bruno H. Schubert einen Mäzen und Schöngeist sehen.

Dass „Bild“ einen Narren an der „schönen Prinzessin“ frisst, liegt in der Natur der Sache. Aber auch die sonst eher lendenlahme „FAZ“ ist anno 2009 noch ungewöhnlich euphorisch: „Makellos... Prinzessin Odette Maniema Krempin hat ein perfektes Lächeln. Leuchtend rote Lippen, blitzend weiße Zähne, tiefdunkle Haut, langes schwarzes Haar und ein lila Kostüm. Dazu trägt sie Netzstrümpfe, schwarze Stiefel mit Stilettoabsätzen und üppigen Goldschmuck.“ So schön war’s einst.

Die „schöne Prinzessin“ wird demontiert

Krempin schafft es bis zur kongolesischen Honorarkonsulin in Frankfurt – doch dann geht es rapide bergab. Das „Deutsch-Afrikanische Jugendwerk“ gerät unter den Verdacht des Spendenbetrugs, die Staatsanwaltschaft ermittelt, die Ermittlungen werden eingestellt. Aber plötzlich wird so ziemlich alles in Frage gestellt, was Krempin betrifft. Ihr Alter, ihr Titel, ihr soziales Engagement – für nichts davon lassen sich Belege finden.

Die „schöne Prinzessin“ wird Stück für Stück demontiert. Der Titel der Konsulin wird ihr aberkannt, 2012 leistet sie einen Offenbarungseid, sie verschwindet erst aus der Stadtgesellschaft und schließlich aus der Stadt selbst – ob gen Berlin oder gen Kongo, da scheiden sich die Geister. Aber wenigstens vor Gericht ist sie in Frankfurt noch präsent, zumindest juristisch. 2014 etwa wird sie zu einer Geldstrafe von 15 000 Euro verurteilt, weil sie zu einem Prozess wegen unbezahlter Handwerkerrechnungen nicht erschienen war. Im selben Jahr verurteilt das Gericht einen ihrer abgelegten Liebhaber, einen 68 Jahre alten Frankfurter Anwalt, wegen Veruntreuung von Mandantengeldern in Höhe von 200 000 Euro zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren. Er habe das Geld für seine kostspielige Geliebte ausgegeben, der er „hörig“ gewesen sei, sagt der Anwalt vor Gericht.

Doch da bewegt sich Krempin längst in anderen Sphären. Gemeinsam mit ihrem aktuellen Gspusi, dem belgischen Geschäftsmann Stefan de Witte, macht sie sich spätestens 2014 gesellschaftlich rar, und das aus gutem Grund: Sie und De Witte werden per internationalem Haftbefehl gesucht. Grund dafür ist die mutmaßliche Verwicklung der beiden in einen Korruptionsskandal.

Vor wenigen Tagen meldete die „Bild“-Zeitung, dass der Name der Prinzessin auf einem kongolesischen Totenschein aufgetaucht sei. „Als sie starb, war sie bis auf die Knochen abgemagert“, weiß „Bild“ und datiert ihr Alter auf „offiziell 42, inoffiziell circa 48“. Nur um wenige Tage darauf zu vermelden, dass die Prinzessin vermutlich nicht halb so tot sei, wie man glaubte: Auf Nachfrage hätten die Mediziner des Krankenhauses, das den Totenschein ausstellte, angegeben, die Dame nie gesehen zu haben, weder tot noch lebendig.

Hans-Peter Müller, Honorarkonsul der Republik Kongo, weiß auch nichts über die derzeitige Befindlichkeit Krempins. Er bestätigt aber, dass das Ausstellen falscher Totenscheine zwecks Abtauchens sich im Kongo extremer Beliebtheit erfreue, etwa bei Kriegsverbrechern. Dass die Prinzessin, wie die ursprüngliche Todesnachricht suggeriert, verhungert sein könnte, wagt er zu bezweifeln – „zu Essen gibt es in der Gegend genug, da verhungert keiner“. Dafür, dass es sich bei Krempin tatsächlich um eine Prinzessin gehandelt hätte, dafür hätten weder er noch seine kongolesischen Bekannten jemals das geringste Indiz finden können. Aber Odette Maniema Krempin, die habe es gegeben, die habe er ein paarmal getroffen und erinnere sich, dass sie „außergewöhnlich schön“ gewesen sei. Mit der diplomatischen Bemerkung, man solle über Verblichene nichts Böses sagen, will er aber nicht näher ins Detail gehen – und man könne ja nie wissen.

Vor allem nicht bei Odette Maniema Krempin. Die vielleicht keine echte Prinzessin war – aber mit Sicherheit jahrelang die hochoriginelle Pippi Netzstrumpf der Frankfurter Stadtgesellschaft.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen