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Eröffnung der Altstadt Frankfurts künstliches Herz

Aus dem einstigen Schmuddelviertel ist eine saubere Idylle geworden, die der Sehnsucht vieler Menschen nach Geborgenheit entgegen kommt. Ein Kommentar von Claus-Jürgen Göpfert.

Eröffnung Frankfurter Altstadt
Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (Mitte), Amtsvorgängerin Petra Roth (rechts) und Mike Josef (links) eröffnen die Altstadt. Foto: dpa

Fast 75 Jahre sind vergangen, seit die historische Altstadt Frankfurts bei alliierten Bombenangriffen zerstört wurde. Nach Jahrzehnten der Diskussion, nach langer politischer Kontroverse ist es erst jetzt gelungen, diese städtebauliche Wunde zu schließen.

Wer diese Entwicklung im Detail nachvollziehen will, dem sei die Ausstellung „Die immer neue Altstadt“ im Deutschen Architekturmuseum (DAM) samt Begleitbuch empfohlen. 35 Gebäude entstanden als neue Altstadt auf gerade einmal 7000 Quadratmetern. Darunter sind fünfzehn Rekonstruktionen historischer Häuser.

Die Kommunalpolitik hat sich mehrheitlich auf die Formel verständigt, der fünftgrößten deutschen Stadt sei ihr Herz zurückgegeben worden. Doch es ist ein künstliches Herz, das da implantiert wurde.

Das einstige Schmuddelviertel von Frankfurt 

Die Leistung vieler beteiligter Architekten, Ingenieure, Handwerker muss ausdrücklich gelobt werden. Doch was sie schufen, hat mit der historischen Wahrheit der 1944 untergegangenen Altstadt nichts zu tun. Tatsächlich war die so etwas wie das Schmuddelviertel Frankfurts. Viele Menschen hielten sich dort nicht gerne auf. Die Altstadt war dunkel, beengt, stand für schlechte Wohnverhältnisse.

Schon Anfang des 20. Jahrhunderts hatte Frankfurt deshalb begonnen, seine Altstadt zu sanieren, die Hygiene und die Kanalisation zu verbessern. Der Zweite Weltkrieg machte all das zunichte. 

Die neue Altstadt will von all dem nichts wissen. Sie inszeniert stattdessen einen Traum.

Es waren vor allem die bürgerlichen Mittelstandsparteien CDU und Grüne, die von 2005 an diese Inszenierung vorantrieben. Die Rechtspopulisten der Bürger für Frankfurt (BFF) hatten zwar den ersten Antrag für eine Rekonstruktion gestellt. Dem Projekt rechtsradikale Wurzeln zu bescheinigen, bleibt aber falsch.

Tatsächlich sagt die Beliebtheit der Altstadt viel aus über den Zustand der bürgerlichen Gesellschaft heute. Zum einen in städtebaulicher Hinsicht. Architekt Christoph Mäckler hat recht. Die Qualität des öffentlichen Raums nicht nur in Frankfurt ist oft schlecht. Es wäre dringend geboten, auf den Bau von Wohnsiedlungen so viel Sorgfalt zu verwenden wie auf die Altstadt.

 Zum Zweiten spiegelt sich in der Zuwendung zur Altstadt die Sehnsucht vieler Menschen nach Geborgenheit in einer sich rasch wandelnden Welt. Doch diese Hoffnung auf Halt erfüllt sich in den Frankfurter Kulissen am Ende nicht.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Neue Altstadt Frankfurt

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