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European School of Design Ein Kleid aus Lakritze

Studenten der European School of Design präsentieren ihre Semester-Projekte. Dazu gehören ein 25 Kilogramm schweres Kleid aus Lakritze, einzigartige Kalender und eine Homepage zum Bahnhofsviertel.

Black Beauty: Haute Couture aus Süßigkeiten. Foto: Alex Kraus

Ein Traum in Schwarz: Mit dem engen Korsett, dem dunklen Glänzen der fein verarbeiteten Materialien und dem ausladenden Rock ist das von Andrew Wulff entworfene Kleid ein echter Blickfang. Etwas irritierend ist nur der würzig-süßliche Geruch, der Model Laura Hofmann umhüllt. Denn diese Haute Couture besteht nur aus Lakritze. Und zwar aus 25 Kilogramm.

Es ist eines der Projekte, die bei der Semester-Ausstellung der European School of Design gezeigt werden. 55 Studenten präsentieren, was sie in den Kursen ihrer Ausbildung zu Kommunikationsdesignern gelernt haben.

Das Kleid aus der schwarzen Süßigkeit entwarf Wulff für eine fiktive Haribo-Werbekampagne. Drei Wochen lang hat der 19-jährige Jungdesigner von morgens acht bis nachts um drei Uhr an seinem Unikat gearbeitet: Entworfen, zugeschnitten, geklebt und „nebenbei zehn große Packungen Lakritze gegessen“, erzählt er.

Vor der großen Präsentation zu Semesterende arbeiten die Studenten teilweise einige Tage am Stück fast ohne Pause. Auch die 23 Jahre alte Eli Mross ist erschöpft. „Nächtelang habe ich durchgearbeitet“, erzählt die Studentin im zweiten Semester. Doch jetzt zeigt sie stolz ihr fertiges Projekt: ein origineller Kalender für die Zigarettenmarke Davidoff. Er besteht aus geschwungenen weißen Lettern, die die Worte „Good Morning“ formen. Für alle 365 Tage steckt in den Buchstaben eine goldene Zigarette, auf der das jeweilige Datum und „Guten Morgen“ in ebenso vielen Sprachen steht. „Diese Arbeit zeigt Visionen“, lobt Dozent und Mitgründer der Hochschule, Ralph Thamm. Es gehe nämlich immer um „interessante Kommunikation“, fügt er hinzu.

Ausbildung breit gefächert

Die Studenten bekommen in den Kursen zu Grafik-Design, Werbung, Fotografie oder Onlinekommunikation unterschiedlichste Aufgaben gestellt. Neben der Haribo-Kampagne ging es dieses Mal darum, alte Medien neu zu beleben. So beschäftigten sich die Jungdesigner wie Eli Mross mit modernen Ideen für die traditionelle Form des Abreiß-Kalenders. Sie haben außerdem weiße Skulpturen erschaffen, Porträts gezeichnet oder eine Homepage zum Frankfurter Bahnhofsviertel entworfen.

Bücher, Plakate, Fotos, Filme und Online-Medien: Die Ausbildung an der European School of Design ist breit gefächert – und sehr anstrengend. „Von den zehn Studenten, die wir pro Semester aufnehmen, brechen rund 40 Prozent ab“, erzählt Schulleiter Detlef Wildermuth. Viele unterschätzten den Arbeitsaufwand. Denn die teilweise fünf parallel laufenden praktischen Projekte nehmen von der Ideenfindung bis zur Präsentation manchmal ein ganzes Jahr in Anspruch.

„Die Studenten müssen Ideen, Talent und vor allem Leidenschaft mitbringen“, sagt Wildermuth. „Das ist der Grund, warum ich hier bin“, sagt Juan David De los Rios und zeigt seine Aktporträts aus dynamischen Bleistiftstrichen. Zeichnen ist seine Passion. „Aber der Druck ist extrem, da kann man nichts aufschieben“, erzählt er. Manchmal hätten sie nur eine Minute Zeit, um ein Bild zu malen. Doch ihm gefalle das Kommunikationsdesign-Studium. „Wir haben hier viel Freiheit, und uns wird knallhart die Meinung gesagt. Da lernt man viel“, findet der 18-Jährige.

Nun haben die müden Studenten erst mal zwei Monate Ferien. Andrew Wulff fährt in den Urlaub. Eines wird er definitiv nicht in seinen Koffer packen: „Von Lakritze habe ich genug für die nächsten Jahre“, sagt er.

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