Lade Inhalte...

Europäische Zentralbank Neonazis drängen zu Blockupy

Vor den geplanten Protesten des linken Blockupy-Bündnisses gegen die Europäische Zentralbank (EZB) am 18. März mehren sich Hinweise, dass Neonazi-Gruppen die Demonstration für ihre Zwecke nutzen wollen.

Auch auf der Pegida-Demo vom Montag waren wieder Neonazis mit von der Partie, hier Vertreter des Rechtshessischen Neonazi-Netzwerks „Freies Netz Hessen“ Foto: peter-juelich.com

Die Bildsprache wirkt vertraut. „Nix Party, Aufstand!“ steht auf der Grafik, die derzeit im Internet die Runde macht. Im Hintergrund ist der Neubau der EZB zu erkennen, daneben das Wappentier aller Internet-Spaßvögel: „Grumpy cat“, eine mürrische Katze, mit einem Partyhütchen auf dem Kopf.

Was aussieht wie ein lustiger Beitrag zur Mobilisierung für Blockupy, hat einen ernsten Hintergrund: Die Grafik stammt von der Webseite des „Freien Netzes Hessen“, eines hessischen Neonazi-Netzwerks. Schon seit Wochen rufen Kameradschaften wie die „Nationalen Sozialisten Rhein-Main“ über ihre Webseiten und Twitter-Kanäle zur Beteiligung an den Protesten gegen die EZB am 18. März auf. Auf einem weiteren Bildmotiv, das die Neonazis dafür entworfen haben, heißt es: „Gegen ihre Krisen – Für eine Beteiligung der nationalen Bewegung an den Protesten gegen die Austeritätspolitik der EU“.

Auf den ersten Blick scheint es absurd, dass Neonazis zu linken Aktionen mobilisieren, an denen Gewerkschafter und Antifa-Gruppen beteiligt sind. Doch für diesen „Antikapitalismus“ von rechts gibt es durchaus Vorbilder: Bereits die Brüder Gregor und Otto Strasser wollten seit den 20er Jahren einen „linken Flügel“ der NSDAP etablieren, der als „nationalrevolutionäre“ Kraft Arbeiter begeistern sollte. Sie redeten vom „Nationalen Sozialismus“, meinten aber vor allem Führerprinzip und Antisemitismus.

Hammer und Schwert

Und auch was ihren Rassismus betraf, standen die „linken“ Nazis dem rechten Parteiflügel unter Adolf Hitler in nichts nach. Ihr Symbol waren Hammer und Schwert – als Sinnbild für die Einheit von Arbeitern und Soldaten.

Es ist daher kein Zufall, dass die hessischen Nazis diese Symbolik in ihre EZB-Grafiken einbauen. Als sich Rechte vom „Freien Netz Hessen“ am vergangenen Montag an der Pegida-Kundgebung in Frankfurt beteiligten, hatten sie sogar Regenschirme dabei, auf die sie Hammer und Schwert gemalt hatten. Die Schirme sind ein Symbol für Blockupy, seit sie beim Polizeikessel am 1. Juni 2013 als gefährliche Gegenstände gewertet wurden.

Diese Übernahme von Elementen linker Subkultur ist bei jungen Nazis seit Jahren üblich: Wie die Strasser-Brüder geben sie sich als „Revolutionäre“ und hoffen, durch rebellisches Auftreten unter Jugendlichen neue Anhänger zu gewinnen. An ihrem extrem rechten Weltbild ändert das freilich nichts.

Auf der Webseite des „Freien Netzes Hessen“ heißt es zur EZB daher, die internationalen „Profiteure der Krisen“ lenkten die weltweite Politik, „während die Völker an ihren Grund und Boden gebunden sind“. Es brauche „völkische und nationale Lösungen“ für die Probleme der „Zinswirtschaft“. Soll heißen: Das international vernetzte ausländische Kapital ist böse, die „heimische Wirtschaft“ und die nationale Gemeinschaft sind gut. Das alte Ressentiment vom „jüdischen Finanzkapital“ ist da nicht weit.

Vor allem ein Internet-Phänomen

Bei Blockupy hat man die rechten Bezüge auf den Protest vom 18. März bereits im Blick. „Das wird auf jeden Fall beobachtet“, sagt Christian Linden vom linksradikalen Bündnis „Ums Ganze“. Da die hessische Neonazi-Szene aktuell eher schwach sei, halte er die rechte Mobilisierung allerdings vor allem für ein Internet-Phänomen, sagt Linden. „Sowie die Nazis das Gefühl haben, etwas könnte für sie anschlussfähig sein, versuchen sie, eigene Akzente zu setzen.“

Da die Rechtsradikalen in Frankfurt derzeit keine eigenen Aktionen hinbekämen, sagt Linden, wollten sie jetzt eben Blockupy nutzen, um im Gespräch zu bleiben. Doch die Rechten hätten keine Chance: Das Bündnis stehe von Anfang an für „eine transnationale Perspektive“, für Solidarität mit Flüchtlingen – und wende sich „gegen Versuche von Rechtspopulisten und Faschisten, in der Krise stärker zu werden“. Und was, wenn bei den Blockupy-Demos tatsächlich Neonazis auftauchen, um ihren völkischen Antikapitalismus zu propagieren? Ganz einfach, sagt Linden. Dann würde schon dafür gesorgt, „dass die nach Hause geschickt werden – im Zweifel auch unsanft“.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Blockupy Frankfurt

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum