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Ernst-Reuter-Schulen in Frankfurt Jahrelanger Stillstand an ERS

Sie ist seit Jahren angekündigt als die bisher teuerste Schulsanierung in Frankfurt. Passiert ist an den Ernst-Reuter-Schulen I und II bisher noch nichts. Dort fühlt man sich hinters Licht geführt.

Die Sanierung der Ernst-Reuter-Schule ist überfällig. Foto: peter-juelich.com

Sie ist seit Jahren angekündigt als die bisher teuerste Schulsanierung in Frankfurt. Von 56 Millionen Euro ist die Rede – plus 20 Millionen Euro für den Bau von Turnhallen. Doch passiert ist an den Ernst-Reuter-Schulen (ERS) I und II in der Nordweststadt noch nichts. Schulleiterin der ERS I, Monika Schmidt-Dietrich, ist deshalb genervt. „Schon als ich 2007 als Schulleiterin anfing, stand die Sanierung kurz bevor.“ Stand der Dinge heute: „Wir haben das Gefühl, hingehalten und immer wieder vertröstet zu werden.“

Der Schulkomplex in der Nordweststadt stammt aus den 60er Jahren. Die Fliesen fallen von den Wänden, zwei marode Sporthallen mussten schon vor Jahren abgerissen werden. Das Grundstück, auf dem die Hallen standen, hat die benachbarte Europäische Schule für ihren Erweiterungsbau erhalten. Als Ausgleich bekam die Ernst-Reuter-Schule die sogenannte Hundewiese zugewiesen. Dort sollten neue Hallen gebaut werden. „Das war aber alles Augenwischerei“, sagt Schmidt-Dietrich. Auf dem Grundstück dürfe gar nichts gebaut werden. „Nach dem Planungsrecht kann dort höchstens ein Sportplatz entstehen.“

An der Ernst-Reuter-Schule fühlt man sich hinters Licht geführt. Zudem ärgert sich die Schulleiterin darüber, dass die Uhren an der Ernst-Reuter-Schule wieder zurückgedreht würden. „Kollegium, Eltern und Schüler machen sich seit fünf Jahren Gedanken, welche Wünsche wir bei einer Sanierung haben“, sagt Schmidt-Dietrich. Nun habe sie von der Stadt mitgeteilt bekommen, dass zunächst ein mindestens ein Jahr langer Beteiligungsprozess vor der Sanierung geplant sei. Damit Eltern, Schüler und Lehrer mitreden können. „Das brauchen wir nicht“, sagt Schmidt-Dietrich. „Wir fangen so ja nur wieder bei Stunde null an.“

Auch neu für die Schulleiterin: „Das Stadtschulamt hat uns gesagt, dass Abriss und Neubau der Schule zur Diskussion stehen“, sagt Schmidt-Dietrich. Bisher sei immer von einer Sanierung die Rede gewesen. Das wäre der Schulleiterin auch lieber. „Die Aufteilung in Höfe ist ja ein pädagogisch durchdachtes Konzept“, sagt Schmidt-Dietrich. Ein Neubau würde dann sicher nicht mehr so überlegt angelegt werden.

Im Bildungsdezernat schließt man einen Abriss des Schulkomplexes tatsächlich nicht aus. „Das ist nicht so abwegig“, sagt Martin Müller, Referent von Bildungsdezernentin Sarah Sorge (Grüne). Schließlich sei eine genaue Kostenschätzung noch nicht erfolgt. Es könne sich daher noch ergeben, dass Abriss und Neubau günstiger seien als eine Gesamtsanierung. „Wir müssen auf die Wirtschaftlichkeit gucken.“

Schule, Lehrer, Eltern und Schüler einbeziehen

Vor der konkreten Planung will das Dezernat einen Beteiligungsprozess schalten, „damit Schulleitung, Kollegium, Eltern und Schüler von vornherein mit ihren speziellen Bedürfnissen einbezogen werden und man nicht im Galopp nachbessern muss“, sagt Müller. Denn es würden immer Wünsche während des Baus von der Schule kommen, „die zu Verzögerungen führen und die Kosten erhöhen“. Die Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft habe mit dieser „Phase 0“ sehr gute Erfahrungen gemacht.

Am Ende sei eine Sanierung dann günstiger, würde sich nicht verzögern – „und alle sind zufriedener“. Unter fachkundiger Begleitung soll die Phase 0 ablaufen, ein externes Planungsbüro wird dafür nun gesucht. Ein Jahr soll das Beteiligungsverfahren dauern. „Aber das heißt nicht, dass in dieser Zeit der Bleistift ruht“, sagt Müller. „Das ist kein Zeitverlust, da wird dann auch parallel geplant.“

Wenn sich die Schule zudem schon Gedanken gemacht habe, dann würde es vielleicht auch schneller gehen. „Aber so kann schon gleich zu Beginn abgeklärt werden, ob Ideen überhaupt realisierbar sind“, sagt Müller.
Für den Baubeginn ist weiterhin das Schuljahr 2018/2019 vorgesehen. Nach zwei Jahren sollen die Arbeiten beendet sein. Und dass auf der Hundewiese kein festes Gebäude errichtet werden darf, ist dem Bildungsdezernat bekannt. „Da muss die Beschlusslage noch angepasst werden“, sagt Müller. Das sei auch bereits mit dem Planungsdezernat geklärt. „Das ist eine reine Formalität.“

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Schulen in Frankfurt

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